so bevor jemand fragt der die Reihe kennt was ich damit zu tun habe das ist eine co story von uns zwein ...also Shannon und mir die geschichte gibt es auch zu lesen auf ihrer seite www.akelas-world.de.vu und meiner seite www.nessychen.de.vu
aber ihr bekommt sie gleich komplett
Prolog
Ich warte! Ich warte auf das Licht am Ende des Tunnels. Aber es kommt nicht. Der Tunnel wird dunkler, nur die zwei rotglühenden Augen des Dämons sind zu sehen. Die mich bedrohlich angucken und verfolgen. Sie schauen mir genau zu, ob ich auch das tue, was er von mir verlangt. Ob ich auch das Unmachbare mache. Nur um sein Leben zu retten. Um den einzigen Menschen, der mir auf der Welt geblieben ist, wieder in die Arme zu schließen. Ich fühle mich einsam und hilflos in dieser Stadt. Ich wollte hier zusammen mit ihm ein neues Leben beginnen. Weit weg von unsrer Vergangenheit, dem Dämonen- und Hexenkram. Wenn ich könnte, würde ich gerne vergessen, dass ich selber eine Hexe bin...
1. Kapitel
Saidas p.o.v.
Ich saß schon einige Zeit in diesem Café, der Kaffee war vermutlich schon kalt, aber was sollte es. Ich muss mir was überlegen, dabei war mein Kopf so leer. Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen und erst recht nicht überlegen, wie ich Felan helfen konnte. Ich hatte nicht die Mittel ihm zu helfen und die Leute, die sie hatten, sollten nicht erfahren wo ich war.
Ich kramte in meiner Tasche nach den Zigaretten, die auch schnell fand, nur das Feuerzeug fand ich nicht. Ich fing an meine Tasche auszuräumen, doch es war nicht da. Das konnte alles nicht wahr sein!
Ich ließ mich gegen die Lehne des Stuhles fallen. Ich war kurz vorm Durchdrehen, als Gott mir einen Engel schickte.
Feuer? fragte er mich und hielt mir ein Feuerzeug hin.
Ja, danke.
Er machte mir die Zigarette an und ich nahm einen tiefen Zug.
Stress? fragte der Mann weiter.
Ich schüttelte den Kopf.
Probleme?
Sind Sie immer so neugierig?
Eigentlich nicht, aber Sie sitzen hier schon Stunden in Gedanken vertieft und lassen ihren Kaffee kalt werden. Da frage ich mich, was Sie so beschäftigt?
Wissen Sie, was ich mich frage? Wieso Sie hier schon Stunden sitzen und mich erst jetzt ansprechen?
Ich wollte Sie nicht in Ihren Gedanken stören.
Wie rücksichtsvoll... Ich bin übrigens Saida.
Ich bin Kevin. Darf ich fragen, was Sie bedrückt?
Ich hatte plötzlich das Verlangen ihm alles zu erzählen. Seine Augen strahlten so viel Wärme aus. Aber mein Verstand war mal wieder stärker und ich beschloss lieber zu gehen, bevor er mich noch dazu brachte mehr zu sagen, als ich wollte.
Ich denke, ich sollte dann mal...
Ich machte schnell meine Zigarette aus und verließ das Café.
Kevins p.o.v.
Ich war mit Nick verabredet gewesen, doch er hatte mich anscheinend versetzt. Er kam ja oft zu spät. Aber wenn er eine Stunde nach der vereinbarten Zeit noch nicht aufgetaucht war, kam er wohl auch nicht mehr. Ich hatte mir die Wartezeit damit vertrieben, mir die Menschen hier genauer anzusehen. Da war dieses nette ältere Paar, dass ich schon öfter hier gesehen hatte. Sie brachten mich immer unwillkürlich zum Lächeln, weil ich mir vorstellte mit Shan eines Tages auch so hier zu sitzen. Mit grauem Haar und diesem verliebten Blick. Den Beiden sah man ihre Gefühle deutlich an. Ob das bei Shan und mir auch so war?
Es war noch jemand hier, dem man seine Gefühle ebenfalls deutlich ansah. Eine junge Frau mit langem schwarzen Haar. Sie starrte die ganze Zeit vor sich hin und ließ ihren Kaffee unberührt. Sie sorgte sich scheinbar um irgendetwas. Sie sah traurig und verloren aus. Das war dieser Gesichtsausdruck, der in mir unwillkürlich den Beschützerinstinkt weckte.
Sylvio war heute bei uns, zu Shannons Nachuntersuchung. Deshalb zögerte ich, schon zu gehen. Sie war bei ihm in den besten Händen und ich würde nur gestört haben. Und um das Baby kümmerte sich Mum solange. Sie wollte die Kleine so lange genießen, wie sie konnte. Schließlich flog sie heute Abend zurück nach Kentucky.
Also saß ich immer noch hier herum und fragte mich, was die junge Frau bedrückte. Sie holte gerade eine Schachtel Zigaretten aus ihrer Tasche. Sie wühlte weiter darin herum und fing dann an sie auszuräumen. Ich fasste einen Entschluss und ging zu ihr hinüber. Gerade als sie resigniert auf ihren Stuhl zurücksank, hielt ich ihr mein Feuerzeug hin.
Feuer?
Ja, danke.
Ich hielt die Flamme an den Glimmstängel und sie nahm einen tiefen Zug.
Stress? fragte ich sie, als sie seufzte.
Sie schüttelte den Kopf.
Probleme?
Sind Sie immer so neugierig? wollte sie misstrauisch wissen.
Eigentlich nicht, aber Sie sitzen hier schon Stunden in Gedanken vertieft und lassen ihren Kaffee kalt werden. Da frage ich mich, was Sie so beschäftigt?
Wissen Sie, was ich mich frage? Wieso Sie hier schon Stunden sitzen und mich erst jetzt ansprechen?
Ich lächelte sie an und setzte mich zu ihr an den Tisch. Ich wollte Sie nicht in Ihren Gedanken stören.
Wie rücksichtsvoll... Ich bin übrigens Saida.
Ich bin Kevin. Darf ich fragen, was Sie bedrückt?
Einem Moment sah sie mich an, als wollte sie mir trauen. Aber dann verschloss sich ihre Miene und sie stand auf.
Ich denke, ich sollte dann mal...
Ich sah ihr hinterher, wie sie das Café verließ. Dabei hörte ich förmlich Shans Worte: Du kannst nicht allen helfen, mein Engel. Manche Menschen wehren sich aus Stolz oder aus Angst.
Aber ich möchte es zumindest immer wieder versuchen. Ich seufzte und beschloss heimzufahren.
Als ich die Haustür öffnete, war erstaunlicherweise alles still. Bevor ich gegangen war, hatte hier eine junge Lady geschrieen wie am Spieß. Ich zog die Schuhe aus und schlich nach oben ins Schlafzimmer.
Mich erwartete eins der schönsten Bilder, die ich je gesehen hatte. Meine Frau, die unsere kleine Tochter stillte. Shannon sah auf und lächelte mich an.
Sie ist ganz kurz vor dem Einschlafen.
Ich ging zu ihr und setzte mich neben ihr auf die Bettkante. Linny hatte eine ihrer winzigen Hände fest um Shans Zeigefinger geklammert und schnaufte deutlich durch die Nase. Dann nuckelte sie kurz, nur um wieder lange Zeit gar nichts zu tun. Ich hätte ihr ewig so zusehen mögen. Sie war ein kleines Wunder. Ich streichelte ihr behutsam über das flaumige dunkle Haar.
Wir sollten dieses Hexenbaby jetzt ins Bett stecken. In vier Stunden kräht es ja schon wieder. meinte Shannon.
Ich nahm ihr die Kleine vorsichtig ab, damit sie es sich bequem machen konnte. Die Wiege, in die ich Linny verfrachtete, stand direkt neben unserem Bett. Während ich sie sorgsam zudeckte, fiel mir wieder ein, dass ich weder meiner Mum noch Sylvio begegnet war. Ich fragte Shannon danach.
Die Zwei sind etwas essen gegangen. Sie verstehen sich wirklich gut. Und? Wie war dein Treffen mit Nick?
Eher einseitig.
Wie meinst du das?
Ich kam als Einziger zu unserem Treffen. sagte ich trocken.
Sie lachte leise. Dann ist er möglicherweise doch mit London zum Flughafen gefahren. Sie hat ab morgen ihren nächsten Unterrichtsblock.
Solange er nicht mitgeflogen ist nach New York, soll mir das recht sein. Wir haben noch einiges für die Tour vorzubereiten.
Sie griff nach meiner Hand und zog mich neben sich aufs Bett.
Die Tour ist erst in drei Monaten. Das ist noch ziemlich viel Zeit, honey. Ich wollte protestieren, doch sie verschloss mir den Mund mit einem Kuss.
Erst kurz vor dem Schlafengehen fiel mir das junge Mädchen aus dem Café wieder ein. Im Nachhinein wurde mir klar, dass ich irgend etwas an ihr merkwürdig gefunden hatte. Aber ich wusste nicht mehr was...
2. Kapitel
Kevins p.o.v.
"Du musst ihr helfen! Bitte, mein kleines Mädchen braucht dich! Du findest sie in der Abbey Lane 153, fahr zu ihr und beschütze sie!"
Ich schreckte aus dem Traum hoch.
Um mich war ein wahrer Tumult. Akela stand breitbeinig neben dem Bett und knurrte grollend, Linny schrie wie am Spieß und Shannon fluchte lauthals, in einer Mischung aus irisch und italienisch. Dann stand sie auf und nahm das Baby hoch, das sich sofort etwas beruhigte.
Es ist weg. erklärte der Wolf, der noch immer die Zähne fletschte. Was auch immer es war, es ist verschwunden.
"Dann sei so gut und versuch herauszufinden wie es reinkam. Meine Siegel hätte es nicht überwinden können dürfen, verdammt!" Sie sah mich besorgt an und kam dann, um das Bett, zu mir. "Ist alles okay?"
"Ich weiß nicht wirklich, was grade passiert ist..." bat ich um Aufklärung.
"Akela hat etwas gespürt. Es kam herein... Hier herein..." Sie blickte sich um, ich fühlte ihre verhaltene Wut.
"Kleines..." Ich legte die Arme um sie, um sie zu beruhigen. Seufzend lehnte sie sich gegen mich.
"Vielleicht war es mein Traum... Vor mir stand ein Mann, so um die fünfzig. Er bat mich seine Tochter zu beschützen. Ich dachte zumindest, dass ich träume. Aber vielleicht..."
"Du meinst es könnte ein Geist gewesen sein? Das wäre möglich..." überlegte Shan. Sie sah sorgenvoll auf Linny herunter. "Akela hat Alarm geschlagen und sich sofort dem Eindringling entgegengestellt. Und ich hab es nicht mal gespürt..."
"Das ist doch normal. Du bist noch erschöpft von der Geburt." Ich bugsierte sie behutsam neben mich ins Bett und zog die Decke über uns beide.
"Aber ich kann doch nicht zu schwach sein, um meine Familie zu beschützen!" begehrte Shan auf.
Wenn ich nicht vorsichtig war, bekam ich wohl ihr irisches Temperament zu spüren... "Shan, Akela findet bestimmt raus was los war. Und wir erneuern die Schutzkreise und wir können auch noch ein paar Schutzamulette machen. Und im schlimmsten Notfall holen wir uns Hilfe bei der OCRSI."
Sie schnaubte unwillig.
"Die weltgrößte Hexe holt sich Hilfe bei der Mama... Soweit kommt's noch. Eher rufe ich Gabe und Angela her. Oder Jackie."
Ich fuhr sanft mit dem Daumen über ihre gerunzelte Stirn. Ich wusste, wie es sie nervte nichts tun zu können. Seit mehr als zwei Monaten verbrauchte das Baby ihre ganze Energie. Und es würde noch ein paar Tage dauern, hatte Sylvio erklärt, bis sie wieder in der Lage war, ihre Kräfte einzusetzen. Er hatte Erfahrung mit Wochenbett-Hexen.
Leises Pfotentapsen kündigte Akela an.
Es war eine Lüftungsöffnung der Klimaanlage. Da ist es rein und auch wieder raus. Ich weiß aber nicht, was es war.
"Ist es möglich, dass es ein Geist war?" fragte ich ihn.
Grundsätzlich schon. Aber ich habe ihn nicht gesehen. Du etwa?
Ich erzählte Shan und dem Wolf von dem Traum. Und dann von meiner Begegnung in dem Café.
"Ich wollte ihr helfen, aber sie zog es vor zu gehen. Ihr Name war Saida. Und ich glaube, unser nächtlicher Besucher macht sich Sorgen um sie..."
"Wie alt war sie etwa?" erkundigte sich Shannon.
"Noch keine zwanzig, würde ich sagen." Langsam machte ich mir wirklich ernsthafte Gedanken um das Mädchen. Und das merkte Shannon natürlich.
"Fahr zu ihr. Nimm Akela mit und fahr los. Ich werde mir ein paar Amulette nehmen und..."
"Nichts wirst du! Du bleibst schön hier im Bett und ruhst dich aus."
"Mr. Richardson..." warnte sie. Sie stand kurz vor einer Explosion.
"Mrs. O'Neall-Richardson, wollen Sie sich mit mir anlegen?!" Ich hatte auch einen kräftigen Schuss Irenblut in mir...
Schlagt euch ruhig die Köpfe ein, aber gebt mir erst euren Welpen, damit ich sie aus der Schusslinie bringen kann! mischte sich Akela ein.
Linny lag schlafend in Shans Arm, die kleine Stirn gerunzelt, als dächte sie angestrengt über etwas nach, und sah ihrer Mutter dabei sehr ähnlich. Wir blickten beide fürsorglich auf sie herunter.
Jedes Mal wenn ich sie ansah, stieg dieses freudige Kribbeln in mir hoch, gepaart mit der Sorge um ihr Wohlergehen. Sie war so winzigklein und zart... Auch wenn Sylvio meinte, sie sei nicht kleiner als andere Babys. Wenn ich sie ansah, wollte ich sie einfach nur im Arm halten und beschützen. Genau wie bei Shan.
Unsere Blicke trafen sich. Ich las in ihren Augen die leise Angst um mich und ihre Furcht ihre Kräfte nicht gebrauchen zu können. Ich ließ sie auch nicht gern allein.
"Ich mach das mit den Amuletten und du bleibst hier, bei Linny, und ruhst dich aus. Wenn es gleich anfängt hell zu werden, fahre ich mit Akela los. Und ich komme wieder, so schnell ich nur kann. Einverstanden?"
Sie nickte resigniert. Eine Wahl ließ ich ihr ja auch nicht.
Etwa eine Stunde später hielt ich mit dem Jeep vor der Hausnummer 153 in der Abbey Lane. Es war noch keine sechs Uhr früh, aber hier und da waren schon Fenster erleuchtet.
Ich stieg aus, den unsichtbaren Wolf im Schlepptau, und stieg die paar Stufen zur Tür des Apartmenthauses hoch. Saida MacInnes wohnte im zweiten Stock, wie mir das Schild an der Klingel verriet. Auch bei ihr war ein Fenster erleuchtet, wie mir der Blick nach oben bestätigte. Also läutete ich. Die Gegensprechanlage knackte.
"Ja?"
"Guten Morgen, Saida. Mein Name ist Kevin Richardson, wir haben uns gestern im Café kennen gelernt. Ich..." ...hatte heute Nacht wahrscheinlich Besuch von ihrem Vater... "...habe ein paar Fragen an Sie. Würden Sie mich hereinlassen?"
Stille.
"Also gut."
Ich tauschte einen Blick mit Akela. Ihre Stimme hatte aber nicht begeistert geklungen... Sie drückte auf.
Ich nahm immer zwei Stufen auf einmal und stand schnell vor ihrem Apartment. Sie sah mir misstrauisch durch den Türspalt entgegen, den die Kette zuließ.
"Also, was wollen Sie hier?"
"Guten Morgen. Tut mir leid, dass ich so früh störe. Aber bei uns war... Würden Sie mich vielleicht hereinlassen, hier draußen lässt sich so schlecht reden."
"Nein. Worüber wollen Sie überhaupt reden?" fragte sie irritiert.
"Über ihren Vater, von dem ich letzte Nacht geträumt habe."
Nach kurzem Zögern schloss sich die Tür, um dann weit aufzuschwingen.
"Kommen Sie rein."
Ich folgte der Anweisung.
Ihr Apartment war klein, wirkte eher karg als gemütlich. Das Sofa war alt und fadenscheinig, den Tisch davor hinderte ein Streichholzbriefchen am Wackeln. Ich sah mich nicht richtig um, da ich ihr ersparen wollte sich beschämt zu fühlen.
Ich setzte mich auf das Sofa, als sie mir Platz anbot. Dann fing ich ihren abwartenden Blick ein und erzählte ihr von meinem Traum. Akela und die Schutzmaßnahmen gegen Magie in unserem Haus, ließ ich allerdings unerwähnt. Es reichte mir, dass der Wolf mir beim ersten Blick auf Saida mitgeteilt hatte, dass sie eine Hexe war. Und, seiner Ansicht nach, eine recht starke, wenn sie ausgebildet worden sein sollte...
Saidas p.o.v
Ich weiß nicht, wie es so weit kommen konnte, aber nun saß er da. Auf dem Sofa, über dem immer noch die Schutzfolie vom Umzug lag. Eigentlich war er ein Fremder, und meine Mum hatte immer gesagt: "Lass keine Fremden ins Haus", aber bei ihm hatte ich so ein vertrautes Gefühl, so als würde ich ihn kennen. Aber was wusste ich schon über ihn. Nur dass er Kevin Richardson hieß... Aber er saß nun da und erzählte mir, dass er in der Nacht von meinem Vater geträumt hatte. Dass der ihm erzählt hätte, wo er mich finden würde.
Mein Vater hatte sich schon immer zu viele Sorgen gemacht und es passte zu ihm, dass er sich selbst nach seinem Ableben noch einmischte, wenn ich Probleme hatte.
Aber dass Kevin so viel auf einen Traum gab, bewies dass er an Übersinnliches glaubte, und ich beschloss ihm alles zu erzählen.
Ich bin eine Hexe. bekannte ich und wartete auf die übliche Reaktion, Verunsicherung. Aber er sah mich weiter ruhig an, was mich verunsicherte.
Er schien es zu bemerken und lächelte.
Damit hab ich kein Problem. Ich bin mit einer Hexe verheiratet, wir haben ein Kind.
Mir fiel ein Stein vom Herzen, als er das sagte, und es war jetzt leichter für mich ihm den Rest zu erzählen.
Ich habe einen kleinen Bruder, Felan, er ist vier. Er wurde von einem Dämon gefangen und der erpresst mich jetzt. Ich soll eine Hexe töten...
Er sah mich eine Weile an und schien in Gedanken versunken. An was dachte er nur... Dann begann er zu lächeln.
"Ich denke, das bekommen wir schon hin."
Ich verstand im ersten Moment nicht richtig.
"Ich werde Ihnen helfen." wiederholte er.
Ich kannte diesen Mann keine 20 Minuten und er bot mir seine Hilfe an... So was war mir bis dahin noch nie passiert. Ich hätte ihm um Hals fallen können, doch genauso schnell wie die Freude kam, kamen auch die Zweifel. Wie, um alles in der Welt, wollte er das machen?
3. Kapitel
Kevins p.o.v.
"Wie, zum Teufel, willst du das machen? Shan hat grad erst gewor... ich meine... Linny bekommen. Sie hat ihre Kräfte noch nicht zurück und du kannst nicht mal einen normalen Schutzzauber anbringen. So was von Magieblindheit habe ich auch noch nicht gesehen..."
Ich ließ mich von Akela nicht irritieren. Er hatte Recht, meine Schutzzauber - es waren welche von der erlernbaren Sorte für jene, die nicht geborene Hexen waren - gingen kläglich daneben oder waren löchrig und unbrauchbar. Jedes Kind konnte es besser. Jeder der Jungs auch... Aber ich konnte weder Saida im Stich lassen noch Shannon damit belasten. Irgendwie musste ich es hinkriegen. Aber erstmal war es wichtig, um was für einen Dämon es sich handelte. Und das konnte Shan wohl am Besten rausbekommen.
"...und dann dieser Versuch die Haustür zu versiegeln. Ein Windhauch hätte sie aufgedrückt..."
Zu gern hätte ich dem Wolf den Mund verboten, aber er hörte ja sowieso nicht auf mich. Und ihm die Schnauze zubinden konnte ich nicht, da er nicht sichtbar war und ich einfach durch ihn hindurchgreifen würde. Also ließ ich seinen Monolog über mich ergehen. Wie gut, dass wenigstens Saida davon nichts mitbekam... Die saß neben mir, auf dem Beifahrersitz meines Jeeps, und sah gedankenverloren aus dem Fenster.
Akela, hinter mir, zählte weiter meine versagenden Zauber auf. Er hatte Recht... Wenn in der Richtung etwas hatte klappen sollen, dann hatte ich seine Hilfe dabei gebraucht. Shan meinte, es sei normal wenn ich keine Zauber wirken könnte. Ich hätte schließlich die mediale Begabung und in die würde die gesamte Energie einfließen. Ich hätte eben nur diese eine Fähigkeit geerbt, während sie von ihren Eltern die ganze Palette mitbekommen hatte. Besonders tröstlich war das ja nicht. Vor allem wenn solche Sachen passierten, wie letzte Nacht. Ich war nicht in der Lage Shan und unser Baby vor übernatürlichen Angriffen zu beschützen und das beunruhigte mich.
Wir fuhren die Einfahrt meiner Villa hinauf. Akela war endlich fertig und spitzte die Ohren. Er prüfte, ob hier alles in Ordnung war. Plötzlich schmatzte er laut, als würde ihm das Wasser im Maul zusammenlaufen.
"Wir sind da." sagte ich zu Saida. Sie sah mich an, dann das Haus.
"Nette Bude."
"Ja, kann man sagen."
Wir gingen durch den Garageneingang. Saida registrierte sowohl das Schutzzeichen über dem Rolltor, als auch das Amulett über der Tür zur Küche.
"Sieht hier aus, wie in Fort Knox..."
"Nur ein paar kleine Sicherheitsmaßnahmen. Shan ist, nach der Geburt, noch nicht bei Kräften."
"Wie alt ist denn euer Baby?"
