Etwas verspätet, aber ich hoffe trotzdem schön.
Weihnachtsengel
Es war Mitte Dezember, die letzten Sonnenstrahlen des Jahres bahnten sich ihren Weg zur Erde und ließen die weiße Schneedecke glitzern. Am strahlendblauen Himmel zeichneten sich zarte Wölkchen ab und machte den traumhaften Anblick komplett.
Doch hinter all dieser Idylle herrschte bereits hektisches Treiben.
Amy tapste mit ihren nackten Füßen über die dicke Wolkendecke, während sie versuchte zahlreiche Pakete auf ihren Armen auszubalancieren. Zufrieden ließ sie diese schließlich auf einen großen Stapel fallen, auf dem sich bereits ein Wirrwarr aus buntem Papier, Schleifen und Grußbotschaften türmte.
Verzweifelt warf sie die Arme in die Luft. Es waren nur noch wenige Tage bis zum Weihnachtsfest und bis dahin galt es Wunschlisten abzuarbeiten, Geschenke einzupacken, Plätzchen zubacken und all diese Liebeswürdigkeiten auch noch zu den wartenden Kindern zubringen.
Sie seufzte schwer, raffte die Schultern und machte sich daran weitere Geschenke zusammen zutragen.
Auch Lucy fiel es bereits schwer sich zu motivieren und auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Auf dem Tisch vor ihr stapelten sich Wunschzettel, lange Listen und herzzerreißende Briefe an den Weihnachtsmann. Diese galt es nun zu lesen, die Wünsche weiterzugeben und im Anschluss wohl noch eine Antwort zu verfassen.
Der süße Duft von frischen Plätzchen, Lebkuchen und allerlei anderen Leckereien ließ sie inne halten. Es musste ihr doch erlaubt sein, mal eine kurze Pause einzulegen.
Langsam tapste sie über den weichen Boden und durchquerte nach wenigen Metern die Himmelspforte. Hier war es kaum mehr zu übersehn, dass Weihnachten bevorstand. Geschäftig liefen zahlreiche Engel umher. Trugen Puppen, Teddys und weiteres Kinderspielzeug beisammen. Andere sammelten Papier und bunte Bänder.
Lucy schob sich an ihnen vorbei direkt in die Backstube. Mehlstaub lag in der Luft und Hitze durchflutete den Raum. Zahlreiche Eierschalen bedeckten den Boden und brachten sie zum Schmunzeln. Kleine Engel liefen umher. Ein Klingeln ertönte und verkündete, dass die nächsten Plätzchen fertig waren.
Langsam erkundete sie den Raum und schob sich eine Süßigkeit nach der Anderen in den Mund. Naschte von Pralinen und Bonbons, bevor sich eine dampfende Tasse Kakao in ihren Händen wiederfand. Zufrieden glitt sie auf den Boden herab und ließ sich auf einem Bett aus zarten Federn und weichen Stoffen nieder, bis ihr die Augen zu fielen.
Lucy wach auf!. Lucys Schlaf wurde unsanft beendet, als sie Jemand kräftig an den Schultern zu rütteln begann. Unendlich langsam öffnete sie ihre Augenlider und erblickte eine männliche Gestalt. Er war sicherlich mehr als doppelt so alt wie sie, seine Haut zeigte einige zarte Falten und das weiße, krause Haar bedeckte fast sein ganzes Gesicht. Hallo Lucy., ihre Blicke trafen sich, während sie innerlich erschauderte. Ihre Stimme zitterte, als sie zu sprechen begann: Herr im Himmel. Bist du der Weihnachtsmann?. Ein herzliches Lachen erklang aus der Kehle des Mannes: Ja, Lucy, für die Meisten bin ich der Weihnachtsmann und genau aus diesem Grund bin ich auch hier. Ich als Weihnachtsmann brauche heute Nacht deine Hilfe. Meine Hilfe?, flüsterte Lucy überrascht. Es ist Weihnachten und die Kinder warten auf ihre Geschenke. Weihnachten?, sprach sie ungläubig. Solange hab ich geschlafen...?, verlegen kaute sie auf der Unterlippe. Sie hatte die Anderen im Stich gelassen, doch für ihr schlechtes Gewissen blieb jetzt nur wenig Zeit. Komm, wir müssen uns beeilen., er reichte ihr die Hand, um ihr hoch zu helfen und gemeinsam schritten sie durch die Himmelspforte und bestiegen den Schlitten.