Ich lächelte. "Linny ist jetzt drei Tage."
"Na dann..."
Ich öffnete für sie die Tür und bat sie herein. Der Duft von gebratenen Eiern und Speck schlug uns entgegen. Akela lief uns voraus und saß nur Augenblicke später schwanzwedelnd und mit erwartungsvollem Gesicht neben Shannon, die am Herd stand und belustigt auf ihn hinuntersah.
"Hätte ich mir ja denken können, dass du das durch die halbe Stadt erschnüffelst..." meinte sie grinsend. Dann drehte sie sich zu mir und Saida um. "Hallo. Ich hoffe, ihr habt Hunger?"
Ich ging zu ihr und nahm sie in die Arme. "Du sollst dich nicht anstrengen, hat Sylvio gesagt..." hielt ich ihr leise vor.
"Daibhid, ich mache Frühstück und keinen Marathonlauf. Es geht mir gut, wirklich." Sie schlang ihre Arme um mich und küsste mich zärtlich.
Ich seufzte und schüttelte den Kopf. "Du kleiner Dickkopf. Und was heißt davit?"
Sie lachte über meine Aussprache. "'Innig Geliebter'. Du musst noch viel lernen wenn du das Irische halbwegs verstehen willst. Es heißt 'da-e-vhit', nicht davit."
"Na dann... Darf ich dir Saida vorstellen? Sie ist die junge Frau, die unsere Hilfe braucht. Und wie der Zufall so spielt, ist sie, wie du, eine Hexe. Saida, das ist meine Frau Shannon."
"Hallo Saida. Es freut mich immer, eine Schwester begrüßen zu dürfen." Shannon trat auf die junge Frau zu und umarmte sie. Saida ließ es, leicht verunsichert, geschehen.
In diesem Moment meldete sich eine ungehaltene Stimme aus der Wiege, die im Durchgang zum Wohnzimmer hing. Ich ging hin und hob Linny hoch. Sie hielt kurz inne und machte dann in doppelter Lautstärke weiter.
"Ist ja gut, Linny. Dein Daddy gibt dir jetzt das Fläschchen und dann kannst du schön weiterschlafen, ja?" Ich holte es aus dem Flaschenwärmer und im nächsten Moment war meine Tochter ruhig und nuckelte zufrieden ihre Milch.
"Darf ich vorstellen: Miss Aislinn Lavena O'Neall. Miss O'Neall: Saida MacInnes." Stolz zeigte ich Saida meine kleine Tochter, der grade ein bisschen Milch aus der Nase lief.
"Nicht so hastig trinken, Baby. Die Milch soll in den Magen, nicht aus der Nase wieder raus..." Shannon tupfte sie vorsichtig weg und legte mir Linnys Spucktuch dann über die Schulter. "Kannst du gleich nach ihrer Windel sehen? Ich habe sie vor einer halben Stunde gewickelt, aber wenn oben was reinkommt, dann..." Shannon lachte.
"Kein Problem. Ich gehe mit der Kleinen rüber ins Wohnzimmer."
"Ja, mach das." Sie gab mir einen Kuss und wandte sich wieder den Eiern zu. "Ich bringe das hier gleich rein. Oh! Wenn ich neuen Speck gebraten habe... AKELA, ich weiß dass du das warst! Und ich finde es NICHT WITZIG!"
Der Übeltäter lag im Wohnzimmer an der Terrassentür in der Sonne und versteckte die Schnauze unter beiden Pfoten. Er hatte sich inzwischen projiziert und Saida warf ihm einen misstrauischen Blick zu.
"Ist das ein Wolf?!"
"Hm... ja. Aber er ist... harmlos." Ich setzte mich in einen Sessel und rückte Linny in meinem Arm zurecht.
Ich bin harmlos??
Saida hatte sich grade setzen wollen und erstarrte mitten in der Bewegung.
Ich seufzte tief. "Ja, harmlos. Und eine Nervensäge und unsensibel und ein mit messerscharfen Reißzähnen bestücktes Raubtier. Zufrieden? Ich dachte wir hätten abgesprochen, dass du Gäste nicht zu Tode erschreckst?"
Deine Mutter hat es doch ganz positiv aufgenommen?
"Ich hatte ihr ja auch schon von dir erzählt. Außerdem mag sie Hunde."
Hunde?!
"Akela, es ist gut. Mir reicht es, dass wir wegen dir kein anständiges Frühstück haben. Der Speck ist alle. Und rate mal warum..." mischte sich Shannon ein, die mit drei Tellern hereinkam.
Ähm...
"Ja, ähm! Saida, übersieh ihn einfach. Er ist harmlos." Sie verteilte die Teller und setzte sich neben mich. Von Shannon ließ sich der Wolf die Bezeichnung 'harmlos' gefallen. Er grummelte nur irgendwas, wiedersprach aber nicht.
"Habt ihr noch mehr solche Überraschungen auf Lager?" fragte Saida vorsichtig.
"Nein. Aber Akela reicht auch vollkommen, oder?"
4. Kapitel
Saidas p.o.v
Er hatte mich zum Frühstück eingeladen, und ich hatte zugesagt. Vielleicht konnte er mir ja wirklich helfen. Auch wenn ich es mir nicht so recht vorstellen konnte... Wie er da mit seiner kleinen Tochter saß und sie fütterte, mit dem Lächeln, das ich von meinem Vater kannte, damals als Felan grade da war. Als müsste er sie vor allem Bösen auf der Welt beschützen. Ich konnte nur für Linny beten, dass Kevin sich nicht so bei ihrem ersten Date anstellte, wie es mein Vater bei mir getan hatte.
Shannon schien eine herzensgute Frau zu sein. Sie erzählte mir von Akelas Schandtaten und den kleinen Streitereien mit Kevin. Mir war das mit dem Speck egal gewesen, ich aß schon seid Jahren kein Fleisch mehr.
"Wo kommst du her?" fragte Shannon, nachdem es keine Storys mehr über Akela und Kevin zu erzählen gab.
"Seattle, ich bin erst vor kurzem hergezogen."
"Und gefällt es dir hier?"
"Weiß nicht, so viel habe ich noch nicht gesehen."
"Nun, vielleicht gehen wir mal zusammen..." Linny war es, die Shannon mit lautem Geschrei unterbrach. Kevins Bemühungen halfen nicht, sie zu beruhigen.
"Frühstücke du erstmal zuende. Ich mach das schon." Shannon nahm Kevin Linny ab und ging mit ihr nach oben.
Kevin aß fertig und räumte den Tisch ab. Ich schaute mich ein bisschen um und sah mir die Fotos an den Wänden an. Mir fiel immer wieder eine Frau auf, die oft neben Kevin auf den Fotos war. Sie schienen sich sehr vertraut zu sein.
Kevin kam zurück. Er beobachtete mich eine Weile und bemerkte wohl mein Interesse.
"Das ist meine erste Frau, Kristin. Sie ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen."
"Das tut mir leid..."
"Weißt du, ich hab jetzt Shannon und Linny. Sicher, ich vermisse Kristin, aber ich bin glücklich." Er lächelte, und man sah ihm an, dass es ihm gut ging.
"Darf ich dich was fragen?" unterbrach er meine Gedanken.
"Sicher?"
"Was ist mit deinen Eltern? Ich meine, was ist passiert, dass du dich jetzt um deinen kleinen Bruder kümmerst?"
Ich wusste, dass die Frage irgendwann kommen musste, aber ich war nicht bereit sie zu beantworten. Ein Klingeln an der Tür war meine Rettung.
Kevin entschuldigte sich und öffnete. Sofort hörte man ein Durcheinander von Stimmen, die immer wieder verlangten Linny zu sehen. Und irgendwas sagte mir, dass es sich bei diesen Stimmen um jene der Männer, von den restlichen Fotos, handeln mussten. Kevin brachte schnell Ruhe rein und erklärte ihnen, dass sie Linny nur sehen könnten wenn sie sich benähmen, die Kleine wäre so eine Unruhe schließlich nicht gewöhnt. Er kam mit den Männern zurück ins Wohnzimmer.
"Darf ich vorstellen, Saida MacInnes. Saida, das sind Nick, AJ, Brian und Howie."
Jeder von ihnen gab mir die Hand und sagte Hallo, Nick und AJ wirkten dabei wie kleine Jungs. Aber kaum dass Shannon mit dem Baby nach unten kam, waren sie nicht mehr zu halten. Sie stürzten sich auf sie, wie halb Verhungerte auf etwas zu essen. Kevin schüttelte über ihr Benehmen den Kopf, grinste aber.
Ich setzte mich zu Akela an die offene Terrassentür und kramte meine Zigaretten aus meiner Tasche.
Akela sah mich böse an und knurrte.
"Ist ja schon gut." Ich steckte meine Zigaretten wieder weg. "Sag mal, sind die immer so?" Ich deutete mit meinen Kinn zu der Meute, die sich immer noch um Shannon drängte.
Na, meistens. Nur wenn sie sich mit Dämonen, Geistern, Vampiren oder Voodoopriestern anlegen, dann sind sie noch schlimmer.
Ich begann Akela zwischen den Ohren zu kraulen, was er sichtlich genoss. "Wird Kevin mir denn helfen können?"
Allein?
Ich verstand seine Frage nicht recht, wurde aber in meinen Gedanken von Linny unterbrochen, die lautstark ihre Meinung zu dem Trubel verkündete. Shannon ging mit ihr wieder nach oben und die Fünf in die Küche. Akela sah ihnen kurz nach und leckte sich die Schnauze.
Ich glaube, ich werde da mal gucken gehen... Er streckte sich und verschwand schwanzwedelnd in der Küche.
Ich holte meine Zigaretten raus und genoss die Ruhe. Ich dachte an das bunte Treiben, das da drin gerade im Gange war. Sie lachten alle soviel und waren glücklich. Das ich so was erlebt hatte, war so lange her... Unser Glück war von einem Dämon zerstört worden. Wieder kamen mir die Bilder von meinem Vater ins Gedächtnis. Wie er aufschrie... Ich konnte doch nicht zulassen, dass Kevin dasselbe passierte...
Howie stand plötzlich hinter mir. "Saida? Kevin lässt fragen, ob du noch was zu essen möchtest."
"Nein."
Er sah mich kurz an, bevor er sich setzte. "Du schienst mit deinen Gedanken sehr weit weg gewesen zu sein."
War das seine Art zu fragen: 'Was für ein Problem hast du?' "Nicht weit genug weg."
"Die da drin denken, ich wüsste nicht wieso sie ausgerechnet mich geschickt haben, um dich zu fragen. Nick und AJ haben ein Abenteuer gerochen. Und sie wissen, dass ich mit diesen übersinnlichen Sachen ein Problem habe. Aber, egal was es ist, Kevin und Shannon werden dir helfen." Howie lächelte mich an.
"Und was ist, wenn ich ihre Hilfe nicht will? Was ist, wenn ich sie einfach nicht annehmen kann?"
"Warum nicht?"
"Wegen Linny. Sie ist so klein und hat noch keine Ahnung wie scheiße die Welt ist. Das was sie momentan braucht, sind ihre Eltern. Sie braucht ihren Schutz. Da kann ich doch nicht verlangen, dass sie ihr Leben für mich riskieren? Das kann ich nicht. Hast du schon mal jemanden sterben sehen, bei einem Kampf mit einem Dämon? Hast du die Augen der Kinder der Dämonenjäger gesehen, wenn man ihnen sagt, dass ihre Eltern nicht zurückkommen? Ich hab meinen Vater im Kampf sterben sehen. Ich erinnere mich, wie er schrie. Und ich weiß, wie mein Bruder mich mit seinen großen Augen ansah. Voller Tränen und Trauer, als ich ihm sagen musste, dass unsere Eltern nicht zurückkommen würden." Mir lief eine Träne die Wange runter.
Howie nahm mich in den Arm. "Ich kann deine Angst verstehen. Aber du musst auch uns verstehen. Wir können es nicht mit ansehen wenn andere Menschen leiden. Wir passen schon auf uns auf. Und wenn wir es nicht schaffen, holen wir uns Hilfe." Er sah mich wieder an und wischte mir eine Träne weg. "Wir wissen schon, was wir tun. Auch wenn es manchmal nicht danach aussieht."
5. Kapitel
Kevins p.o.v
War ja klar, dass sie innerhalb kürzester Zeit hier auftauchen würden... Ich wusste Bescheid, noch bevor ich die Tür öffnete. Sie waren schließlich laut genug für zehn.
"Hey, Kevvy Kev! Wir wollen dein kleines Mädchen sehen!" verkündete AJ schon, noch bevor er Anstalten machte einzutreten.
"Yoah, zeig uns unsere kleine Linn!" forderte auch Nick konsequent.
"Wenn ihr hier so einen Lärm veranstaltet, könnt ihr gleich wieder abziehen. Aislinn ist grade mal drei Tage alt und erträgt euer Geschrei nicht." Ich verschränkte die Arme vor der Brust.
AJ und Nick sahen mich leicht geknickt an. "Und wenn wir ganz lieb und leise sind?" versuchte es Nick. AJ guckte mich an wie ein Welpe. Brian, hinter ihnen, lachte leise.
"Na gut. Aber wehe, ihr benehmt euch nicht." Ich winkte ihnen, mir ins Wohnzimmer zu folgen, und stellte ihnen Saida vor. Bis dahin zumindest benahmen sich AJ und Nick mustergültig.
"Was ist denn hier für eine Versammlung? Ich wusste doch, ich hab AJ gehört. Ich hab's dir ja gesagt, Linny, dein lauter Onkel ist hier." Shan kam lächelnd, mit unserem Baby im Arm, die Treppe herunter. Sofort stürzten ihr vier Männer entgegen. Kopfschüttelnd ging ich hinter ihnen her.
"Oooch... was ist die süüüß!" Staunend starrte Howie auf meine Tochter.
"Guck mal, Linny! Ich bin dein Onkel Nick!"
"Guck mal, Linny, das da ist ein Schwachkopf. Und ich bin dein Onkel AJ."
"Hör nicht auf die beiden, Linny. Das sind gar nicht deine Onkel, sondern nur ein paar Verrückte. Aber ich, ich bin dein Großcousin."
"Möchtet ihr sie mal halten?" fragte Shan lachend.
Howie hatte als Erster die Ehre. Er wiegte mein kleines Mädchen sanft in den Armen. "Sie sieht dir sehr ähnlich Kev." meinte er leise.
"Ja. Sie sieht fast so aus wie du, auf den Baby-Bildern." Brian fuhr mit einem Finger über den dunklen Flaum auf ihrem Köpfchen.
"Ich finde ja, sie sieht ihrer Mum ähnlich. Sie hat genau Shannys Nase." AJ schlang die Arme um meine Frau. Auf meinen Blick hin ließ er sie wieder los.
"Ich denke, wir sollten warten was für Sommersprossen sie bekommt, Kevins dunkle oder Shans goldene, bevor wir das entscheiden." warf Nick ein.
"Was denn... du kannst denken?" Dafür fing sich AJ einen Rippenstoß von Shan.
Linny wanderte inzwischen weiter, in Brians Arme. "Sie ist ein bisschen kleiner als Baylee war, oder täusche ich mich?"
"Kein Wunder, Shan ist ja auch kleiner als Leighanne."
"Über die Logik kann ich nur lachen, Nick. Kevin ist größer als Brian. ...na?"
"AJ, lass Nicky in Ruhe und nimm deine Nichte auf den Arm." ordnete Shannon an, um die Meute zum Schweigen zu bringen.
Vorsichtig nahm AJ die Kleine entgegen. "Linny! Linny-Linn! Gutschi-gutschi-guh!"
Wir prusteten alle zusammen los und fingen uns einen bösen Blick, über den Rand der Sonnenbrille hinweg.
"Haha, wie witzig. Ich werde euch dran erinnern, wenn ihr anfangt für sie Grimassen zu schneiden." Er legte Linn vorsichtig in Nicks Arme.
Einen Moment geschah nichts. Dann wurde meine Tochter richtig wach und wimmerte, was Sekunden später bis zu einem Brüllen anschwoll.
"Ich hab nix gemacht!" protestierte Nick.
"Gib sie mir bitte, Nick. Hey, Kleine, ist doch schon gut..." Shan lehnte Linns Köpfchen gegen ihre Wange und fing an ein Schlaflied zu summen. Sofort beruhigte sich Aislinn etwas. "Ich bringe sie rauf, ins Bettchen. Noch einen Gute-Nacht-Kuss, kleine Lady..." Sie hielt sie mir hin.
Ich schlang die Arme um meine kleine Familie und küsste erst Linn und dann Shannon. "Du legst dich auch ein bisschen hin, okay? Die Nacht war zu kurz und du siehst müde aus."
Shan nickte nur, was mir mehr als ihr blasses Gesicht sagte, wie müde sie wirklich war. Sie ging nach oben und ich dirigierte die Jungs in die Küche, damit wieder etwas mehr Ruhe einkehrte. Kurze Zeit später stieß auch der Wolf zu uns und versicherte sich, dass hier nichts ohne ihn gegessen wurde, denn ich schlug für Nick ein paar Eier in die Pfanne.
"Aislinn ist ein wirklich hübsches Baby." meinte Howie.
"Ja, sie wird den Männern zu Dutzenden die Köpfe verdrehen." pflichtete ihm AJ bei.
Ich hielt mitten in der Bewegung inne. "Ich glaube, ich werde kein Auge mehr zumachen können, wenn sie in die Pubertät kommt..."
Die Jungs lachten auf.
"Jaja... die Aufgaben eines pflichtbewussten Vaters..." grinste Brian.
"Howie, kannst du bitte Saida fragen, ob sie noch etwas essen möchte?" Ich drehte mich zu ihm um. Howie war der Richtige, wenn es darum ging jemanden zum Reden zu bringen.
"Ja, genau. Geh mal und frag die hübsche Lady mit dem übernatürlichen Problem, ob sie noch Hunger hat." meinte plötzlich auch AJ.
Ich sah von ihm zurück zu Howie und bemerkte, wie er das Gesicht verzog. Er half gern, wo er nur konnte. Aber mit dem Übersinnlichen hatte er so seine Probleme, weil er es hasste die Kontrolle über die Situation zu verlieren. Und das Paranormale konnte man nicht kontrollieren... Aber D stand trotzdem auf und ging hinüber ins Wohnzimmer.
Nick schloss hinter ihm die Tür.
"Also, was für ein Problem hat sie?" AJ starrte mich erwartungsvoll an. "Dämonen? Vampire? Zombies?"
"Du hast Geister vergessen." erinnerte ihn Nick. "Oder sind es Voodoo-Priester oder schwarze Hexen?"
"Und warum kommt ihr auf die Idee, dass sie ein übernatürliches Problem hat?" wollte ich mit einem geringschätzigen Lächeln wissen. Ich musste die Jungs da unbedingt mit der Nase raushalten, allein schon in Anbetracht der Konstellation von zwei Hexen und fünf Backstreet Boys...
"Sie ist hier." erwiderte AJ, als würde diese Tatsache selbstverständlich alles erklären.
"Als wenn alle Menschen, die herkommen, Probleme mit übersinnlichen Phänomenen hätten..." Kopfschüttelnd wandte ich mich wieder den Eiern zu, aber so schnell ließen sich die Jungs nicht davon abbringen.
"Nein. Nur all die, die wir nie zuvor gesehen oder von denen wir gehört haben." grenzte AJ den Kreis der Verdächtigen ein.
Ich schüttelte wieder den Kopf. "Noch mehr Beweise für eure absurde Idee?"
"Sie. Sie hat, so wie sie aussieht, die letzte Nacht bestimmt nicht viel geschlafen, was ein Beweis dafür ist, dass wir es mit Vampiren zu tun haben, die sie die ganze Nacht über gejagt haben." Triumphierend sah AJ mich an.
"Fakt ist außerdem, dass du die ganze Zeit nicht wirklich bei der Sache bist, sondern mit deinen Gedanken ganz woanders. Du hast mich nicht mal angemeckert, dass ich dich gestern versetzt habe. Vielleicht warst du ja auch gar nicht da, sondern auf der Suche nach den Tagverstecken der Vampire?" führte Nick die Sache weiter aus.
"Ach ja... Gut dass du mich daran erinnerst, Nick, wir zwei haben ja noch ein Hühnchen zu rupfen. Seid ihr jetzt fertig mit euren Spinnereien?" Ich setzte die Rühreier vor Nicks Nase ab. "Sie ist eine Bekannte von Shannon, sie ist heute morgen aus Seattle gekommen und das einzige Übersinnliche an ihr ist, dass sie eine Hexe ist."
"Jetzt haben sie dich." meldete sich Brian das erste Mal zu Wort. "Du solltest eben besser nicht lügen."
Ich stützte mich mit den Händen auf die Tischplatte. "Sie haben mich? Wie meinst du das?" wollte ich wissen.
"Als AJ und Nick uns, Howie und mich, vorhin am Flughafen abgeholt haben, kam die Durchsage, dass der Flugverkehr in Seattle wegen eines Schneesturms seit Stunden eingestellt ist. Saida kann nicht heute morgen von dort gekommen sein."
Ich sah von einem zum anderen und suchte nach einer anderen Erklärung. Dann ließ ich den Kopf resigniert nach vorn fallen. "Also gut, Jungs... Sie hat ein Problem..."
Zweistimmiges triumphierendes Jubeln war die Antwort.
Nick schob den leeren Teller zurück. "Und? Sind es Vampire?"
"Wir haben noch nicht drüber gesproch..." Ich sah zu, wie die Tür hinter AJ und Nick zufiel.
Besser wir gehen Saida vor den beiden retten. meinte Akela trocken. Brian und ich folgten ihm aus der Küche ins Wohnzimmer, wo Nick und AJ die junge Hexe garantiert mit Fragen bestürmten.
Das konnte ja heiter werden...
6. Kapitel
Saidas p.o.v.
Howie hatte Recht, Nick und AJ hatten ein Abenteuer gewittert, saßen jetzt vor mir auf der Terrasse und starrten mich mit großen Augen an.
"Sind es Vampire?" fragte mich AJ zum dritten Mal, aber Nick ließ mich nicht antworten.
"Egal was es ist, wir machen es kalt."
Ich hörte Schritte hinter mir nahen. Ohne hinzusehen wusste ich, dass es Kevin war. Nick und AJ wurden still und schauten über mich hinweg.
Akela kam, gefolgt von Kevin und Brian, zu uns heraus und legte sich vor meine Füße. Kevin schloss, ohne seinen Blick von Nick und AJ zu nehmen, die Terrassentür.
"Ihr seid die größten Schwachköpfe, die ich kenne." machte er seiner Wut Luft. "Nur weil Saida hier ist und ein Problem hat, heißt das nicht, dass wir es lösen. Shannon hat im Moment gar nicht die Kraft dazu und mit sich und Linny genug zu tun. Und wir haben eine Tour vorzubereiten."
"Aber...!" kam es gleich von zwei Seiten.
"...wir haben es nicht zum ersten Mal mit übernatürlichen Dingen zu tun und genug Erfahrung um das Problem zu lösen. Auch ohne Shannon." beendete AJ den Satz.
"Aber wir wissen doch gar nicht, womit wir es zu tun haben." erklärte Kevin.
"Aber das können wir herausfinden und dann können wir es auch gleich besiegen. Ich habe nämlich keine Lust die Scheißarbeit zumachen und jemand anderes hat dann den Spaß!"
Hatte Nick gerade von Spaß geredet? Ich war wütend über seine Naivität.
"Spaß? Ich weiß nicht was daran Spaß ist, wenn man mit einem Dämon kämpft! Es geht dabei um Leben oder Tod! In diesem Fall geht es um das Leben meines Bruders! Und ich weiß auch nicht, ob es ratsam ist sein Leben so jemanden wie dir anzuvertrauen!"
Ich war aufgebracht und hätte vermutlich Nick noch mehr angeschrieen, wenn Howie mich nicht zurückgehalten hätte. Wenigstens war Nicks dämliches Grinsen weg.
Wieso hatte ich heute Morgen nur die Tür aufgemacht. Wieso war ich hier? Auch wenn Shannon eine Hexe war, jetzt konnte sie mir nicht helfen. Es war alles zu viel. Ich fragte Kevin nach dem Bad und verzog mich erst mal.
Als ich zehn Minuten später wiederkam, saßen die Jungs immer noch auf der Terrasse. Kevin sah nicht besonders begeistert aus, nur Nick und AJ schienen halbwegs zufrieden.
Ich setzte mich neben Howie. Sofort kam Akela an und legte seinen Kopf auf meine Knie. Er bekam wohl nicht mehr soviel Aufmerksamkeit, seit Linny da war.
"Nun mal ehrlich, Jungs, würde Shannon euch so einfach alleine auf den Dämon loslassen? Ich meine, sie selbst wird wohl kaum helfen können." gab ich zu bedenken.
AJ und Nick sahen einander an, während Akela zu lachen schien.
"Das ist das Problem, ich meine sie ist nicht dumm. Sie wird merken was hier läuft, wenn ihr plötzlich in ihren Büchern wühlt und ihre Waffen klaut."
"Ich wusste gar nicht, dass Shannon Bücher über Dämonen hat." Nick nagte an einen Apfel, er war scheinbar nie satt.
"Hat sie auch nicht. Sie weiß eigentlich immer alles so." meinte Kevin.
Langsam schienen die Anderen zu verstehen, was ich sagen wollte.
"Das heißt, kein Abenteuer?" fragte Nick leicht enttäuscht.
AJ legte seinen Arm um Nicks Schulter. "Auf uns wartet ein anderes Abenteuer."
Nick sah AJ verwirrt an.
"Unsere Tour, du Hirni."
AJ und Nick alberten noch etwas rum und es machte Spaß ihnen zu zusehen.
Es war Mittag, als Kevin die Tür hinter den Jungs schloss. "Ich sag Shannon bescheit, dann kannst du ihr alles erzählen, was du über den Dämon weißt."
Kevin war schon die ersten Stufen der Treppe hoch, als ich ihn stoppte. "Kevin..."
Er sah zu mir zurück.
"Ich ahne, dass du nicht willst, dass Shannon momentan kämpft. Aber das muss sie auch nicht. Ich hab zwar nicht so viel Ahnung von Dämonen, aber es kann kein besonders starker sein wenn er mich braucht, um die Hexe zu töten."
Shannon und ich saßen im Wohnzimmer an dem kleinen Tisch. Kevin hatte Tee für uns gemacht und war nun mit Linny Spazieren gegangen.
Shannon gab mir ein so behütetes Gefühl, dass ich ohne groß zu zögern begann zu erzählen.
"Ich weiß nicht wirklich wie er aussieht... Aber er hat telepatische Kräfte. Er sagt mir was ich tun soll, indem er in meine Gedanken eindringt. Ich sehe dann immer sein Gesicht vor mir. Seine Augen glühen rot und er grinst boshaft, so dass man seine spitzen Zähne sehen kann. Ansonsten sieht er fast aus wie ein Mensch, seine Haare sind etwa schulterlang und ungekämmt. Seine Haut ist weiß. Seine Ohren sind klein und fast rund. Er sieht eher verrückt als gefährlich aus."
Shannon war ganz in Gedanken, es schien als würde sie die Dämonen durchgehen, die in Frage kamen.
"Wie ist das passiert, dass er Felan entführen konnte?" fragte sie schließlich.
"Ich hatte ihn in den Kindergarten gebracht und bin dann zu Arbeit. Die Betreuerin rief mich kurz nach Mittag an und sagte mir, dass Felan verschwunden sei. Ich bin hin, aber wir konnten ihn nirgendwo finden. In der Nacht hat mich der Dämon dann zum ersten Mal aufgesucht. Er sagte mir, ich solle eine Hexe töten und wenn ich das nicht täte, würde ich Felan nie wieder sehen."
Shannon nickte und trank einen Schluck von ihren Tee, dann lächelte sie.
"Wir bekommen das wieder hin."
7. Kapitel
Kevins p.o.v
Als ich mit Linn zurückkam, fand ich Shannon in ihrem Arbeitszimmer, über die große Eichentruhe gebeugt. Ihr schwarzer Rucksack stand griffbereit neben ihr.
Wortlos ging ich ins Kinderzimmer und legte unsere Tochter in ihr Bettchen. Akela kam hinter mir zur Tür rein.
Halt sie auf, sie hört nicht auf mich! Sie ist noch zu angeschlagen, um auf Dämonenjagd zu gehen!
"Ich weiß. Bleib hier bei Linn."
Ich ging zu Shannon ins Zimmer und lehnte mich mit verschränkten Armen an den Schreibtisch. Sie sah nicht mal richtig auf, aber ich wusste, sie hatte mich bemerkt.
"Was denkst du, dass du da tust?" wollte ich wissen.
"Ich packe meine Sachen zusammen." erwiderte sie ruhig.
"Das sehe ich... und was hast du dann vor?"
"Einen Dämon bekämpfen." Sie holte ihren Stab, mit dem Wolfskopfgriff, aus der Truhe und schloss den schweren Deckel.
"Du hast vor grade mal drei Tagen unsere Tochter zur Welt gebracht..."
"Das wär mir fast entfallen... Kev, ich war dabei. Ich war es, die die Wehen hatte."
"Und du willst trotzdem Sylvios Anweisung zuwider handeln und dich Hals über Kopf in eine Dämonenjagd stürzen?!" Langsam wurde ich echt sauer.
"Im Mittelalter gingen die Frauen aufs Feld, bestellten ihr Land... und wenn sich die Geburt ankündigte, gingen sie an den Feldrand und bekamen ihr Kind, stillten es und arbeiteten danach weiter."
"Wir leben aber nicht im Mittelalter! Gott sei Dank, denn die Sterberate bei Kindern und ihren Müttern war extrem hoch! Shan, du kannst doch nicht mal Magie einsetzen! Du setzt dich einer nicht kalkulierbaren Gefahr aus!"
"Ich kann sie sehr wohl kalkulieren!" wütend fuhr sie zu mir herum. "Da ist ein kleiner, vierjähriger Junge, der vor Angst bestimmt völlig außer sich ist, in der Gewalt eines Dämons! Unten, in unserem Wohnzimmer, sitzt eine junge Frau, die weder aus noch ein weiß! Ich bin Dämonenjägerin, ich muss den beiden helfen!"
"ABER DOCH NICHT UM JEDEN PREIS, VERDAMMT!"
Wütend funkelten wir einander an, bis Aislinns jämmerliches Weinen uns unterbrach.
"Du hast sie aufgeweckt!" Aufgebracht ließ Shannon mich stehen und ging ins Kinderzimmer hinüber.
Akela kam zu mir. Klang nicht sehr gut... Ich denke nicht, dass du sie überzeugen konntest...
"Das hab ich auch gemerkt!"
Hey, hey, mal gaaaaanz ruhig... Ich hab dir nichts getan, oder? Im Gegenteil, ich weiß vielleicht, wie wir Shan daran hindern, sich der Gefahr auszusetzen. Komm mal mit.
Irritiert, aber auch neugierig, folgte ich dem Wolf ins Wohnzimmer, wo Saida mit einer Tasse Tee saß. Sie sah aus, als hätte sie den Streit grade gehört, denn sie blickte mich fragend an.
"Scheint, als wollte Shannon das allein in die Hand nehmen, was?"
Ich nickte. "Ja, aber wenn ich das irgendwie verhindern könnte, dann..."
Saida lächelte. "Nun, wenn du es nicht kannst, ich kann es bestimmt. Habt ihr Alraune da? Und Schwarzwurzel?"
"Ich... ich weiß nicht..."
Klar haben wir. Der Wolf warf mir einen missbilligenden Blick zu. Ich hole kurz was davon.
"Was hast du denn vor?" fragte ich misstrauisch.
"Einen Schlafzauber. Einfach, aber sehr wirkungsvoll. Wir müssen nur aufpassen, dass sie nicht fällt, wenn er zu wirken beginnt." Saida öffnete ihre Tasche und holte tatsächlich einen kleinen kupfernen Kessel heraus, grade so groß, dass er auf ihrer Handfläche stehen konnte. Dazu Mörser und Stößel, aus Marmor und noch etwas kleiner als der Kessel.
Akela kam mit den Utensilien zurück und legte sie ihr in den Schoß. Sofort begann sie sie zu verarbeiten und mit einem Pulver aus einem kleinen Lederbeutel zu vermengen. Die Wolf sah genauso interessiert zu, wie ich.
Was ist denn alles drin, in dem Pulver? Der Geruch kommt mir vage bekannt vor, aber ich kann ihn nicht identifizieren.
"Eine... Geheimrezeptur meiner Familie." Saida lächelte abwesend.
Wir werden uns um Shans Amulett kümmern müssen, sonst wirkt der Zauber nicht. Er würde einfach an ihm abprallen...
"Darum werde ich mich kümmern. Aber wie wirkt es? Muss Shan dein Gebräu trinken? Das würde sie bestimmt nicht..." Gedankenverloren drehte ich an meinem Ehering. Mir war nicht wohl bei der Sache... Shannon würde fuchsteufelswild werden, wenn sie wieder aufwachte und feststellte, was wir getan hatten. Wer sollte denn den Dämon bekämpfen? Es war niemand der OCRSI in direkter Nähe. Konnte es gut gehen, wenn wir Jungs gegen ihn antraten? Fünf gegen einen, eigentlich sollten wir es schaffen können. Wenn Shan meinte, allein gegen ihn ankommen zu können, sollten wir fünf kein zu großes Risiko eingehen.
Saida murmelte ein paar Worte, die ich nicht verstand, und streute ein weiteres Pulver in den kleinen Kessel. Dann sah sie mich an.
"Er wirkt jetzt. Sobald du ihr das Amulett abnimmst, sollte sie einschlafen. Ist nur fraglich, wie du das hinbekommst." Sie grinste.
"Ich werde es schon schaffen..." Ich hatte schon eine Idee wie.
Ich ging nach oben und schlich mich in Shans Arbeitszimmer. Sie sang unserem Spätzchen grade etwas vor.
Auf dem Schreibtisch fand ich, was ich suchte. Das von Gabriel scherzhaft 'Vampirzahn' genannte, winzige Messer in Ringform. Tatsächlich hatte es Ähnlichkeit mit dem Utensil, das in manchen Filmen von 'Vampiren' benutzt wurde, um den Hals anzuritzen. Shan gebrauchte es ab und an als Brieföffner, seit Gabe es ihr geschenkt hatte. Ich nahm es an mich und ging damit hinüber ins Kinderzimmer.
Shannon legte die schlafende Linny grade in ihr Bettchen und ordnete das Nest um sie, damit sie sich im Schlaf nicht drehte. Shan strich sich gedankenverloren eine Strähne hinters Ohr. Sie schien müde und abgespannt, und das lag nicht nur an den heruntergelassenen Jalousien und dem schummrigen Nachtlicht. Die letzten Nächte, in denen sie Linn gestillt, und die vor der Geburt, in denen sie nicht viel Schlaf gefunden hatte, hatten ihre Spuren hinterlassen.
Es war ein verdammt schlechter Zeitpunkt für einen Dämon... Ich blickte hinunter auf den Rucksack, der an der Kinderzimmertür stand. Der Stab, mit der im Inneren verborgenen Ninja-Klinge, lag darauf und schien begierig auf seinen Einsatz zu warten. Einen Einsatz, der Shan das Leben kosten konnte... Mit bloßer Kraft und Geschicklichkeit auf einen Dämon loszugehen, war immer ein Risiko, vor allem wenn man allein agierte.
Mit einem Schaudern erinnerte ich mich wieder an meinen Traum, in dem Shannon allein gegen unzählige Dämonen gekämpft hatte. Sie hatte mit dem Sterben auf mich gewartet, aber sobald ich sie in den Armen hielt, war sie für immer gegangen. Sie hatte mich allein zurückgelassen... Nein, ich durfte nicht erlauben, dass sie ging! Linny und ich brauchten sie! Ich vertraute normalerweise auf ihre Fähigkeiten, aber das hier war etwas anderes... Sie war erschöpft und hatte keine Magie zur Verfügung. Das reichte für mich, um sie gegen ihren Willen zum Bleiben zu zwingen.
"Hey." sagte ich leise.
Shan sah überrascht auf. "Hey..."
"Wegen vorhin... Es tut mir leid, dass ich dich so angeschrieen habe..." murmelte ich betreten. "Es ist nur... ich mache mir eben Sorgen um dich, Kleines. Ich will doch nicht, dass dir was passiert... Ich will dich nicht verlieren..." Ich ging langsam auf sie zu und zu meiner Überraschung schlang sie sofort die Arme um meinen Hals. Erleichtert zog ich sie eng an mich.
"Ich weiß doch, mein Engel... Es tut mir auch leid, ich hätte nicht so ironisch sein sollen und... und deine Ängste mehr beachten... Ich mache mir solche Sorgen um diesen Jungen. Stell dir vor, Linny passiert mal so was..." Sie blickte auf unseren kleinen, schlafenden Schatz herunter. "Ich könnte es nicht ertragen, wenn ihr etwas zustieße..."
"Und ich könnte es genauso wenig ertragen, wenn dir etwas geschehen würde..." Ich drückte mein Gesicht an ihren warmen Hals und hakte unbemerkt die Schneide des Rings in das Lederband ein, an dem ihr Amulett hing. Die Finger hatte ich zwischen ihre samtige Haut und das Leder geschoben. Sie seufzte leise, als ich meine Nase an ihrem Nacken rieb und sie dort küsste. Ich hasste mich in diesem Moment selbst ein wenig, denn ich nutzte ihre Empfänglichkeit für Zärtlichkeiten schamlos aus... Ich wusste viel zu gut, was ihr gefiel und womit ich sie ablenken konnte...
Shannon legte den Kopf noch etwas mehr zur Seite und gab dieses sexy Schnurren von sich. Dann begann sie verspielt an meinem Ohr zu knabbern und jagte mir damit einen Schauer über den Rücken. Ich musste schnell handeln, das spürte ich, denn sie wusste ebenfalls sehr gut, was mich ablenkte...
Ich drehte den Kopf und küsste ihre Wange, fing ihren Mund ein. Ihre Lippen teilten sich unter meinen, wieder seufzte sie, als ich an ihnen knabberte. Meine Hand mit dem Ring lag weiter in ihrem Nacken, die andere ließ ich, mit den Fingerspitzen ihren Hals streifend, nach vorn zwischen uns gleiten, wo sich meine Finger, unter Streicheleinheiten, um das Lederband schlossen.
Ich war bereit... Voller Schmerz und Wut über den Verrat, den ich dabei war zu begehen, schob ich meine Zunge zwischen ihre Lippen und küsste sie inbrünstig. Dann hob ich den Kopf und blickte in ihre verschleierten Augen, während ich mit dem Ringmesser das Lederband durchtrennte und meine Hand, aus der das Amulett herabbaumelte, zwischen uns hervorzog.
Shan sah mich verwirrt an. Sie blinzelte und versuchte gegen die bleierne Müdigkeit anzukämpfen, die sie plötzlich überkam. Verstört zog sie die Brauen zusammen, ihre Lider flatterten. Dann ruhten die dichten, dunklen Wimpern schließlich endgültig auf ihren Wangen und ihr Kopf sank langsam gegen meine Schulter. Ihre Knie gaben nach, sie fiel gegen meine Brust und ich hielt sie, fest an mich gedrückt.
Wie zartgliedrig und zerbrechlich sie war... Ich ließ ihr Amulett zu Boden gleiten und hob Shannon hoch, ging, mit ihr auf den Armen, in unser Schlafzimmer hinüber. Behutsam legte ich sie aufs Bett, beugte mich dicht über sie und streichelte ihr Gesicht. Sie kam mir schöner vor denn je, mit den im Schlaf entspannten Zügen und den, von unseren Küssen, noch feuchten Lippen.
"Es tut mir leid, Baby... Aber du hast mir keine andere Wahl gelassen... Ich liebe dich, Kleines..." Ich küsste sie nochmal, rieb meine Nase an ihrer. Sie atmete ruhig weiter und regte sich nicht.
Ich deckte sie sorgsam zu und strich ihr die rotblonden Strähnen aus dem Gesicht. Dann verließ ich das Schlafzimmer, mit einem letzten Blick zurück auf die Frau, die ich so sehr liebte.
Ich würde jetzt die Jungs anrufen und sie fragen, ob sie mit mir auf Dämonenjagd gehen wollten. Bei Nick und AJ kannte ich die Antwort, Brian würde bestimmt auch zusagen. Howie würde es sich erst überlegen wollen, dann seufzen und einwilligen und sich ständig in Gedanken sagen, dass ja einer auf uns Spinner aufpassen musste. Ausrüstung hatten wir genug da... Und zur Not konnten wir den Dämon vielleicht noch in die Flucht singen...
8. Kapitel
Saidas p.o.v.
Ich saß auf der obersten Treppenstufe. Die Tür zum Schlafzimmer stand offen und ich sah Shannon, die ruhig dalag und schlief.
Ich erinnerte mich, wie mir meine Mum den Zauber beigebracht hatte, wir nutzten meinen Vater als Versuchsperson, der gerade dabei war Football zu schauen. Er meckerte erst rum als er wieder wach wurde, doch dann verstand er, dass ich das erste Mal meine Kräfte kontrolliert eingesetzt hatte und ab dann war das Footballspiel egal. Denn restlichen Tag über versuchte er mir weitere Sachen beizubringen. Ich genoss die Zeit mit ihm, zu der Zeit war er ständig unterwegs. Erst als Felan sich ankündigte, beschloss er mehr zu Hause zu bleiben. Ich war damals sauer auf ihn. Ich hatte mir immer gewünscht, dass er mehr zu Hause sein würde, und nun, für das neue Kind, tat er es. Ich war eifersüchtig auf Felan und wünschte mir oft, dass er weg wäre. Ich versuchte ihn sogar mal mit einem eigenen Zauberspruch verschwinden zulassen, aber ohne Erfolg.
Ich konnte doch nicht wissen, das Felan nie das Glück haben würde, unsere Eltern wirklich kennen zu lernen. Dass er nie erfahren würde, was es bedeutet eine Familie zu haben. So wie Linny sie hatte. Shannon und Kevin würden tolle Eltern für Linny sein, das war klar. Genau solche wünschte ich Felan.
Ich hatte nicht gemerkt, dass Kevin vom Telefonieren wiedergekommen war und sich neben mich gesetzt hatte. Er schaute mich an, mit einem aufmerksamen Blick.
"Was denkst du?"
Ich lächelte ihn zaghaft an. "Ihr passt doch auf euch auf, oder? Linny wird doch nicht ohne Vater aufwachsen müssen?"
Kevin nahm meine Hand.
"Ich verspreche dir, dass ich auf Felan und mich aufpasse. Dafür versprichst du mir, dass du auf Linny und Shannon aufpasst, okay? Die Zwei sind mein Leben und ich lasse sie nur ungern allein."
Ich nickte zögernd, als mir plötzlich schwarz vor Augen wurde ...
Perfekt! zischte die Stimme des Dämons in meinem Kopf. Sie ist ein so leichtes Opfer, dass es dir nicht schwer fallen sollte, sie zu töten...
Ich schreckte auf und wusste erst mal nicht, wo ich war. Doch dann erkannte ich Kevins Wohnzimmer wieder. Ich lag auf dem Sofa, neben mir saß Howie, der erleichtert lächelte.
"Alles klar?" fragte er leise.
Ich nickte.
"Wirklich?" fragte er noch mal.
"Ja... das war der Dämon, aber nun ist er weg."
Ich stand auf, was Howie kritisch beobachtete.
Er folgte mir in die Küche, wo ich Kevin mit den Anderen über mich reden hörte.
"Ich hoffe, ihr redet nur gut von mir?" fragte ich, als ich reinging.
Kevin stand sofort auf und bot mir einen Stuhl an.
"Geht es dir gut?" fragte er, ebenso besorgt wie Howie.
"Ja, ich habe nur Kopfschmerzen und könnte was zu trinken gebrauchen."
Nick holte sofort ein Glas für mich aus dem Schrank und AJ sämtliche Getränke aus dem Kühlschrank.
"Noch Wünsche?" fragte er.
Ich musste lachen, und sofort schauten die Anderen nicht mehr ganz so besorgt aus.
"War das der Dämon?" fragte Nick vorsichtig, ließ sich aber nicht von Kevins bösen Blicken einschüchtern.
"Ja, aber nun ist er wieder weg. Er weiß, was wir vorhaben."