Rehntiere wirrten und das leise Läuten von Glöckchen erklang, als der Schlitten sich in die Nacht erhob. Der kalte Wind ließ sie frieren, doch schnell begann sie dies zu vergessen. Spannung durchflutete ihren Körper, als die ersten Häuser unter ihnen auftauchten und stetig näher zukommen schienen.
Sicher kamen sie auf dem Dach eines kleinen Familienhauses zum Stehen. Bevor sie langsam den Schornstein hinabstiegen und sich im Wohnzimmer des Hauses wiederfanden. Der prachtvolle Baum nahm einen Großteil des Raumes ein und erstrahlte in einem warmen Licht aus Kerzen und bunten Kugeln. Auf dem Kamin befanden sich zahlreiche Bilder der Familie, die sofort Lucys Aufmerksamkeit erweckten. Ein kleiner Junge, mit blondem Haar und leuchtend blauen Augen lächelte ihr fröhlich entgegen. Er konnte nicht viel älter, als 5 Jahre sein und die bestickten Socken am Kamin verrieten schließlich seinen Namen Jason.
Lucy, wir müssen weiter., die raue Stimme des Mannes riss sie aus ihrer Gedankenwelt. Schließlich verließen sie das Haus und setzten ihren Weg über die Dächer der Erde fort. Zahlreiche Kinder beschenkten sie in dieser Nacht, auf ähnliche Weise, wie den kleinen Jason. Bevor sie im Morgengrauen erschöpft zum Himmel zurückkehrten.
Alle Geschenke waren vergeben und nur zu gern hätte Lucy das Strahlen der Kinder gesehen, wenn sie diese am Morgen erblicken würden.
Lucy!. Sie schreckte förmlich hoch und straffte die steifgewordenen Knochen. Direkt über ihr erblickte sie Amy, die die Arme vor der Brust verschränkt hatte und ihr strafende Blicke zuwarf. Sag mal, wir schuften hier, während du ein Nickerchen machst., ihre Wut war kaum zu überhören. Aber..., begann Lucy zaghaft, bevor Amy ihr das Wort abschnitt: Nichts aber und jetzt komm. Die Geschenke packen sich schließlich nicht von alleine.
Amy verschwand aus Lucys Blickfeld. Diese schaute ihr zunächst verwirrt nach, bevor sie sich erhob und folgte.
Schwerfällig ließ sie sich auf ihrem Platz nieder und nahm einen neuen Brief von dem Stapel, der sich vor ihr befand. Mit viel Mühe hatte Jemand versucht die Zeilen vor ihr zu vervollständigen. Wörter und Zeichnungen wechselten sich dabei ab. Ein Lächeln ummalte Lucys Lippen, bevor sie zu lesen begann. Hierbei notierte sie die Wünsche des Kindes und legte den Brief schließlich mit zu den Antworten. Sie hielt inne und überprüfte ihre Notizen. Natürlich, der Name fehlte noch. Was war heute nur los mit ihr? Erneut nahm sie den Brief zur Hand und ließ den Blick zum unteren Rand wandern.
Die roten Buchstaben begannen vor ihren Augen zu tanzen. Doch wie oft sie den Brief auch drehte und wendete es blieben die Gleichen: Jason
Merry Christmas 2005
"Genieße deine Fehler und Schwächen. Denn ohne sie wärst du zwar perfekt, aber kein Mensch mehr."