Nun sahen sie doch wieder besorgt aus.
"Ist es schlau, einen Dämon anzugreifen, der uns erwartet?" fragte Brian.
"Eben, wer ist schon so doof einen Dämon zu attackieren, der weiß das man kommt?" fragte Nick, plötzlich schien ihm die ganze Sache doch nicht mehr so viel Spaß zu machen.
"Wir." sagte Kevin.
Die Anderen sahen ihn fragend an.
"Der Dämon ist nicht stark. Er versucht uns dadurch abzuschrecken, dass er Saida erzählt, er wüsste was wir vorhaben. Wie Nick schon sagte, niemand würde einen Dämon angreifen, wenn der genau weiß, dass man kommt. Doch nun denkt er, wir kämen nicht, hat sich aber darin getäuscht." erklärte Kevin.
"Also was ist, seid ihr nun dabei oder muss ich mit Akela alleine gehen?"
Die Anderen überlegten.
"Ist der Dämon wirklich so schwach, dass er das nur getan hat, um uns davon abzuhalten? Vielleicht ist das alles auch eine Falle, und er war die ganze Zeit hinter uns her." Howie war besorgt.
Nick lachte schon wieder etwas.
"Howie, wieso sollte er hinter uns her sein? Vielleicht wegen unserer Musik? Und selbst wenn, müsste er nicht so einen Aufstand betreiben, er könnte uns einzeln so leicht fertig machen."
Howie wurde bei dem Gedanken gleich noch blasser.
"Kevin, kann ich auch solche Schutzamulette für mein Haus haben?"
Die Anderen lachten.
"Sind wir uns jetzt darüber einig, dass wir trotzdem auf Dämonenjagd gehen?"
Alle beantworteten Kevins Frage mit einem Nicken.
"Können wir dich alleine lassen, Saida? Du bist immer noch etwas blass."
Plötzlich schauten mich wieder alle an.
"Hey, ich bin die Letzte die euch aufhält: Nur vergesst nicht, nachdem ihr den Dämon gekillt habt, Felan mitzubringen."
Kevin und ich schauten uns kurz an und ich dachte an unser Versprechen... dabei lief es mir kalt den Rücken runter.
Chapter 9 Kevins p.o.v. I
ch öffnete die Tür zu Shans Arbeitszimmer für die Jungs. Ein vierstimmiges 'Oh...'ertönte, und ich musste grinsen. Ja, ihre Sammlung war ziemlich einzigartig... Zwei Wände des ehemaligen Gästezimmers waren mit Waffen aller Arten behangen, von Speeren, über Schwerter, Bögen, Armbrüste, Dolche und Wurfmesser bis zu Phantasiewaffen wie dem klingonischen Batleth, einer gebogenen Doppelklinge mit Griffen. Die dritte Wand nahmen Regale mit Tiegeln, Gläsern, Karaffen und Kräuterbündeln ein. Direkt darunter stand ein Schreibtisch, der ihr als Werkbank diente, und mitten unter Mörsern, roten und weißen Kerzen, Kristallen, Destillierkolben und Halbedelsteinen lag ihr Laptop, wie ein Vorbote des 20. Jahrhunderts inmitten eines Alchemie-Labors. Vor dem Fenster stand ein Schaukelstuhl mit Kissen und Decke, als einzige Annehmlichkeit im Raum. "Bitte, bedient euch." Ich machte eine einladende Handbewegung in Richtung des Waffenarsenals und trat dann zu der großen Eichentruhe, in der Shan ihre Schutzamulette aufbewahrte. Akela kam zu mir und schnüffelte herum, bis er fand was wir suchten - Amulette gegen die Zauberkräfte von Tarkay-Dämonen.
Das sollte Energieblitze, Plasmabälle und ähnliches von uns abhalten. meinte der Wolf. Aber Tarkays sind auch so gefährlich genug. Sie bewegen sich schnell und können dir mit Leichtigkeit jeden Knochen im Körper brechen. "Ja, mach uns ruhig Hoffnung..." spottete AJ. Ich will euch nur vorwarnen, nichts weiter. Ihr geht auf Dämonenjagd, nicht auf ein Konzert. Ihr habt keine Unterstützung, keinen der euch den Rücken freihält, ihr macht das quasi a cappella, um es mal in eurer Sprache auszudrücken. "Jungs, wenn es euch zu gefährlich ist... Ihr könnt jederzeit gehen und ich nehm es euch bestimmt nicht übel..." warf ich ein. Nick und AJ sahen einander an und reckten dann entschlossen das Kinn vor. War doch unübersehbar, dass die Zwei keinen Rückzieher machen würden... Ob ihnen überhaupt klar war, wie ähnlich sie sich waren? Brian zuckte nur mit den Schultern und steckte sich noch ein Messer in den Gürtel. Howie schüttelte den Kopf und sah zu Boden. An seiner Seite hing bereits eine Streitaxt... Brian nahm sich ein Schwert von der Wand, AJ hatte eine Armbrust und einen Köcher mit Bolzen, außerdem einen Morgenstern. Nick liebäugelte mit einem Zweihänder, einem Schwert, das so lang und schwer war, dass man es nur mit beiden Händen führen konnte. Doch als er es von der Wand nahm, landete die Spitze mit einem Klirren auf dem Boden und Nick bekam sie keine zehn Zentimeter von dort hoch. Kein Wunder, diese Waffe war schwer. Shannon behielt sie aus Sentimentalität, sie hatte ihrem Vater gehört. Brian half Nick, das Schwert zurückzuhängen, und gab ihm dann einen Speer. "Du kannst gut mit so was umgehen, bei unseren Scheinkämpfen besiegst du mich doch immer mit dem Stock." Er klopfte Nick aufmunternd auf die Schulter, aber der schmollte trotzdem.
"Es ist wichtig, dass ihr Waffen nehmt, mit denen ihr auch umgehen könnt. Also gehen wir zuerst mal nach unten, in den Trainingsraum, um zu sehen ob ihr euch damit verteidigen könnt." kommandierte ich. Der Raum, in den ich die Jungs jetzt führte, war vor einigen Monaten noch ein normaler Trainingsraum gewesen. Heute war ein recht großer Teil mit Matten ausgelegt, an einer Wand hingen menschengroße Lumpenpuppen. Die zweite Wand war mit Zielscheiben bedeckt, die auffällig viele Löcher in der jeweiligen Mitte hatten. Meine Geräte waren möglichst platzsparend entlang der dritten Wand aufgebaut. Shannon und ich hatten öfter zusammen trainiert, bis ihr Babybauch sie zu sehr daran hinderte. Unsere Methoden konnten unterschiedlicher nicht sein. Während ich mich auf Muskelaufbau und Fitness konzentrierte, übte sie sich in einem Kampfsport, den ich zuvor nie gesehen hatte, möglicherweise einer Mischung aus verschiedenen Stilen. Was es auch war, es war sehr effektiv und Shannon war schnell. Wann immer ich als ihr Trainingspartner fungierte, hatte sie mich blitzschnell auf der Matte. Was natürlich auch sehr interessant sein konnte... Der Rest ihres Trainings bestand aus Übungen mit verschiedensten Waffen, weil man, wie sie sagte, nie sicher sein konnte, was man grade zur Hand hatte, um sich zu verteidigen. Benutzen konnte sie wohl alles, was sie in ihrem Arsenal hatte, aber wirklich beherrschen tat sie das Katana - die Ninjaklinge, die in ihrem Stab verborgen war -, den Bogen und die Armbrust. Und wenn all das nichts nützte, kam ein gut gezielter Energieball zum Einsatz... Einige der Stoffpuppen wiesen tiefschwarze Brandflecken auf. Ich deutete jetzt zu eben diesen Puppen hinüber.
"Wer möchte anfangen?" Die Jungs sahen erst einander an, dann alle Howie. "Ja, ist ja gut, ich bin der Erste..." Er trat wiederstrebend vor und zog die Streitaxt aus der Lederhülse. "Also... Nicht zu lange Hiebe, sonst stehst du ohne Deckung da. Um den Gegner auf Abstand zu bringen, kannst du ihm die stumpfe Seite in den Leib hauen. Was du vor allem brauchst, ist ein sicherer Stand, sonst bringt dich die Axt beim Schwingen aus dem Gleichgewicht. Alles klar?" Howie nickte und stellte sich breitbeiniger hin, die Axt mit beiden Händen schräg ein Stück vor seiner Brust. Das sah schon nicht schlecht aus, aber... Ich nahm mir eins der Übungsschwerter. "Probieren wir deine Streitaxt mal aus. Komm, greif mich an." Howie runzelte die Stirn. "Ich will dich nicht verletzen, Kev..." "Wirst du nicht, glaub mir. Ich hatte ein bisschen Training, seit ich mit Shan zusammenlebe..." Er nickte bedächtig und griff mich dann zaghaft an. Ich konterte seinem Hieb mit Leichtigkeit und fing die Streitaxt mit meinem Schwertheft ab. Ermunternd lächelte ich ihm zu. "Und noch mal." Der nächste Angriff war schon beherzter und ich wich der Axt aus, indem ich sie mit dem Schwert schräg nach oben umlenkte und mich unter ihrer Bahn durchduckte. Howie hatte nicht damit gerechnet und wurde vom eigenen Schwung um die eigene Achse gedreht und von den Füßen gerissen. Ich fing ihn auf, ehe er fallen konnte. "Du musst noch an deinem Stand arbeiten. Und..." Ich wandte mich den anderen zu, denn für sie galt dasselbe. "Bitte Jungs... Passt immer auf, was hinter euch vor sich geht...
Das könnte euch unter Umständen das Leben retten." Ich sah jedem von ihnen in die Augen und sie nickten ernsthaft. Ich schickte Howie zu einer der Puppen hinüber, die er mit der Axt bearbeiten sollte. Ich fragte mich, ob es nicht vielleicht besser wäre, sie mit stumpfen Übungswaffen aus Holz arbeiten zu lassen, aber dafür fehlte einfach die Zeit. Sie mussten sich an Gewicht und Handhabung gewöhnen, sonst konnte das tödlich enden. Brian war als nächster dran. Wie fast alle Jungs und Mädchen hatte er in jungen Jahren Erfahrungen durch Stockfechten gesammelt, aber das bereitete nicht auf ein echtes Schwert vor. Ich zeigte ihm die Bewegungsabläufe und er ahmte sie nach. Es klappte ganz gut, aber auch bei ihm war der Stand nicht so sicher, wie ich es mir gewünscht hätte. Als ich einen Scheinangriff startete, mit dem Übungsschwert seine Klinge beiseite stieß und unter ihr durchtauchte, konnte ich ihn mühelos von den Beinen hebeln. Danach half ich ihm wieder hoch und er sammelte seinen Stolz und seine Waffe auf. "Sag mal, demoralisierst du uns absichtlich?" wollte er wissen. "Nein, ich bin nur um eure Sicherheit besorgt. Wenn ich euch auf den Boden befördere, schafft es der Dämon später vielleicht nicht. Nick, du bist dran." Ich winkte ihn näher und er kam, den Speer geschultert. Ich griff mir einen Stab, der zwischen den Übungswaffen stand, und ging in Position, Nick ebenfalls. Dann bedeutete ich ihm anzugreifen. Ich hätte erwartet, dass er den Anfängerfehler begehen und mich, die Speerspitze voran, attackieren würde. Aber er hielt den Speer mit beiden Händen vor der Brust und ließ das stumpfe Ende nach oben schnellen, um unter meine Deckung zu kommen, als er heran war. Ich konnte einem Schlag in den Bauch grade noch entgehen und wich zurück. Nick setzte allerdings nach und schlug mit dem stumpfen Ende erneut zu, diesmal von oben.
Mit einem Fluch schüttelte ich die schmerzende Hand, die er erwischt hatte. "Nicht übel, diese Tricks. Hast du noch mehr drauf?" Nick grinste. "Ich hab nicht umsonst so viele Kampfsportspiele für mein Nintendo..." Ach, daher wehte der Wind... Langsam begann ich zu glauben, dass Videospiele bildeten. Nick bot eine gute Figur, er schien die Waffe wirklich zu beherrschen und sein Gegenüber verprügeln zu können, ohne dass ihm selbst was passierte. Ich beendete die Runde und schickte ihn zur nächsten Übung, an die Puppen, die sich mit Seilzügen an der Decke durch den Raum bewegen ließen. Einen Moment lang dachte ich, er würde auch diesen Test meistern. Doch weil er zu selbstsicher war, stolperte er über eine Mattenkante und konnte sich, ehe er fiel, grade noch an den Stoff-Gegner hängen, um dann mit ihm durch den Raum zu sausen. Ich verdrehte die Augen und wandte mich dann AJ zu.
"Du hast die Armbrust gewählt, hast du schon mal mit einer geschossen?" Er zuckte mit den Schultern. Dann spannte er sie, legte einen Bolzen ein und zielte auf eine Puppe, die grade durch den Raum auf uns zukam. Es machte 'tschak' und 'plopp' und sie hatte den Bolzen genau da stecken, wo, wäre es ein Mensch gewesen, das Herz gesessen hätte. "Wow..." Ich war echt verblüfft. "Ich hab mal heimlich geübt. Du weißt schon, damals, als du ein Vampir warst. Nur für den Fall, dass die Freunde deiner Erschafferin bei uns auftauchen." Er schulterte die Waffe und deutete auf den Morgenstern. "Aber du kannst mir erklären, was man bei dem Ding beachten muss, wenn man keine Rüstung anhat..."
10. Kapitel
Saidas p.o.v.
Ich hörte wie die Jungs in den Trainingsraum in Keller gegangen waren.
Würden sie sich so auf den Dämon zu bewegen, würde er sie umbringen, bevor sie ihn gesehen hätten.
Aber vermutlich war ich einfach zu angespannt. Ich hatte mich in die Küche gesetzt. Das Teewasser kochte im Teekessel und meine Gedanken verflogen wie der Dampf.
Ich stand auf und stellte den Herd ab und goss das Wasser in die Tasse mit dem Teebeutel.
Ich schütte die Hälfte der vollen Zuckerdose dazu und rührte um.
Wieso gab es hier eigentlich keine Schokolade zufinden?
Ich setzte mich wieder an den Tisch und wärmte meine Hände an der Tasse.
Zwischen durch hörte ich Geräusche aus dem Keller.
War das eine gute Idee? schoss es mir durch den Kopf mit ihrer Stimme.
Das waren ihre Worte gewesen, bevor wir gingen.
Meine Mum war zu Hause geblieben. Felan lag mit Fieber im Bett.
Wieder sah ich die Bilder vor mir.
Wie er in mein Zimmer kam. Er lächelte und setzte sich auf mein Bett.
Er sah sich kurz um und stand dann wieder auf.
Mein Vater zögerte, bevor er es sagte. Die Worte auf die ich solange gewartet hatte.
Ich habe mit deiner Mutter geredet und wir sind darüber einig, dass du heute mit darfst. Er hob den Zeigefinger bevor ich reagierte.
Ich will dich nicht in der nähe von einem der Dämonen sehen. Du wirst nicht zu nah ran kommen und ich möchte, dass du auf mich hörst. Keine Diskussion wie bei anderen Dingen. Ich muss mich auf dich Verlassen können.
Meine Mum nahm mich in Arm und sagte mir immer wieder, ich sollte aufpassen und auf Dad hören.
Ich war starr vor Angst als wir in die Nähe des Dämons kamen. Mein Vater gab mir ein Zeichen und ich versteckte mich.
Sie kämpften gut. Ich war beeindruckt. Mit der Zeit verlor ich die Angst und traute mich aus meinem Versteck. Mein Dad sah mich böse an.
Er kam zwei Schritte auf mich zu und gab mir ein Zeichen, dass ich mich wieder verstecken sollte. Doch da war alles zu spät. Hinter ihm tauchte ein Dämon auf und ich hörte sein Schrei.
Zwei Tränen tropften in den Tee. Ich wusste wieso ich soviel Zucker brauchte.
Ich wischte mir mit den Handrücken übers Gesicht.
Ich sah vermutlich nicht viel schlimmer aus als vorher.
Den Tee trag ich mit einem Zug aus und stand auf.
Aus dem Kühlschrank nahm ich ein paar Flaschen Wasser und ging die Treppe zum Trainingsraum runter. Ich setzte mich auf die Stufen am Ende und stellte die Wasserflaschen neben mich. ....
Die Jungs um mich rum verschwammen mit der Zeit. Ich sah meine Mum wie sie starb.
Sie hatten alles versucht, aber ein gebrochendes Herz kann man nicht retten, sagten sie.
"Saida ...Saida!" rief jemand mich und langsam kerte ich in die Gegenwart zurück.
Kevin und Howie standen vor mit. Nick, AJ und Brian kämpften spaßeshalber mit ihren Waffen.
"Alles klar?" fragte Howie und sah mich besorgt an.
Ich nickte und hielt ihm die Wasserflasche hin.
"Klar ich war nur ..."
"Irgendwo anders?" beendete Kevin mein Satz.
Ich lächelte.
"Nun, ja. Und wie lange wollte ihr noch üben?" fragte ich nervös.
Ich hatte angst vor der Antwort und bereute es wieder mal ein Wort gesagt zu haben.
Aber nun war ich hier. Shannon schlief in ihrem Bett und wenn alles so Laufen würde wie geplant würde sie nicht wieder aufwachen.
Kevin, AJ und Howie packten ihre Waffen ins Auto, während Nick mit Brian in der Küche saß und noch schnell was aß.
Das Gefühl was in mir aufstieg kannte ich nur zu gut.
Diese Hilflosigkeit.
Wieder war ich die die hier saß und nichts tat. Die Jungs bemühten sich zu helfen wo sie konnten. Und ich saß hier in der Küche. Nicks gelabbere ging ins eine Ohr rein beim anderen wieder raus.
Brians Blick bemerkte ich doch ich wollte nicht drauf achten.
Kevin kam in die Küche.
Nick wenn du dann gegessen hast können wir.
Nick sah ihn entsetzt an und verschluckte sich fast an seinem Sandwich.
Jetzt? fragte er nervös.
Kevin schüttelte den Kopf und ging wieder.
Brian sah Nick an und lachte ebenfalls.
Du weißt du musst nicht mir. sagte er.
Doch, doch ich will den Dämon killen. antwortete Nick und sah mich an.
Wir sind doch dazu da die Hilflosen zu beschützen und die Welt vom Bösen zu befreien. Wir sind die Super Backs. Nick stand entschlossen auf und klopfte sich die Krümel vom T-Shirt.
Die Super Backs? Darüber müssen wir aber noch mal reden. beschwerte sich Brian während er Nick nach draußen folgte. In der Tür drehte er sich noch mal um.
Die Super Backs werden das schon schaffen. Er lächelte mich an und verschwand um die Ecke.
Langsam stand ich auf und ging zur Tür. AJ, Howie, Nick und Brian standen am Auto und diskutierten heftig. Kevin kam die Treppe runter und bleib neben mir stehen.
Worüber diskutieren sie? fragte er mich.
Ich sah ihn kurz an. Über die Super Backs. ich schmunzelte, als er genervt den Kopf hängen ließ.
Ich habe Nick schon so oft gesagt, dass sich das albern anhört.
AJ entdeckte Kevin und rief nach ihm.
Kevin nickte und drehte sich zu mir.
Ich weiß, dass in deinem Kopf viel los ist. Aber auch wenn das hier nach einer Planlosen Aktion aussieht, wir wissen was wir tun. Ich verspreche dir wir kommen mit Felan zurück. Heil und Gesund. Kevin nahm mich in den Arm bevor er zu den Anderen ging.
Sie stiegen nacheinander ins Auto bis nur noch Howie an der Beifahrertür stand.
Er schaute mich kurz an und warf dann entschlossen die Tür zu und kam zu mir.
Ich wollte das eigentlich erst nachher machen, aber wenn ich jetzt eh schon mal nervös bin kann ich das auch jetzt machen. ...Gehst du mal mit mir aus?.... Du kannst es dir ja überlegen bis wir zurück sind. Genau so schnell wie er vor mir stand war er wieder beim Auto und stieg ein.
Ich weiß nicht wie lange ich da stand. Ich hatte mich an die Wand gegenüber des Bettes gelehnt. Shannon lag im Bett. Mit meinen Fingern spielte ich am Dolch. Ich hatte ihn im Trainingsraum gesehen. Er war was besonderes das sah ich sofort. Die Verziehung erinnerten mich an ein Schwert was mein Vater besessen hatte. Seitdem Moment hatte ich überlegt was er getan hätte? Er hätte für Felan vermutlich jeden Getötet egal ob gut oder böse.
Und auf ein Haufen ungeübter Kerle hätte er sich erst recht nicht verlassen.
Du weißt was du jetzt tun musst... drang die Stimme des Dämons in mein Kopf.
Ich stieß mich von der Wand ab und ging auf sie zu.
Ich hatte Felans Leben diesen Kerlen überlassen, doch in mir glaubte ich nicht daran, dass sie es schaffen würden.
Ich hatte meine Mutter sterben sehen, nachdem Tod meines Vaters. Shannon und Kevin liebten sich eben so. Sie würde nicht leben können ohne ihn. Und ihn hatte ich in den Sicheren Tod geschickt.
Ich sah wie ihre Brust sich hob und sank. Sie atmete ruhig. Doch das würde bald ein Ende haben.
Ich beobachtete wie das Auto sehr schwungvoll um die Ecke raste. Kaum das es stand sprang Kevin schon raus und rannte zum Haus. Ich beobachtet wie AJ und Nick hinterher rannten. Brian stieg langsam aus auf seinem Arm trug er Felan. Er war in eine Decke gewickelt und ich sah nur sein Arm. Aber ich wusste das es ihm gut ging.
Als letzte stieg Howie aus. Er sah sich um und schien Angst davor zu haben was drinnen geschah.
Es tut mir leid. sagte ich leise als ich hinter ihm stand.
Er drehte sich um.
Ich dachte ich hätte ne ganz gute Menschenkenntnis und dann erzählt mir ein Dämon, dass du die Frau meines Freundes getötet hättest.
Ich sah zu Boden.
Saida sag mir, dass sie lebt. Sag mir, dass ich keine Angst haben muss darein zugehen.
Mein Vater sagte immer, dass es besser war Angst zu besiegen als vor ihr davon zulaufen.
Ich lief nun davon. Die Straße lang bis nichts mehr vor mir lag als die weite Welt.
wie es weiter geht erfahrt ihr auf shannons seite link ist oben in text
aber ihr bekommt sie gleich komplett
Prolog
Ich warte! Ich warte auf das Licht am Ende des Tunnels. Aber es kommt nicht. Der Tunnel wird dunkler, nur die zwei rotglühenden Augen des Dämons sind zu sehen. Die mich bedrohlich angucken und verfolgen. Sie schauen mir genau zu, ob ich auch das tue, was er von mir verlangt. Ob ich auch das Unmachbare mache. Nur um sein Leben zu retten. Um den einzigen Menschen, der mir auf der Welt geblieben ist, wieder in die Arme zu schließen. Ich fühle mich einsam und hilflos in dieser Stadt. Ich wollte hier zusammen mit ihm ein neues Leben beginnen. Weit weg von unsrer Vergangenheit, dem Dämonen- und Hexenkram. Wenn ich könnte, würde ich gerne vergessen, dass ich selber eine Hexe bin...
1. Kapitel
Saidas p.o.v.
Ich saß schon einige Zeit in diesem Café, der Kaffee war vermutlich schon kalt, aber was sollte es. Ich muss mir was überlegen, dabei war mein Kopf so leer. Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen und erst recht nicht überlegen, wie ich Felan helfen konnte. Ich hatte nicht die Mittel ihm zu helfen und die Leute, die sie hatten, sollten nicht erfahren wo ich war.
Ich kramte in meiner Tasche nach den Zigaretten, die auch schnell fand, nur das Feuerzeug fand ich nicht. Ich fing an meine Tasche auszuräumen, doch es war nicht da. Das konnte alles nicht wahr sein!
Ich ließ mich gegen die Lehne des Stuhles fallen. Ich war kurz vorm Durchdrehen, als Gott mir einen Engel schickte.
Feuer? fragte er mich und hielt mir ein Feuerzeug hin.
Ja, danke.
Er machte mir die Zigarette an und ich nahm einen tiefen Zug.
Stress? fragte der Mann weiter.
Ich schüttelte den Kopf.
Probleme?
Sind Sie immer so neugierig?
Eigentlich nicht, aber Sie sitzen hier schon Stunden in Gedanken vertieft und lassen ihren Kaffee kalt werden. Da frage ich mich, was Sie so beschäftigt?
Wissen Sie, was ich mich frage? Wieso Sie hier schon Stunden sitzen und mich erst jetzt ansprechen?
Ich wollte Sie nicht in Ihren Gedanken stören.
Wie rücksichtsvoll... Ich bin übrigens Saida.
Ich bin Kevin. Darf ich fragen, was Sie bedrückt?
Ich hatte plötzlich das Verlangen ihm alles zu erzählen. Seine Augen strahlten so viel Wärme aus. Aber mein Verstand war mal wieder stärker und ich beschloss lieber zu gehen, bevor er mich noch dazu brachte mehr zu sagen, als ich wollte.
Ich denke, ich sollte dann mal...
Ich machte schnell meine Zigarette aus und verließ das Café.
Kevins p.o.v.
Ich war mit Nick verabredet gewesen, doch er hatte mich anscheinend versetzt. Er kam ja oft zu spät. Aber wenn er eine Stunde nach der vereinbarten Zeit noch nicht aufgetaucht war, kam er wohl auch nicht mehr. Ich hatte mir die Wartezeit damit vertrieben, mir die Menschen hier genauer anzusehen. Da war dieses nette ältere Paar, dass ich schon öfter hier gesehen hatte. Sie brachten mich immer unwillkürlich zum Lächeln, weil ich mir vorstellte mit Shan eines Tages auch so hier zu sitzen. Mit grauem Haar und diesem verliebten Blick. Den Beiden sah man ihre Gefühle deutlich an. Ob das bei Shan und mir auch so war?
Es war noch jemand hier, dem man seine Gefühle ebenfalls deutlich ansah. Eine junge Frau mit langem schwarzen Haar. Sie starrte die ganze Zeit vor sich hin und ließ ihren Kaffee unberührt. Sie sorgte sich scheinbar um irgendetwas. Sie sah traurig und verloren aus. Das war dieser Gesichtsausdruck, der in mir unwillkürlich den Beschützerinstinkt weckte.
Sylvio war heute bei uns, zu Shannons Nachuntersuchung. Deshalb zögerte ich, schon zu gehen. Sie war bei ihm in den besten Händen und ich würde nur gestört haben. Und um das Baby kümmerte sich Mum solange. Sie wollte die Kleine so lange genießen, wie sie konnte. Schließlich flog sie heute Abend zurück nach Kentucky.
Also saß ich immer noch hier herum und fragte mich, was die junge Frau bedrückte. Sie holte gerade eine Schachtel Zigaretten aus ihrer Tasche. Sie wühlte weiter darin herum und fing dann an sie auszuräumen. Ich fasste einen Entschluss und ging zu ihr hinüber. Gerade als sie resigniert auf ihren Stuhl zurücksank, hielt ich ihr mein Feuerzeug hin.
Feuer?
Ja, danke.
Ich hielt die Flamme an den Glimmstängel und sie nahm einen tiefen Zug.
Stress? fragte ich sie, als sie seufzte.
Sie schüttelte den Kopf.
Probleme?
Sind Sie immer so neugierig? wollte sie misstrauisch wissen.
Eigentlich nicht, aber Sie sitzen hier schon Stunden in Gedanken vertieft und lassen ihren Kaffee kalt werden. Da frage ich mich, was Sie so beschäftigt?
Wissen Sie, was ich mich frage? Wieso Sie hier schon Stunden sitzen und mich erst jetzt ansprechen?
Ich lächelte sie an und setzte mich zu ihr an den Tisch. Ich wollte Sie nicht in Ihren Gedanken stören.
Wie rücksichtsvoll... Ich bin übrigens Saida.
Ich bin Kevin. Darf ich fragen, was Sie bedrückt?
Einem Moment sah sie mich an, als wollte sie mir trauen. Aber dann verschloss sich ihre Miene und sie stand auf.
Ich denke, ich sollte dann mal...
Ich sah ihr hinterher, wie sie das Café verließ. Dabei hörte ich förmlich Shans Worte: Du kannst nicht allen helfen, mein Engel. Manche Menschen wehren sich aus Stolz oder aus Angst.
Aber ich möchte es zumindest immer wieder versuchen. Ich seufzte und beschloss heimzufahren.
Als ich die Haustür öffnete, war erstaunlicherweise alles still. Bevor ich gegangen war, hatte hier eine junge Lady geschrieen wie am Spieß. Ich zog die Schuhe aus und schlich nach oben ins Schlafzimmer.
Mich erwartete eins der schönsten Bilder, die ich je gesehen hatte. Meine Frau, die unsere kleine Tochter stillte. Shannon sah auf und lächelte mich an.
Sie ist ganz kurz vor dem Einschlafen.
Ich ging zu ihr und setzte mich neben ihr auf die Bettkante. Linny hatte eine ihrer winzigen Hände fest um Shans Zeigefinger geklammert und schnaufte deutlich durch die Nase. Dann nuckelte sie kurz, nur um wieder lange Zeit gar nichts zu tun. Ich hätte ihr ewig so zusehen mögen. Sie war ein kleines Wunder. Ich streichelte ihr behutsam über das flaumige dunkle Haar.
Wir sollten dieses Hexenbaby jetzt ins Bett stecken. In vier Stunden kräht es ja schon wieder. meinte Shannon.
Ich nahm ihr die Kleine vorsichtig ab, damit sie es sich bequem machen konnte. Die Wiege, in die ich Linny verfrachtete, stand direkt neben unserem Bett. Während ich sie sorgsam zudeckte, fiel mir wieder ein, dass ich weder meiner Mum noch Sylvio begegnet war. Ich fragte Shannon danach.
Die Zwei sind etwas essen gegangen. Sie verstehen sich wirklich gut. Und? Wie war dein Treffen mit Nick?
Eher einseitig.
Wie meinst du das?
Ich kam als Einziger zu unserem Treffen. sagte ich trocken.
Sie lachte leise. Dann ist er möglicherweise doch mit London zum Flughafen gefahren. Sie hat ab morgen ihren nächsten Unterrichtsblock.
Solange er nicht mitgeflogen ist nach New York, soll mir das recht sein. Wir haben noch einiges für die Tour vorzubereiten.
Sie griff nach meiner Hand und zog mich neben sich aufs Bett.
Die Tour ist erst in drei Monaten. Das ist noch ziemlich viel Zeit, honey. Ich wollte protestieren, doch sie verschloss mir den Mund mit einem Kuss.
Erst kurz vor dem Schlafengehen fiel mir das junge Mädchen aus dem Café wieder ein. Im Nachhinein wurde mir klar, dass ich irgend etwas an ihr merkwürdig gefunden hatte. Aber ich wusste nicht mehr was...
2. Kapitel
Kevins p.o.v.
"Du musst ihr helfen! Bitte, mein kleines Mädchen braucht dich! Du findest sie in der Abbey Lane 153, fahr zu ihr und beschütze sie!"
Ich schreckte aus dem Traum hoch.
Um mich war ein wahrer Tumult. Akela stand breitbeinig neben dem Bett und knurrte grollend, Linny schrie wie am Spieß und Shannon fluchte lauthals, in einer Mischung aus irisch und italienisch. Dann stand sie auf und nahm das Baby hoch, das sich sofort etwas beruhigte.
Es ist weg. erklärte der Wolf, der noch immer die Zähne fletschte. Was auch immer es war, es ist verschwunden.
"Dann sei so gut und versuch herauszufinden wie es reinkam. Meine Siegel hätte es nicht überwinden können dürfen, verdammt!" Sie sah mich besorgt an und kam dann, um das Bett, zu mir. "Ist alles okay?"
"Ich weiß nicht wirklich, was grade passiert ist..." bat ich um Aufklärung.
"Akela hat etwas gespürt. Es kam herein... Hier herein..." Sie blickte sich um, ich fühlte ihre verhaltene Wut.
"Kleines..." Ich legte die Arme um sie, um sie zu beruhigen. Seufzend lehnte sie sich gegen mich.
"Vielleicht war es mein Traum... Vor mir stand ein Mann, so um die fünfzig. Er bat mich seine Tochter zu beschützen. Ich dachte zumindest, dass ich träume. Aber vielleicht..."
"Du meinst es könnte ein Geist gewesen sein? Das wäre möglich..." überlegte Shan. Sie sah sorgenvoll auf Linny herunter. "Akela hat Alarm geschlagen und sich sofort dem Eindringling entgegengestellt. Und ich hab es nicht mal gespürt..."
"Das ist doch normal. Du bist noch erschöpft von der Geburt." Ich bugsierte sie behutsam neben mich ins Bett und zog die Decke über uns beide.
"Aber ich kann doch nicht zu schwach sein, um meine Familie zu beschützen!" begehrte Shan auf.
Wenn ich nicht vorsichtig war, bekam ich wohl ihr irisches Temperament zu spüren... "Shan, Akela findet bestimmt raus was los war. Und wir erneuern die Schutzkreise und wir können auch noch ein paar Schutzamulette machen. Und im schlimmsten Notfall holen wir uns Hilfe bei der OCRSI."
Sie schnaubte unwillig.
"Die weltgrößte Hexe holt sich Hilfe bei der Mama... Soweit kommt's noch. Eher rufe ich Gabe und Angela her. Oder Jackie."
Ich fuhr sanft mit dem Daumen über ihre gerunzelte Stirn. Ich wusste, wie es sie nervte nichts tun zu können. Seit mehr als zwei Monaten verbrauchte das Baby ihre ganze Energie. Und es würde noch ein paar Tage dauern, hatte Sylvio erklärt, bis sie wieder in der Lage war, ihre Kräfte einzusetzen. Er hatte Erfahrung mit Wochenbett-Hexen.
Leises Pfotentapsen kündigte Akela an.
Es war eine Lüftungsöffnung der Klimaanlage. Da ist es rein und auch wieder raus. Ich weiß aber nicht, was es war.
"Ist es möglich, dass es ein Geist war?" fragte ich ihn.
Grundsätzlich schon. Aber ich habe ihn nicht gesehen. Du etwa?
Ich erzählte Shan und dem Wolf von dem Traum. Und dann von meiner Begegnung in dem Café.
"Ich wollte ihr helfen, aber sie zog es vor zu gehen. Ihr Name war Saida. Und ich glaube, unser nächtlicher Besucher macht sich Sorgen um sie..."
"Wie alt war sie etwa?" erkundigte sich Shannon.
"Noch keine zwanzig, würde ich sagen." Langsam machte ich mir wirklich ernsthafte Gedanken um das Mädchen. Und das merkte Shannon natürlich.
"Fahr zu ihr. Nimm Akela mit und fahr los. Ich werde mir ein paar Amulette nehmen und..."
"Nichts wirst du! Du bleibst schön hier im Bett und ruhst dich aus."
"Mr. Richardson..." warnte sie. Sie stand kurz vor einer Explosion.
"Mrs. O'Neall-Richardson, wollen Sie sich mit mir anlegen?!" Ich hatte auch einen kräftigen Schuss Irenblut in mir...
Schlagt euch ruhig die Köpfe ein, aber gebt mir erst euren Welpen, damit ich sie aus der Schusslinie bringen kann! mischte sich Akela ein.
Linny lag schlafend in Shans Arm, die kleine Stirn gerunzelt, als dächte sie angestrengt über etwas nach, und sah ihrer Mutter dabei sehr ähnlich. Wir blickten beide fürsorglich auf sie herunter.
Jedes Mal wenn ich sie ansah, stieg dieses freudige Kribbeln in mir hoch, gepaart mit der Sorge um ihr Wohlergehen. Sie war so winzigklein und zart... Auch wenn Sylvio meinte, sie sei nicht kleiner als andere Babys. Wenn ich sie ansah, wollte ich sie einfach nur im Arm halten und beschützen. Genau wie bei Shan.
Unsere Blicke trafen sich. Ich las in ihren Augen die leise Angst um mich und ihre Furcht ihre Kräfte nicht gebrauchen zu können. Ich ließ sie auch nicht gern allein.
"Ich mach das mit den Amuletten und du bleibst hier, bei Linny, und ruhst dich aus. Wenn es gleich anfängt hell zu werden, fahre ich mit Akela los. Und ich komme wieder, so schnell ich nur kann. Einverstanden?"
Sie nickte resigniert. Eine Wahl ließ ich ihr ja auch nicht.
Etwa eine Stunde später hielt ich mit dem Jeep vor der Hausnummer 153 in der Abbey Lane. Es war noch keine sechs Uhr früh, aber hier und da waren schon Fenster erleuchtet.
Ich stieg aus, den unsichtbaren Wolf im Schlepptau, und stieg die paar Stufen zur Tür des Apartmenthauses hoch. Saida MacInnes wohnte im zweiten Stock, wie mir das Schild an der Klingel verriet. Auch bei ihr war ein Fenster erleuchtet, wie mir der Blick nach oben bestätigte. Also läutete ich. Die Gegensprechanlage knackte.
"Ja?"
"Guten Morgen, Saida. Mein Name ist Kevin Richardson, wir haben uns gestern im Café kennen gelernt. Ich..." ...hatte heute Nacht wahrscheinlich Besuch von ihrem Vater... "...habe ein paar Fragen an Sie. Würden Sie mich hereinlassen?"
Stille.
"Also gut."
Ich tauschte einen Blick mit Akela. Ihre Stimme hatte aber nicht begeistert geklungen... Sie drückte auf.
Ich nahm immer zwei Stufen auf einmal und stand schnell vor ihrem Apartment. Sie sah mir misstrauisch durch den Türspalt entgegen, den die Kette zuließ.
"Also, was wollen Sie hier?"
"Guten Morgen. Tut mir leid, dass ich so früh störe. Aber bei uns war... Würden Sie mich vielleicht hereinlassen, hier draußen lässt sich so schlecht reden."
"Nein. Worüber wollen Sie überhaupt reden?" fragte sie irritiert.
"Über ihren Vater, von dem ich letzte Nacht geträumt habe."
Nach kurzem Zögern schloss sich die Tür, um dann weit aufzuschwingen.
"Kommen Sie rein."
Ich folgte der Anweisung.
Ihr Apartment war klein, wirkte eher karg als gemütlich. Das Sofa war alt und fadenscheinig, den Tisch davor hinderte ein Streichholzbriefchen am Wackeln. Ich sah mich nicht richtig um, da ich ihr ersparen wollte sich beschämt zu fühlen.
Ich setzte mich auf das Sofa, als sie mir Platz anbot. Dann fing ich ihren abwartenden Blick ein und erzählte ihr von meinem Traum. Akela und die Schutzmaßnahmen gegen Magie in unserem Haus, ließ ich allerdings unerwähnt. Es reichte mir, dass der Wolf mir beim ersten Blick auf Saida mitgeteilt hatte, dass sie eine Hexe war. Und, seiner Ansicht nach, eine recht starke, wenn sie ausgebildet worden sein sollte...
Saidas p.o.v
Ich weiß nicht, wie es so weit kommen konnte, aber nun saß er da. Auf dem Sofa, über dem immer noch die Schutzfolie vom Umzug lag. Eigentlich war er ein Fremder, und meine Mum hatte immer gesagt: "Lass keine Fremden ins Haus", aber bei ihm hatte ich so ein vertrautes Gefühl, so als würde ich ihn kennen. Aber was wusste ich schon über ihn. Nur dass er Kevin Richardson hieß... Aber er saß nun da und erzählte mir, dass er in der Nacht von meinem Vater geträumt hatte. Dass der ihm erzählt hätte, wo er mich finden würde.
Mein Vater hatte sich schon immer zu viele Sorgen gemacht und es passte zu ihm, dass er sich selbst nach seinem Ableben noch einmischte, wenn ich Probleme hatte.
Aber dass Kevin so viel auf einen Traum gab, bewies dass er an Übersinnliches glaubte, und ich beschloss ihm alles zu erzählen.
Ich bin eine Hexe. bekannte ich und wartete auf die übliche Reaktion, Verunsicherung. Aber er sah mich weiter ruhig an, was mich verunsicherte.
Er schien es zu bemerken und lächelte.
Damit hab ich kein Problem. Ich bin mit einer Hexe verheiratet, wir haben ein Kind.
Mir fiel ein Stein vom Herzen, als er das sagte, und es war jetzt leichter für mich ihm den Rest zu erzählen.
Ich habe einen kleinen Bruder, Felan, er ist vier. Er wurde von einem Dämon gefangen und der erpresst mich jetzt. Ich soll eine Hexe töten...
Er sah mich eine Weile an und schien in Gedanken versunken. An was dachte er nur... Dann begann er zu lächeln.
"Ich denke, das bekommen wir schon hin."
Ich verstand im ersten Moment nicht richtig.
"Ich werde Ihnen helfen." wiederholte er.
Ich kannte diesen Mann keine 20 Minuten und er bot mir seine Hilfe an... So was war mir bis dahin noch nie passiert. Ich hätte ihm um Hals fallen können, doch genauso schnell wie die Freude kam, kamen auch die Zweifel. Wie, um alles in der Welt, wollte er das machen?
3. Kapitel
Kevins p.o.v.
"Wie, zum Teufel, willst du das machen? Shan hat grad erst gewor... ich meine... Linny bekommen. Sie hat ihre Kräfte noch nicht zurück und du kannst nicht mal einen normalen Schutzzauber anbringen. So was von Magieblindheit habe ich auch noch nicht gesehen..."
Ich ließ mich von Akela nicht irritieren. Er hatte Recht, meine Schutzzauber - es waren welche von der erlernbaren Sorte für jene, die nicht geborene Hexen waren - gingen kläglich daneben oder waren löchrig und unbrauchbar. Jedes Kind konnte es besser. Jeder der Jungs auch... Aber ich konnte weder Saida im Stich lassen noch Shannon damit belasten. Irgendwie musste ich es hinkriegen. Aber erstmal war es wichtig, um was für einen Dämon es sich handelte. Und das konnte Shan wohl am Besten rausbekommen.
"...und dann dieser Versuch die Haustür zu versiegeln. Ein Windhauch hätte sie aufgedrückt..."
Zu gern hätte ich dem Wolf den Mund verboten, aber er hörte ja sowieso nicht auf mich. Und ihm die Schnauze zubinden konnte ich nicht, da er nicht sichtbar war und ich einfach durch ihn hindurchgreifen würde. Also ließ ich seinen Monolog über mich ergehen. Wie gut, dass wenigstens Saida davon nichts mitbekam... Die saß neben mir, auf dem Beifahrersitz meines Jeeps, und sah gedankenverloren aus dem Fenster.
Akela, hinter mir, zählte weiter meine versagenden Zauber auf. Er hatte Recht... Wenn in der Richtung etwas hatte klappen sollen, dann hatte ich seine Hilfe dabei gebraucht. Shan meinte, es sei normal wenn ich keine Zauber wirken könnte. Ich hätte schließlich die mediale Begabung und in die würde die gesamte Energie einfließen. Ich hätte eben nur diese eine Fähigkeit geerbt, während sie von ihren Eltern die ganze Palette mitbekommen hatte. Besonders tröstlich war das ja nicht. Vor allem wenn solche Sachen passierten, wie letzte Nacht. Ich war nicht in der Lage Shan und unser Baby vor übernatürlichen Angriffen zu beschützen und das beunruhigte mich.
Wir fuhren die Einfahrt meiner Villa hinauf. Akela war endlich fertig und spitzte die Ohren. Er prüfte, ob hier alles in Ordnung war. Plötzlich schmatzte er laut, als würde ihm das Wasser im Maul zusammenlaufen.
"Wir sind da." sagte ich zu Saida. Sie sah mich an, dann das Haus.
"Nette Bude."
"Ja, kann man sagen."
Wir gingen durch den Garageneingang. Saida registrierte sowohl das Schutzzeichen über dem Rolltor, als auch das Amulett über der Tür zur Küche.
"Sieht hier aus, wie in Fort Knox..."
"Nur ein paar kleine Sicherheitsmaßnahmen. Shan ist, nach der Geburt, noch nicht bei Kräften."
"Wie alt ist denn euer Baby?"
Ich lächelte. "Linny ist jetzt drei Tage."
"Na dann..."
Ich öffnete für sie die Tür und bat sie herein. Der Duft von gebratenen Eiern und Speck schlug uns entgegen. Akela lief uns voraus und saß nur Augenblicke später schwanzwedelnd und mit erwartungsvollem Gesicht neben Shannon, die am Herd stand und belustigt auf ihn hinuntersah.
"Hätte ich mir ja denken können, dass du das durch die halbe Stadt erschnüffelst..." meinte sie grinsend. Dann drehte sie sich zu mir und Saida um. "Hallo. Ich hoffe, ihr habt Hunger?"
Ich ging zu ihr und nahm sie in die Arme. "Du sollst dich nicht anstrengen, hat Sylvio gesagt..." hielt ich ihr leise vor.
"Daibhid, ich mache Frühstück und keinen Marathonlauf. Es geht mir gut, wirklich." Sie schlang ihre Arme um mich und küsste mich zärtlich.
Ich seufzte und schüttelte den Kopf. "Du kleiner Dickkopf. Und was heißt davit?"
Sie lachte über meine Aussprache. "'Innig Geliebter'. Du musst noch viel lernen wenn du das Irische halbwegs verstehen willst. Es heißt 'da-e-vhit', nicht davit."
"Na dann... Darf ich dir Saida vorstellen? Sie ist die junge Frau, die unsere Hilfe braucht. Und wie der Zufall so spielt, ist sie, wie du, eine Hexe. Saida, das ist meine Frau Shannon."
"Hallo Saida. Es freut mich immer, eine Schwester begrüßen zu dürfen." Shannon trat auf die junge Frau zu und umarmte sie. Saida ließ es, leicht verunsichert, geschehen.
In diesem Moment meldete sich eine ungehaltene Stimme aus der Wiege, die im Durchgang zum Wohnzimmer hing. Ich ging hin und hob Linny hoch. Sie hielt kurz inne und machte dann in doppelter Lautstärke weiter.
"Ist ja gut, Linny. Dein Daddy gibt dir jetzt das Fläschchen und dann kannst du schön weiterschlafen, ja?" Ich holte es aus dem Flaschenwärmer und im nächsten Moment war meine Tochter ruhig und nuckelte zufrieden ihre Milch.
"Darf ich vorstellen: Miss Aislinn Lavena O'Neall. Miss O'Neall: Saida MacInnes." Stolz zeigte ich Saida meine kleine Tochter, der grade ein bisschen Milch aus der Nase lief.
"Nicht so hastig trinken, Baby. Die Milch soll in den Magen, nicht aus der Nase wieder raus..." Shannon tupfte sie vorsichtig weg und legte mir Linnys Spucktuch dann über die Schulter. "Kannst du gleich nach ihrer Windel sehen? Ich habe sie vor einer halben Stunde gewickelt, aber wenn oben was reinkommt, dann..." Shannon lachte.
"Kein Problem. Ich gehe mit der Kleinen rüber ins Wohnzimmer."
"Ja, mach das." Sie gab mir einen Kuss und wandte sich wieder den Eiern zu. "Ich bringe das hier gleich rein. Oh! Wenn ich neuen Speck gebraten habe... AKELA, ich weiß dass du das warst! Und ich finde es NICHT WITZIG!"
Der Übeltäter lag im Wohnzimmer an der Terrassentür in der Sonne und versteckte die Schnauze unter beiden Pfoten. Er hatte sich inzwischen projiziert und Saida warf ihm einen misstrauischen Blick zu.
"Ist das ein Wolf?!"
"Hm... ja. Aber er ist... harmlos." Ich setzte mich in einen Sessel und rückte Linny in meinem Arm zurecht.
Ich bin harmlos??
Saida hatte sich grade setzen wollen und erstarrte mitten in der Bewegung.
Ich seufzte tief. "Ja, harmlos. Und eine Nervensäge und unsensibel und ein mit messerscharfen Reißzähnen bestücktes Raubtier. Zufrieden? Ich dachte wir hätten abgesprochen, dass du Gäste nicht zu Tode erschreckst?"
Deine Mutter hat es doch ganz positiv aufgenommen?
"Ich hatte ihr ja auch schon von dir erzählt. Außerdem mag sie Hunde."
Hunde?!
"Akela, es ist gut. Mir reicht es, dass wir wegen dir kein anständiges Frühstück haben. Der Speck ist alle. Und rate mal warum..." mischte sich Shannon ein, die mit drei Tellern hereinkam.
Ähm...
"Ja, ähm! Saida, übersieh ihn einfach. Er ist harmlos." Sie verteilte die Teller und setzte sich neben mich. Von Shannon ließ sich der Wolf die Bezeichnung 'harmlos' gefallen. Er grummelte nur irgendwas, wiedersprach aber nicht.
"Habt ihr noch mehr solche Überraschungen auf Lager?" fragte Saida vorsichtig.
"Nein. Aber Akela reicht auch vollkommen, oder?"
4. Kapitel
Saidas p.o.v
Er hatte mich zum Frühstück eingeladen, und ich hatte zugesagt. Vielleicht konnte er mir ja wirklich helfen. Auch wenn ich es mir nicht so recht vorstellen konnte... Wie er da mit seiner kleinen Tochter saß und sie fütterte, mit dem Lächeln, das ich von meinem Vater kannte, damals als Felan grade da war. Als müsste er sie vor allem Bösen auf der Welt beschützen. Ich konnte nur für Linny beten, dass Kevin sich nicht so bei ihrem ersten Date anstellte, wie es mein Vater bei mir getan hatte.
Shannon schien eine herzensgute Frau zu sein. Sie erzählte mir von Akelas Schandtaten und den kleinen Streitereien mit Kevin. Mir war das mit dem Speck egal gewesen, ich aß schon seid Jahren kein Fleisch mehr.
"Wo kommst du her?" fragte Shannon, nachdem es keine Storys mehr über Akela und Kevin zu erzählen gab.
"Seattle, ich bin erst vor kurzem hergezogen."
"Und gefällt es dir hier?"
"Weiß nicht, so viel habe ich noch nicht gesehen."
"Nun, vielleicht gehen wir mal zusammen..." Linny war es, die Shannon mit lautem Geschrei unterbrach. Kevins Bemühungen halfen nicht, sie zu beruhigen.
"Frühstücke du erstmal zuende. Ich mach das schon." Shannon nahm Kevin Linny ab und ging mit ihr nach oben.
Kevin aß fertig und räumte den Tisch ab. Ich schaute mich ein bisschen um und sah mir die Fotos an den Wänden an. Mir fiel immer wieder eine Frau auf, die oft neben Kevin auf den Fotos war. Sie schienen sich sehr vertraut zu sein.
Kevin kam zurück. Er beobachtete mich eine Weile und bemerkte wohl mein Interesse.
"Das ist meine erste Frau, Kristin. Sie ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen."
"Das tut mir leid..."
"Weißt du, ich hab jetzt Shannon und Linny. Sicher, ich vermisse Kristin, aber ich bin glücklich." Er lächelte, und man sah ihm an, dass es ihm gut ging.
"Darf ich dich was fragen?" unterbrach er meine Gedanken.
"Sicher?"
"Was ist mit deinen Eltern? Ich meine, was ist passiert, dass du dich jetzt um deinen kleinen Bruder kümmerst?"
Ich wusste, dass die Frage irgendwann kommen musste, aber ich war nicht bereit sie zu beantworten. Ein Klingeln an der Tür war meine Rettung.
Kevin entschuldigte sich und öffnete. Sofort hörte man ein Durcheinander von Stimmen, die immer wieder verlangten Linny zu sehen. Und irgendwas sagte mir, dass es sich bei diesen Stimmen um jene der Männer, von den restlichen Fotos, handeln mussten. Kevin brachte schnell Ruhe rein und erklärte ihnen, dass sie Linny nur sehen könnten wenn sie sich benähmen, die Kleine wäre so eine Unruhe schließlich nicht gewöhnt. Er kam mit den Männern zurück ins Wohnzimmer.
"Darf ich vorstellen, Saida MacInnes. Saida, das sind Nick, AJ, Brian und Howie."
Jeder von ihnen gab mir die Hand und sagte Hallo, Nick und AJ wirkten dabei wie kleine Jungs. Aber kaum dass Shannon mit dem Baby nach unten kam, waren sie nicht mehr zu halten. Sie stürzten sich auf sie, wie halb Verhungerte auf etwas zu essen. Kevin schüttelte über ihr Benehmen den Kopf, grinste aber.
Ich setzte mich zu Akela an die offene Terrassentür und kramte meine Zigaretten aus meiner Tasche.
Akela sah mich böse an und knurrte.
"Ist ja schon gut." Ich steckte meine Zigaretten wieder weg. "Sag mal, sind die immer so?" Ich deutete mit meinen Kinn zu der Meute, die sich immer noch um Shannon drängte.
Na, meistens. Nur wenn sie sich mit Dämonen, Geistern, Vampiren oder Voodoopriestern anlegen, dann sind sie noch schlimmer.
Ich begann Akela zwischen den Ohren zu kraulen, was er sichtlich genoss. "Wird Kevin mir denn helfen können?"
Allein?
Ich verstand seine Frage nicht recht, wurde aber in meinen Gedanken von Linny unterbrochen, die lautstark ihre Meinung zu dem Trubel verkündete. Shannon ging mit ihr wieder nach oben und die Fünf in die Küche. Akela sah ihnen kurz nach und leckte sich die Schnauze.
Ich glaube, ich werde da mal gucken gehen... Er streckte sich und verschwand schwanzwedelnd in der Küche.
Ich holte meine Zigaretten raus und genoss die Ruhe. Ich dachte an das bunte Treiben, das da drin gerade im Gange war. Sie lachten alle soviel und waren glücklich. Das ich so was erlebt hatte, war so lange her... Unser Glück war von einem Dämon zerstört worden. Wieder kamen mir die Bilder von meinem Vater ins Gedächtnis. Wie er aufschrie... Ich konnte doch nicht zulassen, dass Kevin dasselbe passierte...
Howie stand plötzlich hinter mir. "Saida? Kevin lässt fragen, ob du noch was zu essen möchtest."
"Nein."
Er sah mich kurz an, bevor er sich setzte. "Du schienst mit deinen Gedanken sehr weit weg gewesen zu sein."
War das seine Art zu fragen: 'Was für ein Problem hast du?' "Nicht weit genug weg."
"Die da drin denken, ich wüsste nicht wieso sie ausgerechnet mich geschickt haben, um dich zu fragen. Nick und AJ haben ein Abenteuer gerochen. Und sie wissen, dass ich mit diesen übersinnlichen Sachen ein Problem habe. Aber, egal was es ist, Kevin und Shannon werden dir helfen." Howie lächelte mich an.
"Und was ist, wenn ich ihre Hilfe nicht will? Was ist, wenn ich sie einfach nicht annehmen kann?"
"Warum nicht?"
"Wegen Linny. Sie ist so klein und hat noch keine Ahnung wie scheiße die Welt ist. Das was sie momentan braucht, sind ihre Eltern. Sie braucht ihren Schutz. Da kann ich doch nicht verlangen, dass sie ihr Leben für mich riskieren? Das kann ich nicht. Hast du schon mal jemanden sterben sehen, bei einem Kampf mit einem Dämon? Hast du die Augen der Kinder der Dämonenjäger gesehen, wenn man ihnen sagt, dass ihre Eltern nicht zurückkommen? Ich hab meinen Vater im Kampf sterben sehen. Ich erinnere mich, wie er schrie. Und ich weiß, wie mein Bruder mich mit seinen großen Augen ansah. Voller Tränen und Trauer, als ich ihm sagen musste, dass unsere Eltern nicht zurückkommen würden." Mir lief eine Träne die Wange runter.
Howie nahm mich in den Arm. "Ich kann deine Angst verstehen. Aber du musst auch uns verstehen. Wir können es nicht mit ansehen wenn andere Menschen leiden. Wir passen schon auf uns auf. Und wenn wir es nicht schaffen, holen wir uns Hilfe." Er sah mich wieder an und wischte mir eine Träne weg. "Wir wissen schon, was wir tun. Auch wenn es manchmal nicht danach aussieht."
5. Kapitel
Kevins p.o.v
War ja klar, dass sie innerhalb kürzester Zeit hier auftauchen würden... Ich wusste Bescheid, noch bevor ich die Tür öffnete. Sie waren schließlich laut genug für zehn.
"Hey, Kevvy Kev! Wir wollen dein kleines Mädchen sehen!" verkündete AJ schon, noch bevor er Anstalten machte einzutreten.
"Yoah, zeig uns unsere kleine Linn!" forderte auch Nick konsequent.
"Wenn ihr hier so einen Lärm veranstaltet, könnt ihr gleich wieder abziehen. Aislinn ist grade mal drei Tage alt und erträgt euer Geschrei nicht." Ich verschränkte die Arme vor der Brust.
AJ und Nick sahen mich leicht geknickt an. "Und wenn wir ganz lieb und leise sind?" versuchte es Nick. AJ guckte mich an wie ein Welpe. Brian, hinter ihnen, lachte leise.
"Na gut. Aber wehe, ihr benehmt euch nicht." Ich winkte ihnen, mir ins Wohnzimmer zu folgen, und stellte ihnen Saida vor. Bis dahin zumindest benahmen sich AJ und Nick mustergültig.
"Was ist denn hier für eine Versammlung? Ich wusste doch, ich hab AJ gehört. Ich hab's dir ja gesagt, Linny, dein lauter Onkel ist hier." Shan kam lächelnd, mit unserem Baby im Arm, die Treppe herunter. Sofort stürzten ihr vier Männer entgegen. Kopfschüttelnd ging ich hinter ihnen her.
"Oooch... was ist die süüüß!" Staunend starrte Howie auf meine Tochter.
"Guck mal, Linny! Ich bin dein Onkel Nick!"
"Guck mal, Linny, das da ist ein Schwachkopf. Und ich bin dein Onkel AJ."
"Hör nicht auf die beiden, Linny. Das sind gar nicht deine Onkel, sondern nur ein paar Verrückte. Aber ich, ich bin dein Großcousin."
"Möchtet ihr sie mal halten?" fragte Shan lachend.
Howie hatte als Erster die Ehre. Er wiegte mein kleines Mädchen sanft in den Armen. "Sie sieht dir sehr ähnlich Kev." meinte er leise.
"Ja. Sie sieht fast so aus wie du, auf den Baby-Bildern." Brian fuhr mit einem Finger über den dunklen Flaum auf ihrem Köpfchen.
"Ich finde ja, sie sieht ihrer Mum ähnlich. Sie hat genau Shannys Nase." AJ schlang die Arme um meine Frau. Auf meinen Blick hin ließ er sie wieder los.
"Ich denke, wir sollten warten was für Sommersprossen sie bekommt, Kevins dunkle oder Shans goldene, bevor wir das entscheiden." warf Nick ein.
"Was denn... du kannst denken?" Dafür fing sich AJ einen Rippenstoß von Shan.
Linny wanderte inzwischen weiter, in Brians Arme. "Sie ist ein bisschen kleiner als Baylee war, oder täusche ich mich?"
"Kein Wunder, Shan ist ja auch kleiner als Leighanne."
"Über die Logik kann ich nur lachen, Nick. Kevin ist größer als Brian. ...na?"
"AJ, lass Nicky in Ruhe und nimm deine Nichte auf den Arm." ordnete Shannon an, um die Meute zum Schweigen zu bringen.
Vorsichtig nahm AJ die Kleine entgegen. "Linny! Linny-Linn! Gutschi-gutschi-guh!"
Wir prusteten alle zusammen los und fingen uns einen bösen Blick, über den Rand der Sonnenbrille hinweg.
"Haha, wie witzig. Ich werde euch dran erinnern, wenn ihr anfangt für sie Grimassen zu schneiden." Er legte Linn vorsichtig in Nicks Arme.
Einen Moment geschah nichts. Dann wurde meine Tochter richtig wach und wimmerte, was Sekunden später bis zu einem Brüllen anschwoll.
"Ich hab nix gemacht!" protestierte Nick.
"Gib sie mir bitte, Nick. Hey, Kleine, ist doch schon gut..." Shan lehnte Linns Köpfchen gegen ihre Wange und fing an ein Schlaflied zu summen. Sofort beruhigte sich Aislinn etwas. "Ich bringe sie rauf, ins Bettchen. Noch einen Gute-Nacht-Kuss, kleine Lady..." Sie hielt sie mir hin.
Ich schlang die Arme um meine kleine Familie und küsste erst Linn und dann Shannon. "Du legst dich auch ein bisschen hin, okay? Die Nacht war zu kurz und du siehst müde aus."
Shan nickte nur, was mir mehr als ihr blasses Gesicht sagte, wie müde sie wirklich war. Sie ging nach oben und ich dirigierte die Jungs in die Küche, damit wieder etwas mehr Ruhe einkehrte. Kurze Zeit später stieß auch der Wolf zu uns und versicherte sich, dass hier nichts ohne ihn gegessen wurde, denn ich schlug für Nick ein paar Eier in die Pfanne.
"Aislinn ist ein wirklich hübsches Baby." meinte Howie.
"Ja, sie wird den Männern zu Dutzenden die Köpfe verdrehen." pflichtete ihm AJ bei.
Ich hielt mitten in der Bewegung inne. "Ich glaube, ich werde kein Auge mehr zumachen können, wenn sie in die Pubertät kommt..."
Die Jungs lachten auf.
"Jaja... die Aufgaben eines pflichtbewussten Vaters..." grinste Brian.
"Howie, kannst du bitte Saida fragen, ob sie noch etwas essen möchte?" Ich drehte mich zu ihm um. Howie war der Richtige, wenn es darum ging jemanden zum Reden zu bringen.
"Ja, genau. Geh mal und frag die hübsche Lady mit dem übernatürlichen Problem, ob sie noch Hunger hat." meinte plötzlich auch AJ.
Ich sah von ihm zurück zu Howie und bemerkte, wie er das Gesicht verzog. Er half gern, wo er nur konnte. Aber mit dem Übersinnlichen hatte er so seine Probleme, weil er es hasste die Kontrolle über die Situation zu verlieren. Und das Paranormale konnte man nicht kontrollieren... Aber D stand trotzdem auf und ging hinüber ins Wohnzimmer.
Nick schloss hinter ihm die Tür.
"Also, was für ein Problem hat sie?" AJ starrte mich erwartungsvoll an. "Dämonen? Vampire? Zombies?"
"Du hast Geister vergessen." erinnerte ihn Nick. "Oder sind es Voodoo-Priester oder schwarze Hexen?"
"Und warum kommt ihr auf die Idee, dass sie ein übernatürliches Problem hat?" wollte ich mit einem geringschätzigen Lächeln wissen. Ich musste die Jungs da unbedingt mit der Nase raushalten, allein schon in Anbetracht der Konstellation von zwei Hexen und fünf Backstreet Boys...
"Sie ist hier." erwiderte AJ, als würde diese Tatsache selbstverständlich alles erklären.
"Als wenn alle Menschen, die herkommen, Probleme mit übersinnlichen Phänomenen hätten..." Kopfschüttelnd wandte ich mich wieder den Eiern zu, aber so schnell ließen sich die Jungs nicht davon abbringen.
"Nein. Nur all die, die wir nie zuvor gesehen oder von denen wir gehört haben." grenzte AJ den Kreis der Verdächtigen ein.
Ich schüttelte wieder den Kopf. "Noch mehr Beweise für eure absurde Idee?"
"Sie. Sie hat, so wie sie aussieht, die letzte Nacht bestimmt nicht viel geschlafen, was ein Beweis dafür ist, dass wir es mit Vampiren zu tun haben, die sie die ganze Nacht über gejagt haben." Triumphierend sah AJ mich an.
"Fakt ist außerdem, dass du die ganze Zeit nicht wirklich bei der Sache bist, sondern mit deinen Gedanken ganz woanders. Du hast mich nicht mal angemeckert, dass ich dich gestern versetzt habe. Vielleicht warst du ja auch gar nicht da, sondern auf der Suche nach den Tagverstecken der Vampire?" führte Nick die Sache weiter aus.
"Ach ja... Gut dass du mich daran erinnerst, Nick, wir zwei haben ja noch ein Hühnchen zu rupfen. Seid ihr jetzt fertig mit euren Spinnereien?" Ich setzte die Rühreier vor Nicks Nase ab. "Sie ist eine Bekannte von Shannon, sie ist heute morgen aus Seattle gekommen und das einzige Übersinnliche an ihr ist, dass sie eine Hexe ist."
"Jetzt haben sie dich." meldete sich Brian das erste Mal zu Wort. "Du solltest eben besser nicht lügen."
Ich stützte mich mit den Händen auf die Tischplatte. "Sie haben mich? Wie meinst du das?" wollte ich wissen.
"Als AJ und Nick uns, Howie und mich, vorhin am Flughafen abgeholt haben, kam die Durchsage, dass der Flugverkehr in Seattle wegen eines Schneesturms seit Stunden eingestellt ist. Saida kann nicht heute morgen von dort gekommen sein."
Ich sah von einem zum anderen und suchte nach einer anderen Erklärung. Dann ließ ich den Kopf resigniert nach vorn fallen. "Also gut, Jungs... Sie hat ein Problem..."
Zweistimmiges triumphierendes Jubeln war die Antwort.
Nick schob den leeren Teller zurück. "Und? Sind es Vampire?"
"Wir haben noch nicht drüber gesproch..." Ich sah zu, wie die Tür hinter AJ und Nick zufiel.
Besser wir gehen Saida vor den beiden retten. meinte Akela trocken. Brian und ich folgten ihm aus der Küche ins Wohnzimmer, wo Nick und AJ die junge Hexe garantiert mit Fragen bestürmten.
Das konnte ja heiter werden...
6. Kapitel
Saidas p.o.v.
Howie hatte Recht, Nick und AJ hatten ein Abenteuer gewittert, saßen jetzt vor mir auf der Terrasse und starrten mich mit großen Augen an.
"Sind es Vampire?" fragte mich AJ zum dritten Mal, aber Nick ließ mich nicht antworten.
"Egal was es ist, wir machen es kalt."
Ich hörte Schritte hinter mir nahen. Ohne hinzusehen wusste ich, dass es Kevin war. Nick und AJ wurden still und schauten über mich hinweg.
Akela kam, gefolgt von Kevin und Brian, zu uns heraus und legte sich vor meine Füße. Kevin schloss, ohne seinen Blick von Nick und AJ zu nehmen, die Terrassentür.
"Ihr seid die größten Schwachköpfe, die ich kenne." machte er seiner Wut Luft. "Nur weil Saida hier ist und ein Problem hat, heißt das nicht, dass wir es lösen. Shannon hat im Moment gar nicht die Kraft dazu und mit sich und Linny genug zu tun. Und wir haben eine Tour vorzubereiten."
"Aber...!" kam es gleich von zwei Seiten.
"...wir haben es nicht zum ersten Mal mit übernatürlichen Dingen zu tun und genug Erfahrung um das Problem zu lösen. Auch ohne Shannon." beendete AJ den Satz.
"Aber wir wissen doch gar nicht, womit wir es zu tun haben." erklärte Kevin.
"Aber das können wir herausfinden und dann können wir es auch gleich besiegen. Ich habe nämlich keine Lust die Scheißarbeit zumachen und jemand anderes hat dann den Spaß!"
Hatte Nick gerade von Spaß geredet? Ich war wütend über seine Naivität.
"Spaß? Ich weiß nicht was daran Spaß ist, wenn man mit einem Dämon kämpft! Es geht dabei um Leben oder Tod! In diesem Fall geht es um das Leben meines Bruders! Und ich weiß auch nicht, ob es ratsam ist sein Leben so jemanden wie dir anzuvertrauen!"
Ich war aufgebracht und hätte vermutlich Nick noch mehr angeschrieen, wenn Howie mich nicht zurückgehalten hätte. Wenigstens war Nicks dämliches Grinsen weg.
Wieso hatte ich heute Morgen nur die Tür aufgemacht. Wieso war ich hier? Auch wenn Shannon eine Hexe war, jetzt konnte sie mir nicht helfen. Es war alles zu viel. Ich fragte Kevin nach dem Bad und verzog mich erst mal.
Als ich zehn Minuten später wiederkam, saßen die Jungs immer noch auf der Terrasse. Kevin sah nicht besonders begeistert aus, nur Nick und AJ schienen halbwegs zufrieden.
Ich setzte mich neben Howie. Sofort kam Akela an und legte seinen Kopf auf meine Knie. Er bekam wohl nicht mehr soviel Aufmerksamkeit, seit Linny da war.
"Nun mal ehrlich, Jungs, würde Shannon euch so einfach alleine auf den Dämon loslassen? Ich meine, sie selbst wird wohl kaum helfen können." gab ich zu bedenken.
AJ und Nick sahen einander an, während Akela zu lachen schien.
"Das ist das Problem, ich meine sie ist nicht dumm. Sie wird merken was hier läuft, wenn ihr plötzlich in ihren Büchern wühlt und ihre Waffen klaut."
"Ich wusste gar nicht, dass Shannon Bücher über Dämonen hat." Nick nagte an einen Apfel, er war scheinbar nie satt.
"Hat sie auch nicht. Sie weiß eigentlich immer alles so." meinte Kevin.
Langsam schienen die Anderen zu verstehen, was ich sagen wollte.
"Das heißt, kein Abenteuer?" fragte Nick leicht enttäuscht.
AJ legte seinen Arm um Nicks Schulter. "Auf uns wartet ein anderes Abenteuer."
Nick sah AJ verwirrt an.
"Unsere Tour, du Hirni."
AJ und Nick alberten noch etwas rum und es machte Spaß ihnen zu zusehen.
Es war Mittag, als Kevin die Tür hinter den Jungs schloss. "Ich sag Shannon bescheit, dann kannst du ihr alles erzählen, was du über den Dämon weißt."
Kevin war schon die ersten Stufen der Treppe hoch, als ich ihn stoppte. "Kevin..."
Er sah zu mir zurück.
"Ich ahne, dass du nicht willst, dass Shannon momentan kämpft. Aber das muss sie auch nicht. Ich hab zwar nicht so viel Ahnung von Dämonen, aber es kann kein besonders starker sein wenn er mich braucht, um die Hexe zu töten."
Shannon und ich saßen im Wohnzimmer an dem kleinen Tisch. Kevin hatte Tee für uns gemacht und war nun mit Linny Spazieren gegangen.
Shannon gab mir ein so behütetes Gefühl, dass ich ohne groß zu zögern begann zu erzählen.
"Ich weiß nicht wirklich wie er aussieht... Aber er hat telepatische Kräfte. Er sagt mir was ich tun soll, indem er in meine Gedanken eindringt. Ich sehe dann immer sein Gesicht vor mir. Seine Augen glühen rot und er grinst boshaft, so dass man seine spitzen Zähne sehen kann. Ansonsten sieht er fast aus wie ein Mensch, seine Haare sind etwa schulterlang und ungekämmt. Seine Haut ist weiß. Seine Ohren sind klein und fast rund. Er sieht eher verrückt als gefährlich aus."
Shannon war ganz in Gedanken, es schien als würde sie die Dämonen durchgehen, die in Frage kamen.
"Wie ist das passiert, dass er Felan entführen konnte?" fragte sie schließlich.
"Ich hatte ihn in den Kindergarten gebracht und bin dann zu Arbeit. Die Betreuerin rief mich kurz nach Mittag an und sagte mir, dass Felan verschwunden sei. Ich bin hin, aber wir konnten ihn nirgendwo finden. In der Nacht hat mich der Dämon dann zum ersten Mal aufgesucht. Er sagte mir, ich solle eine Hexe töten und wenn ich das nicht täte, würde ich Felan nie wieder sehen."
Shannon nickte und trank einen Schluck von ihren Tee, dann lächelte sie.
"Wir bekommen das wieder hin."
7. Kapitel
Kevins p.o.v
Als ich mit Linn zurückkam, fand ich Shannon in ihrem Arbeitszimmer, über die große Eichentruhe gebeugt. Ihr schwarzer Rucksack stand griffbereit neben ihr.
Wortlos ging ich ins Kinderzimmer und legte unsere Tochter in ihr Bettchen. Akela kam hinter mir zur Tür rein.
Halt sie auf, sie hört nicht auf mich! Sie ist noch zu angeschlagen, um auf Dämonenjagd zu gehen!
"Ich weiß. Bleib hier bei Linn."
Ich ging zu Shannon ins Zimmer und lehnte mich mit verschränkten Armen an den Schreibtisch. Sie sah nicht mal richtig auf, aber ich wusste, sie hatte mich bemerkt.
"Was denkst du, dass du da tust?" wollte ich wissen.
"Ich packe meine Sachen zusammen." erwiderte sie ruhig.
"Das sehe ich... und was hast du dann vor?"
"Einen Dämon bekämpfen." Sie holte ihren Stab, mit dem Wolfskopfgriff, aus der Truhe und schloss den schweren Deckel.
"Du hast vor grade mal drei Tagen unsere Tochter zur Welt gebracht..."
"Das wär mir fast entfallen... Kev, ich war dabei. Ich war es, die die Wehen hatte."
"Und du willst trotzdem Sylvios Anweisung zuwider handeln und dich Hals über Kopf in eine Dämonenjagd stürzen?!" Langsam wurde ich echt sauer.
"Im Mittelalter gingen die Frauen aufs Feld, bestellten ihr Land... und wenn sich die Geburt ankündigte, gingen sie an den Feldrand und bekamen ihr Kind, stillten es und arbeiteten danach weiter."
"Wir leben aber nicht im Mittelalter! Gott sei Dank, denn die Sterberate bei Kindern und ihren Müttern war extrem hoch! Shan, du kannst doch nicht mal Magie einsetzen! Du setzt dich einer nicht kalkulierbaren Gefahr aus!"
"Ich kann sie sehr wohl kalkulieren!" wütend fuhr sie zu mir herum. "Da ist ein kleiner, vierjähriger Junge, der vor Angst bestimmt völlig außer sich ist, in der Gewalt eines Dämons! Unten, in unserem Wohnzimmer, sitzt eine junge Frau, die weder aus noch ein weiß! Ich bin Dämonenjägerin, ich muss den beiden helfen!"
"ABER DOCH NICHT UM JEDEN PREIS, VERDAMMT!"
Wütend funkelten wir einander an, bis Aislinns jämmerliches Weinen uns unterbrach.
"Du hast sie aufgeweckt!" Aufgebracht ließ Shannon mich stehen und ging ins Kinderzimmer hinüber.
Akela kam zu mir. Klang nicht sehr gut... Ich denke nicht, dass du sie überzeugen konntest...
"Das hab ich auch gemerkt!"
Hey, hey, mal gaaaaanz ruhig... Ich hab dir nichts getan, oder? Im Gegenteil, ich weiß vielleicht, wie wir Shan daran hindern, sich der Gefahr auszusetzen. Komm mal mit.
Irritiert, aber auch neugierig, folgte ich dem Wolf ins Wohnzimmer, wo Saida mit einer Tasse Tee saß. Sie sah aus, als hätte sie den Streit grade gehört, denn sie blickte mich fragend an.
"Scheint, als wollte Shannon das allein in die Hand nehmen, was?"
Ich nickte. "Ja, aber wenn ich das irgendwie verhindern könnte, dann..."
Saida lächelte. "Nun, wenn du es nicht kannst, ich kann es bestimmt. Habt ihr Alraune da? Und Schwarzwurzel?"
"Ich... ich weiß nicht..."
Klar haben wir. Der Wolf warf mir einen missbilligenden Blick zu. Ich hole kurz was davon.
"Was hast du denn vor?" fragte ich misstrauisch.
"Einen Schlafzauber. Einfach, aber sehr wirkungsvoll. Wir müssen nur aufpassen, dass sie nicht fällt, wenn er zu wirken beginnt." Saida öffnete ihre Tasche und holte tatsächlich einen kleinen kupfernen Kessel heraus, grade so groß, dass er auf ihrer Handfläche stehen konnte. Dazu Mörser und Stößel, aus Marmor und noch etwas kleiner als der Kessel.
Akela kam mit den Utensilien zurück und legte sie ihr in den Schoß. Sofort begann sie sie zu verarbeiten und mit einem Pulver aus einem kleinen Lederbeutel zu vermengen. Die Wolf sah genauso interessiert zu, wie ich.
Was ist denn alles drin, in dem Pulver? Der Geruch kommt mir vage bekannt vor, aber ich kann ihn nicht identifizieren.
"Eine... Geheimrezeptur meiner Familie." Saida lächelte abwesend.
Wir werden uns um Shans Amulett kümmern müssen, sonst wirkt der Zauber nicht. Er würde einfach an ihm abprallen...
"Darum werde ich mich kümmern. Aber wie wirkt es? Muss Shan dein Gebräu trinken? Das würde sie bestimmt nicht..." Gedankenverloren drehte ich an meinem Ehering. Mir war nicht wohl bei der Sache... Shannon würde fuchsteufelswild werden, wenn sie wieder aufwachte und feststellte, was wir getan hatten. Wer sollte denn den Dämon bekämpfen? Es war niemand der OCRSI in direkter Nähe. Konnte es gut gehen, wenn wir Jungs gegen ihn antraten? Fünf gegen einen, eigentlich sollten wir es schaffen können. Wenn Shan meinte, allein gegen ihn ankommen zu können, sollten wir fünf kein zu großes Risiko eingehen.
Saida murmelte ein paar Worte, die ich nicht verstand, und streute ein weiteres Pulver in den kleinen Kessel. Dann sah sie mich an.
"Er wirkt jetzt. Sobald du ihr das Amulett abnimmst, sollte sie einschlafen. Ist nur fraglich, wie du das hinbekommst." Sie grinste.
"Ich werde es schon schaffen..." Ich hatte schon eine Idee wie.
Ich ging nach oben und schlich mich in Shans Arbeitszimmer. Sie sang unserem Spätzchen grade etwas vor.
Auf dem Schreibtisch fand ich, was ich suchte. Das von Gabriel scherzhaft 'Vampirzahn' genannte, winzige Messer in Ringform. Tatsächlich hatte es Ähnlichkeit mit dem Utensil, das in manchen Filmen von 'Vampiren' benutzt wurde, um den Hals anzuritzen. Shan gebrauchte es ab und an als Brieföffner, seit Gabe es ihr geschenkt hatte. Ich nahm es an mich und ging damit hinüber ins Kinderzimmer.
Shannon legte die schlafende Linny grade in ihr Bettchen und ordnete das Nest um sie, damit sie sich im Schlaf nicht drehte. Shan strich sich gedankenverloren eine Strähne hinters Ohr. Sie schien müde und abgespannt, und das lag nicht nur an den heruntergelassenen Jalousien und dem schummrigen Nachtlicht. Die letzten Nächte, in denen sie Linn gestillt, und die vor der Geburt, in denen sie nicht viel Schlaf gefunden hatte, hatten ihre Spuren hinterlassen.
Es war ein verdammt schlechter Zeitpunkt für einen Dämon... Ich blickte hinunter auf den Rucksack, der an der Kinderzimmertür stand. Der Stab, mit der im Inneren verborgenen Ninja-Klinge, lag darauf und schien begierig auf seinen Einsatz zu warten. Einen Einsatz, der Shan das Leben kosten konnte... Mit bloßer Kraft und Geschicklichkeit auf einen Dämon loszugehen, war immer ein Risiko, vor allem wenn man allein agierte.
Mit einem Schaudern erinnerte ich mich wieder an meinen Traum, in dem Shannon allein gegen unzählige Dämonen gekämpft hatte. Sie hatte mit dem Sterben auf mich gewartet, aber sobald ich sie in den Armen hielt, war sie für immer gegangen. Sie hatte mich allein zurückgelassen... Nein, ich durfte nicht erlauben, dass sie ging! Linny und ich brauchten sie! Ich vertraute normalerweise auf ihre Fähigkeiten, aber das hier war etwas anderes... Sie war erschöpft und hatte keine Magie zur Verfügung. Das reichte für mich, um sie gegen ihren Willen zum Bleiben zu zwingen.
"Hey." sagte ich leise.
Shan sah überrascht auf. "Hey..."
"Wegen vorhin... Es tut mir leid, dass ich dich so angeschrieen habe..." murmelte ich betreten. "Es ist nur... ich mache mir eben Sorgen um dich, Kleines. Ich will doch nicht, dass dir was passiert... Ich will dich nicht verlieren..." Ich ging langsam auf sie zu und zu meiner Überraschung schlang sie sofort die Arme um meinen Hals. Erleichtert zog ich sie eng an mich.
"Ich weiß doch, mein Engel... Es tut mir auch leid, ich hätte nicht so ironisch sein sollen und... und deine Ängste mehr beachten... Ich mache mir solche Sorgen um diesen Jungen. Stell dir vor, Linny passiert mal so was..." Sie blickte auf unseren kleinen, schlafenden Schatz herunter. "Ich könnte es nicht ertragen, wenn ihr etwas zustieße..."
"Und ich könnte es genauso wenig ertragen, wenn dir etwas geschehen würde..." Ich drückte mein Gesicht an ihren warmen Hals und hakte unbemerkt die Schneide des Rings in das Lederband ein, an dem ihr Amulett hing. Die Finger hatte ich zwischen ihre samtige Haut und das Leder geschoben. Sie seufzte leise, als ich meine Nase an ihrem Nacken rieb und sie dort küsste. Ich hasste mich in diesem Moment selbst ein wenig, denn ich nutzte ihre Empfänglichkeit für Zärtlichkeiten schamlos aus... Ich wusste viel zu gut, was ihr gefiel und womit ich sie ablenken konnte...
Shannon legte den Kopf noch etwas mehr zur Seite und gab dieses sexy Schnurren von sich. Dann begann sie verspielt an meinem Ohr zu knabbern und jagte mir damit einen Schauer über den Rücken. Ich musste schnell handeln, das spürte ich, denn sie wusste ebenfalls sehr gut, was mich ablenkte...
Ich drehte den Kopf und küsste ihre Wange, fing ihren Mund ein. Ihre Lippen teilten sich unter meinen, wieder seufzte sie, als ich an ihnen knabberte. Meine Hand mit dem Ring lag weiter in ihrem Nacken, die andere ließ ich, mit den Fingerspitzen ihren Hals streifend, nach vorn zwischen uns gleiten, wo sich meine Finger, unter Streicheleinheiten, um das Lederband schlossen.
Ich war bereit... Voller Schmerz und Wut über den Verrat, den ich dabei war zu begehen, schob ich meine Zunge zwischen ihre Lippen und küsste sie inbrünstig. Dann hob ich den Kopf und blickte in ihre verschleierten Augen, während ich mit dem Ringmesser das Lederband durchtrennte und meine Hand, aus der das Amulett herabbaumelte, zwischen uns hervorzog.
Shan sah mich verwirrt an. Sie blinzelte und versuchte gegen die bleierne Müdigkeit anzukämpfen, die sie plötzlich überkam. Verstört zog sie die Brauen zusammen, ihre Lider flatterten. Dann ruhten die dichten, dunklen Wimpern schließlich endgültig auf ihren Wangen und ihr Kopf sank langsam gegen meine Schulter. Ihre Knie gaben nach, sie fiel gegen meine Brust und ich hielt sie, fest an mich gedrückt.
Wie zartgliedrig und zerbrechlich sie war... Ich ließ ihr Amulett zu Boden gleiten und hob Shannon hoch, ging, mit ihr auf den Armen, in unser Schlafzimmer hinüber. Behutsam legte ich sie aufs Bett, beugte mich dicht über sie und streichelte ihr Gesicht. Sie kam mir schöner vor denn je, mit den im Schlaf entspannten Zügen und den, von unseren Küssen, noch feuchten Lippen.
"Es tut mir leid, Baby... Aber du hast mir keine andere Wahl gelassen... Ich liebe dich, Kleines..." Ich küsste sie nochmal, rieb meine Nase an ihrer. Sie atmete ruhig weiter und regte sich nicht.
Ich deckte sie sorgsam zu und strich ihr die rotblonden Strähnen aus dem Gesicht. Dann verließ ich das Schlafzimmer, mit einem letzten Blick zurück auf die Frau, die ich so sehr liebte.
Ich würde jetzt die Jungs anrufen und sie fragen, ob sie mit mir auf Dämonenjagd gehen wollten. Bei Nick und AJ kannte ich die Antwort, Brian würde bestimmt auch zusagen. Howie würde es sich erst überlegen wollen, dann seufzen und einwilligen und sich ständig in Gedanken sagen, dass ja einer auf uns Spinner aufpassen musste. Ausrüstung hatten wir genug da... Und zur Not konnten wir den Dämon vielleicht noch in die Flucht singen...
8. Kapitel
Saidas p.o.v.
Ich saß auf der obersten Treppenstufe. Die Tür zum Schlafzimmer stand offen und ich sah Shannon, die ruhig dalag und schlief.
Ich erinnerte mich, wie mir meine Mum den Zauber beigebracht hatte, wir nutzten meinen Vater als Versuchsperson, der gerade dabei war Football zu schauen. Er meckerte erst rum als er wieder wach wurde, doch dann verstand er, dass ich das erste Mal meine Kräfte kontrolliert eingesetzt hatte und ab dann war das Footballspiel egal. Denn restlichen Tag über versuchte er mir weitere Sachen beizubringen. Ich genoss die Zeit mit ihm, zu der Zeit war er ständig unterwegs. Erst als Felan sich ankündigte, beschloss er mehr zu Hause zu bleiben. Ich war damals sauer auf ihn. Ich hatte mir immer gewünscht, dass er mehr zu Hause sein würde, und nun, für das neue Kind, tat er es. Ich war eifersüchtig auf Felan und wünschte mir oft, dass er weg wäre. Ich versuchte ihn sogar mal mit einem eigenen Zauberspruch verschwinden zulassen, aber ohne Erfolg.
Ich konnte doch nicht wissen, das Felan nie das Glück haben würde, unsere Eltern wirklich kennen zu lernen. Dass er nie erfahren würde, was es bedeutet eine Familie zu haben. So wie Linny sie hatte. Shannon und Kevin würden tolle Eltern für Linny sein, das war klar. Genau solche wünschte ich Felan.
Ich hatte nicht gemerkt, dass Kevin vom Telefonieren wiedergekommen war und sich neben mich gesetzt hatte. Er schaute mich an, mit einem aufmerksamen Blick.
"Was denkst du?"
Ich lächelte ihn zaghaft an. "Ihr passt doch auf euch auf, oder? Linny wird doch nicht ohne Vater aufwachsen müssen?"
Kevin nahm meine Hand.
"Ich verspreche dir, dass ich auf Felan und mich aufpasse. Dafür versprichst du mir, dass du auf Linny und Shannon aufpasst, okay? Die Zwei sind mein Leben und ich lasse sie nur ungern allein."
Ich nickte zögernd, als mir plötzlich schwarz vor Augen wurde ...
Perfekt! zischte die Stimme des Dämons in meinem Kopf. Sie ist ein so leichtes Opfer, dass es dir nicht schwer fallen sollte, sie zu töten...
Ich schreckte auf und wusste erst mal nicht, wo ich war. Doch dann erkannte ich Kevins Wohnzimmer wieder. Ich lag auf dem Sofa, neben mir saß Howie, der erleichtert lächelte.
"Alles klar?" fragte er leise.
Ich nickte.
"Wirklich?" fragte er noch mal.
"Ja... das war der Dämon, aber nun ist er weg."
Ich stand auf, was Howie kritisch beobachtete.
Er folgte mir in die Küche, wo ich Kevin mit den Anderen über mich reden hörte.
"Ich hoffe, ihr redet nur gut von mir?" fragte ich, als ich reinging.
Kevin stand sofort auf und bot mir einen Stuhl an.
"Geht es dir gut?" fragte er, ebenso besorgt wie Howie.
"Ja, ich habe nur Kopfschmerzen und könnte was zu trinken gebrauchen."
Nick holte sofort ein Glas für mich aus dem Schrank und AJ sämtliche Getränke aus dem Kühlschrank.
"Noch Wünsche?" fragte er.
Ich musste lachen, und sofort schauten die Anderen nicht mehr ganz so besorgt aus.
"War das der Dämon?" fragte Nick vorsichtig, ließ sich aber nicht von Kevins bösen Blicken einschüchtern.
"Ja, aber nun ist er wieder weg. Er weiß, was wir vorhaben."
Nun sahen sie doch wieder besorgt aus.
"Ist es schlau, einen Dämon anzugreifen, der uns erwartet?" fragte Brian.
"Eben, wer ist schon so doof einen Dämon zu attackieren, der weiß das man kommt?" fragte Nick, plötzlich schien ihm die ganze Sache doch nicht mehr so viel Spaß zu machen.
"Wir." sagte Kevin.
Die Anderen sahen ihn fragend an.
"Der Dämon ist nicht stark. Er versucht uns dadurch abzuschrecken, dass er Saida erzählt, er wüsste was wir vorhaben. Wie Nick schon sagte, niemand würde einen Dämon angreifen, wenn der genau weiß, dass man kommt. Doch nun denkt er, wir kämen nicht, hat sich aber darin getäuscht." erklärte Kevin.
"Also was ist, seid ihr nun dabei oder muss ich mit Akela alleine gehen?"
Die Anderen überlegten.
"Ist der Dämon wirklich so schwach, dass er das nur getan hat, um uns davon abzuhalten? Vielleicht ist das alles auch eine Falle, und er war die ganze Zeit hinter uns her." Howie war besorgt.
Nick lachte schon wieder etwas.
"Howie, wieso sollte er hinter uns her sein? Vielleicht wegen unserer Musik? Und selbst wenn, müsste er nicht so einen Aufstand betreiben, er könnte uns einzeln so leicht fertig machen."
Howie wurde bei dem Gedanken gleich noch blasser.
"Kevin, kann ich auch solche Schutzamulette für mein Haus haben?"
Die Anderen lachten.
"Sind wir uns jetzt darüber einig, dass wir trotzdem auf Dämonenjagd gehen?"
Alle beantworteten Kevins Frage mit einem Nicken.
"Können wir dich alleine lassen, Saida? Du bist immer noch etwas blass."
Plötzlich schauten mich wieder alle an.
"Hey, ich bin die Letzte die euch aufhält: Nur vergesst nicht, nachdem ihr den Dämon gekillt habt, Felan mitzubringen."
Kevin und ich schauten uns kurz an und ich dachte an unser Versprechen... dabei lief es mir kalt den Rücken runter.
Chapter 9 Kevins p.o.v. I
ch öffnete die Tür zu Shans Arbeitszimmer für die Jungs. Ein vierstimmiges 'Oh...'ertönte, und ich musste grinsen. Ja, ihre Sammlung war ziemlich einzigartig... Zwei Wände des ehemaligen Gästezimmers waren mit Waffen aller Arten behangen, von Speeren, über Schwerter, Bögen, Armbrüste, Dolche und Wurfmesser bis zu Phantasiewaffen wie dem klingonischen Batleth, einer gebogenen Doppelklinge mit Griffen. Die dritte Wand nahmen Regale mit Tiegeln, Gläsern, Karaffen und Kräuterbündeln ein. Direkt darunter stand ein Schreibtisch, der ihr als Werkbank diente, und mitten unter Mörsern, roten und weißen Kerzen, Kristallen, Destillierkolben und Halbedelsteinen lag ihr Laptop, wie ein Vorbote des 20. Jahrhunderts inmitten eines Alchemie-Labors. Vor dem Fenster stand ein Schaukelstuhl mit Kissen und Decke, als einzige Annehmlichkeit im Raum. "Bitte, bedient euch." Ich machte eine einladende Handbewegung in Richtung des Waffenarsenals und trat dann zu der großen Eichentruhe, in der Shan ihre Schutzamulette aufbewahrte. Akela kam zu mir und schnüffelte herum, bis er fand was wir suchten - Amulette gegen die Zauberkräfte von Tarkay-Dämonen.
Das sollte Energieblitze, Plasmabälle und ähnliches von uns abhalten. meinte der Wolf. Aber Tarkays sind auch so gefährlich genug. Sie bewegen sich schnell und können dir mit Leichtigkeit jeden Knochen im Körper brechen. "Ja, mach uns ruhig Hoffnung..." spottete AJ. Ich will euch nur vorwarnen, nichts weiter. Ihr geht auf Dämonenjagd, nicht auf ein Konzert. Ihr habt keine Unterstützung, keinen der euch den Rücken freihält, ihr macht das quasi a cappella, um es mal in eurer Sprache auszudrücken. "Jungs, wenn es euch zu gefährlich ist... Ihr könnt jederzeit gehen und ich nehm es euch bestimmt nicht übel..." warf ich ein. Nick und AJ sahen einander an und reckten dann entschlossen das Kinn vor. War doch unübersehbar, dass die Zwei keinen Rückzieher machen würden... Ob ihnen überhaupt klar war, wie ähnlich sie sich waren? Brian zuckte nur mit den Schultern und steckte sich noch ein Messer in den Gürtel. Howie schüttelte den Kopf und sah zu Boden. An seiner Seite hing bereits eine Streitaxt... Brian nahm sich ein Schwert von der Wand, AJ hatte eine Armbrust und einen Köcher mit Bolzen, außerdem einen Morgenstern. Nick liebäugelte mit einem Zweihänder, einem Schwert, das so lang und schwer war, dass man es nur mit beiden Händen führen konnte. Doch als er es von der Wand nahm, landete die Spitze mit einem Klirren auf dem Boden und Nick bekam sie keine zehn Zentimeter von dort hoch. Kein Wunder, diese Waffe war schwer. Shannon behielt sie aus Sentimentalität, sie hatte ihrem Vater gehört. Brian half Nick, das Schwert zurückzuhängen, und gab ihm dann einen Speer. "Du kannst gut mit so was umgehen, bei unseren Scheinkämpfen besiegst du mich doch immer mit dem Stock." Er klopfte Nick aufmunternd auf die Schulter, aber der schmollte trotzdem.
"Es ist wichtig, dass ihr Waffen nehmt, mit denen ihr auch umgehen könnt. Also gehen wir zuerst mal nach unten, in den Trainingsraum, um zu sehen ob ihr euch damit verteidigen könnt." kommandierte ich. Der Raum, in den ich die Jungs jetzt führte, war vor einigen Monaten noch ein normaler Trainingsraum gewesen. Heute war ein recht großer Teil mit Matten ausgelegt, an einer Wand hingen menschengroße Lumpenpuppen. Die zweite Wand war mit Zielscheiben bedeckt, die auffällig viele Löcher in der jeweiligen Mitte hatten. Meine Geräte waren möglichst platzsparend entlang der dritten Wand aufgebaut. Shannon und ich hatten öfter zusammen trainiert, bis ihr Babybauch sie zu sehr daran hinderte. Unsere Methoden konnten unterschiedlicher nicht sein. Während ich mich auf Muskelaufbau und Fitness konzentrierte, übte sie sich in einem Kampfsport, den ich zuvor nie gesehen hatte, möglicherweise einer Mischung aus verschiedenen Stilen. Was es auch war, es war sehr effektiv und Shannon war schnell. Wann immer ich als ihr Trainingspartner fungierte, hatte sie mich blitzschnell auf der Matte. Was natürlich auch sehr interessant sein konnte... Der Rest ihres Trainings bestand aus Übungen mit verschiedensten Waffen, weil man, wie sie sagte, nie sicher sein konnte, was man grade zur Hand hatte, um sich zu verteidigen. Benutzen konnte sie wohl alles, was sie in ihrem Arsenal hatte, aber wirklich beherrschen tat sie das Katana - die Ninjaklinge, die in ihrem Stab verborgen war -, den Bogen und die Armbrust. Und wenn all das nichts nützte, kam ein gut gezielter Energieball zum Einsatz... Einige der Stoffpuppen wiesen tiefschwarze Brandflecken auf. Ich deutete jetzt zu eben diesen Puppen hinüber.
"Wer möchte anfangen?" Die Jungs sahen erst einander an, dann alle Howie. "Ja, ist ja gut, ich bin der Erste..." Er trat wiederstrebend vor und zog die Streitaxt aus der Lederhülse. "Also... Nicht zu lange Hiebe, sonst stehst du ohne Deckung da. Um den Gegner auf Abstand zu bringen, kannst du ihm die stumpfe Seite in den Leib hauen. Was du vor allem brauchst, ist ein sicherer Stand, sonst bringt dich die Axt beim Schwingen aus dem Gleichgewicht. Alles klar?" Howie nickte und stellte sich breitbeiniger hin, die Axt mit beiden Händen schräg ein Stück vor seiner Brust. Das sah schon nicht schlecht aus, aber... Ich nahm mir eins der Übungsschwerter. "Probieren wir deine Streitaxt mal aus. Komm, greif mich an." Howie runzelte die Stirn. "Ich will dich nicht verletzen, Kev..." "Wirst du nicht, glaub mir. Ich hatte ein bisschen Training, seit ich mit Shan zusammenlebe..." Er nickte bedächtig und griff mich dann zaghaft an. Ich konterte seinem Hieb mit Leichtigkeit und fing die Streitaxt mit meinem Schwertheft ab. Ermunternd lächelte ich ihm zu. "Und noch mal." Der nächste Angriff war schon beherzter und ich wich der Axt aus, indem ich sie mit dem Schwert schräg nach oben umlenkte und mich unter ihrer Bahn durchduckte. Howie hatte nicht damit gerechnet und wurde vom eigenen Schwung um die eigene Achse gedreht und von den Füßen gerissen. Ich fing ihn auf, ehe er fallen konnte. "Du musst noch an deinem Stand arbeiten. Und..." Ich wandte mich den anderen zu, denn für sie galt dasselbe. "Bitte Jungs... Passt immer auf, was hinter euch vor sich geht...
Das könnte euch unter Umständen das Leben retten." Ich sah jedem von ihnen in die Augen und sie nickten ernsthaft. Ich schickte Howie zu einer der Puppen hinüber, die er mit der Axt bearbeiten sollte. Ich fragte mich, ob es nicht vielleicht besser wäre, sie mit stumpfen Übungswaffen aus Holz arbeiten zu lassen, aber dafür fehlte einfach die Zeit. Sie mussten sich an Gewicht und Handhabung gewöhnen, sonst konnte das tödlich enden. Brian war als nächster dran. Wie fast alle Jungs und Mädchen hatte er in jungen Jahren Erfahrungen durch Stockfechten gesammelt, aber das bereitete nicht auf ein echtes Schwert vor. Ich zeigte ihm die Bewegungsabläufe und er ahmte sie nach. Es klappte ganz gut, aber auch bei ihm war der Stand nicht so sicher, wie ich es mir gewünscht hätte. Als ich einen Scheinangriff startete, mit dem Übungsschwert seine Klinge beiseite stieß und unter ihr durchtauchte, konnte ich ihn mühelos von den Beinen hebeln. Danach half ich ihm wieder hoch und er sammelte seinen Stolz und seine Waffe auf. "Sag mal, demoralisierst du uns absichtlich?" wollte er wissen. "Nein, ich bin nur um eure Sicherheit besorgt. Wenn ich euch auf den Boden befördere, schafft es der Dämon später vielleicht nicht. Nick, du bist dran." Ich winkte ihn näher und er kam, den Speer geschultert. Ich griff mir einen Stab, der zwischen den Übungswaffen stand, und ging in Position, Nick ebenfalls. Dann bedeutete ich ihm anzugreifen. Ich hätte erwartet, dass er den Anfängerfehler begehen und mich, die Speerspitze voran, attackieren würde. Aber er hielt den Speer mit beiden Händen vor der Brust und ließ das stumpfe Ende nach oben schnellen, um unter meine Deckung zu kommen, als er heran war. Ich konnte einem Schlag in den Bauch grade noch entgehen und wich zurück. Nick setzte allerdings nach und schlug mit dem stumpfen Ende erneut zu, diesmal von oben.
Mit einem Fluch schüttelte ich die schmerzende Hand, die er erwischt hatte. "Nicht übel, diese Tricks. Hast du noch mehr drauf?" Nick grinste. "Ich hab nicht umsonst so viele Kampfsportspiele für mein Nintendo..." Ach, daher wehte der Wind... Langsam begann ich zu glauben, dass Videospiele bildeten. Nick bot eine gute Figur, er schien die Waffe wirklich zu beherrschen und sein Gegenüber verprügeln zu können, ohne dass ihm selbst was passierte. Ich beendete die Runde und schickte ihn zur nächsten Übung, an die Puppen, die sich mit Seilzügen an der Decke durch den Raum bewegen ließen. Einen Moment lang dachte ich, er würde auch diesen Test meistern. Doch weil er zu selbstsicher war, stolperte er über eine Mattenkante und konnte sich, ehe er fiel, grade noch an den Stoff-Gegner hängen, um dann mit ihm durch den Raum zu sausen. Ich verdrehte die Augen und wandte mich dann AJ zu.
"Du hast die Armbrust gewählt, hast du schon mal mit einer geschossen?" Er zuckte mit den Schultern. Dann spannte er sie, legte einen Bolzen ein und zielte auf eine Puppe, die grade durch den Raum auf uns zukam. Es machte 'tschak' und 'plopp' und sie hatte den Bolzen genau da stecken, wo, wäre es ein Mensch gewesen, das Herz gesessen hätte. "Wow..." Ich war echt verblüfft. "Ich hab mal heimlich geübt. Du weißt schon, damals, als du ein Vampir warst. Nur für den Fall, dass die Freunde deiner Erschafferin bei uns auftauchen." Er schulterte die Waffe und deutete auf den Morgenstern. "Aber du kannst mir erklären, was man bei dem Ding beachten muss, wenn man keine Rüstung anhat..."
10. Kapitel
Saidas p.o.v.
Ich hörte wie die Jungs in den Trainingsraum in Keller gegangen waren.
Würden sie sich so auf den Dämon zu bewegen, würde er sie umbringen, bevor sie ihn gesehen hätten.
Aber vermutlich war ich einfach zu angespannt. Ich hatte mich in die Küche gesetzt. Das Teewasser kochte im Teekessel und meine Gedanken verflogen wie der Dampf.
Ich stand auf und stellte den Herd ab und goss das Wasser in die Tasse mit dem Teebeutel.
Ich schütte die Hälfte der vollen Zuckerdose dazu und rührte um.
Wieso gab es hier eigentlich keine Schokolade zufinden?
Ich setzte mich wieder an den Tisch und wärmte meine Hände an der Tasse.
Zwischen durch hörte ich Geräusche aus dem Keller.
War das eine gute Idee? schoss es mir durch den Kopf mit ihrer Stimme.
Das waren ihre Worte gewesen, bevor wir gingen.
Meine Mum war zu Hause geblieben. Felan lag mit Fieber im Bett.
Wieder sah ich die Bilder vor mir.
Wie er in mein Zimmer kam. Er lächelte und setzte sich auf mein Bett.
Er sah sich kurz um und stand dann wieder auf.
Mein Vater zögerte, bevor er es sagte. Die Worte auf die ich solange gewartet hatte.
Ich habe mit deiner Mutter geredet und wir sind darüber einig, dass du heute mit darfst. Er hob den Zeigefinger bevor ich reagierte.
Ich will dich nicht in der nähe von einem der Dämonen sehen. Du wirst nicht zu nah ran kommen und ich möchte, dass du auf mich hörst. Keine Diskussion wie bei anderen Dingen. Ich muss mich auf dich Verlassen können.
Meine Mum nahm mich in Arm und sagte mir immer wieder, ich sollte aufpassen und auf Dad hören.
Ich war starr vor Angst als wir in die Nähe des Dämons kamen. Mein Vater gab mir ein Zeichen und ich versteckte mich.
Sie kämpften gut. Ich war beeindruckt. Mit der Zeit verlor ich die Angst und traute mich aus meinem Versteck. Mein Dad sah mich böse an.
Er kam zwei Schritte auf mich zu und gab mir ein Zeichen, dass ich mich wieder verstecken sollte. Doch da war alles zu spät. Hinter ihm tauchte ein Dämon auf und ich hörte sein Schrei.
Zwei Tränen tropften in den Tee. Ich wusste wieso ich soviel Zucker brauchte.
Ich wischte mir mit den Handrücken übers Gesicht.
Ich sah vermutlich nicht viel schlimmer aus als vorher.
Den Tee trag ich mit einem Zug aus und stand auf.
Aus dem Kühlschrank nahm ich ein paar Flaschen Wasser und ging die Treppe zum Trainingsraum runter. Ich setzte mich auf die Stufen am Ende und stellte die Wasserflaschen neben mich. ....
Die Jungs um mich rum verschwammen mit der Zeit. Ich sah meine Mum wie sie starb.
Sie hatten alles versucht, aber ein gebrochendes Herz kann man nicht retten, sagten sie.
"Saida ...Saida!" rief jemand mich und langsam kerte ich in die Gegenwart zurück.
Kevin und Howie standen vor mit. Nick, AJ und Brian kämpften spaßeshalber mit ihren Waffen.
"Alles klar?" fragte Howie und sah mich besorgt an.
Ich nickte und hielt ihm die Wasserflasche hin.
"Klar ich war nur ..."
"Irgendwo anders?" beendete Kevin mein Satz.
Ich lächelte.
"Nun, ja. Und wie lange wollte ihr noch üben?" fragte ich nervös.
Ich hatte angst vor der Antwort und bereute es wieder mal ein Wort gesagt zu haben.
Aber nun war ich hier. Shannon schlief in ihrem Bett und wenn alles so Laufen würde wie geplant würde sie nicht wieder aufwachen.
Kevin, AJ und Howie packten ihre Waffen ins Auto, während Nick mit Brian in der Küche saß und noch schnell was aß.
Das Gefühl was in mir aufstieg kannte ich nur zu gut.
Diese Hilflosigkeit.
Wieder war ich die die hier saß und nichts tat. Die Jungs bemühten sich zu helfen wo sie konnten. Und ich saß hier in der Küche. Nicks gelabbere ging ins eine Ohr rein beim anderen wieder raus.
Brians Blick bemerkte ich doch ich wollte nicht drauf achten.
Kevin kam in die Küche.
Nick wenn du dann gegessen hast können wir.
Nick sah ihn entsetzt an und verschluckte sich fast an seinem Sandwich.
Jetzt? fragte er nervös.
Kevin schüttelte den Kopf und ging wieder.
Brian sah Nick an und lachte ebenfalls.
Du weißt du musst nicht mir. sagte er.
Doch, doch ich will den Dämon killen. antwortete Nick und sah mich an.
Wir sind doch dazu da die Hilflosen zu beschützen und die Welt vom Bösen zu befreien. Wir sind die Super Backs. Nick stand entschlossen auf und klopfte sich die Krümel vom T-Shirt.
Die Super Backs? Darüber müssen wir aber noch mal reden. beschwerte sich Brian während er Nick nach draußen folgte. In der Tür drehte er sich noch mal um.
Die Super Backs werden das schon schaffen. Er lächelte mich an und verschwand um die Ecke.
Langsam stand ich auf und ging zur Tür. AJ, Howie, Nick und Brian standen am Auto und diskutierten heftig. Kevin kam die Treppe runter und bleib neben mir stehen.
Worüber diskutieren sie? fragte er mich.
Ich sah ihn kurz an. Über die Super Backs. ich schmunzelte, als er genervt den Kopf hängen ließ.
Ich habe Nick schon so oft gesagt, dass sich das albern anhört.
AJ entdeckte Kevin und rief nach ihm.
Kevin nickte und drehte sich zu mir.
Ich weiß, dass in deinem Kopf viel los ist. Aber auch wenn das hier nach einer Planlosen Aktion aussieht, wir wissen was wir tun. Ich verspreche dir wir kommen mit Felan zurück. Heil und Gesund. Kevin nahm mich in den Arm bevor er zu den Anderen ging.
Sie stiegen nacheinander ins Auto bis nur noch Howie an der Beifahrertür stand.
Er schaute mich kurz an und warf dann entschlossen die Tür zu und kam zu mir.
Ich wollte das eigentlich erst nachher machen, aber wenn ich jetzt eh schon mal nervös bin kann ich das auch jetzt machen. ...Gehst du mal mit mir aus?.... Du kannst es dir ja überlegen bis wir zurück sind. Genau so schnell wie er vor mir stand war er wieder beim Auto und stieg ein.
Ich weiß nicht wie lange ich da stand. Ich hatte mich an die Wand gegenüber des Bettes gelehnt. Shannon lag im Bett. Mit meinen Fingern spielte ich am Dolch. Ich hatte ihn im Trainingsraum gesehen. Er war was besonderes das sah ich sofort. Die Verziehung erinnerten mich an ein Schwert was mein Vater besessen hatte. Seitdem Moment hatte ich überlegt was er getan hätte? Er hätte für Felan vermutlich jeden Getötet egal ob gut oder böse.
Und auf ein Haufen ungeübter Kerle hätte er sich erst recht nicht verlassen.
Du weißt was du jetzt tun musst... drang die Stimme des Dämons in mein Kopf.
Ich stieß mich von der Wand ab und ging auf sie zu.
Ich hatte Felans Leben diesen Kerlen überlassen, doch in mir glaubte ich nicht daran, dass sie es schaffen würden.
Ich hatte meine Mutter sterben sehen, nachdem Tod meines Vaters. Shannon und Kevin liebten sich eben so. Sie würde nicht leben können ohne ihn. Und ihn hatte ich in den Sicheren Tod geschickt.
Ich sah wie ihre Brust sich hob und sank. Sie atmete ruhig. Doch das würde bald ein Ende haben.
Ich beobachtete wie das Auto sehr schwungvoll um die Ecke raste. Kaum das es stand sprang Kevin schon raus und rannte zum Haus. Ich beobachtet wie AJ und Nick hinterher rannten. Brian stieg langsam aus auf seinem Arm trug er Felan. Er war in eine Decke gewickelt und ich sah nur sein Arm. Aber ich wusste das es ihm gut ging.
Als letzte stieg Howie aus. Er sah sich um und schien Angst davor zu haben was drinnen geschah.
Es tut mir leid. sagte ich leise als ich hinter ihm stand.
Er drehte sich um.
Ich dachte ich hätte ne ganz gute Menschenkenntnis und dann erzählt mir ein Dämon, dass du die Frau meines Freundes getötet hättest.
Ich sah zu Boden.
Saida sag mir, dass sie lebt. Sag mir, dass ich keine Angst haben muss darein zugehen.
Mein Vater sagte immer, dass es besser war Angst zu besiegen als vor ihr davon zulaufen.
Ich lief nun davon. Die Straße lang bis nichts mehr vor mir lag als die weite Welt.
wie es weiter geht erfahrt ihr auf shannons seite link ist oben in text
