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San Franzisko, 23.03.1999
Ein eisiger Wind ließ sie in ihrem dünnen Abendkleid frieren. Vor ihr peitschten die Weiten des Pazifiks und hinter ihr stand die erdrückende Last ihres noch so jungen Lebens.
Wie sie auf diese Brücke gekommen war, wusste sie inzwischen nicht mehr. Doch ihr eisener Entschluss, allem Hier und Jetzt ein Ende zumachen, verstärkte sich zunehmens in ihr.
Ein weiterer Schritt an das Brückengeländer ließ ihren Körper zittern. Es brauchte einige Versuche, ehe sie es schließlich in ihrem Kleid über das letzte Geländer geschafft hatte. Die Brüstung im Rücken und ihre Hände um das kalte Metall geschlungen, blickte sie nochmals auf die stürmischen Fluten unter ihr. Sie sehnte sich nach Freiheit und Zufriedenheit und dies war für sie die letzte Möglichkeit. Bereit loszulassen schloss sie die Augen, lehnte ihr Gewicht nach vorn...
Zielstrebig bog er auf den Freeway, Richtung Golden Gate Bridge, ein. Seine Uhr zeigte bereits weit nach Mitternacht. Solange wollte er eigentlich nicht auf der Party bleiben. Doch wenn es ihm und der Gruppe zu mehr Ruhm und Erfolg in den USA verhelfen sollte, nahm er dies gern in Kauf. Doch nun war es eindeutig zu spät, den Rückweg nach L.A. anzutreten. Also entschloss er sich nach einem Hotel zusuchen. Ein kurzer Blick auf den Beifahrersitz verriet ihm, dass seine Freundin noch immer friedlich schlief.
In der Ferne sah er bereits die riesigen Brückenfeiler in den Himmel ragen. Zu dieser späten Uhrzeit waren die Straßen fast leer und somit kam er gut voran. Schließlich erreichte er die Mautstation am Fuße der Brücke. Er verlangsamte sein Tempo und brachte den Jeep an einem kleinen umscheinbaren Holzhäuschen zum stehen und stieg aus. Doch weit und breit, gab es nur ihn und die Dunkelheit der Nacht. Verwundert blickte er sich nochmals um, krammte in seinem Geldbeutel und legte 5 Dollar auf den unbesetzten Tresen der kleinen Hütte. Zufrieden mit sich und der Welt, aber noch immer etwas verwundert stieg er wieder in den Wagen und setzte seine Fahrt fort. Nach etwa 2,5km sah er bereits die Stadt und somit das Ende der Brücke näherkommen und sehnte sich nur noch, nach einer ausgibigen Dusche und einem bequemen Bett.
Er richtet den Blick mehrfalls zur Seite. Von hieraus konnte man weit hinaus auf den Pazifik blicken und dieser Anblick faszinierte ihn einfach zusehr, als dass er sich hunderprozentig auf die Straße konzentrieren könnte. Plötzlich trat er in die Eisen und der Wagen kam erprupt zum stehen. Neben ihm hört er bereits leises Gemurmel, da seine Freundin durch den ungeplante Halt unsaft aus dem Schlaf gerissen worden war. Doch dies beachtete er momentan gar nicht. Er setzt den Wagen hundert Meter zurück und stellte den Motor ab. Er traute seinen Augen kaum.
Am Brückengeländer stand ein Mädchen. Sie war jung, sogar sehr jung und sicherlich nicht viel älter als 15. Nicht mal mehr ein Fußbreit lag zwischen ihr und dem Abgrund. Nur noch ihre zierlichen Finger, die das Geländer umschlossen hatten, bewarten sie vor dem Fall. Ohne auch nur einen Gedanken zu verschwenden stieg er aus und ging langsam und äußerst zögerlich in ihre Richtung.
In ihr tobte es. Sie stand jetzt sicherlich schon mehr als 10 Minuten hier, bereit sich in die Tiefen zu stürzen. Doch irgendetwas in ihr weigerte sich, das sichere Geländer loszulassen.
Sie wog jede Möglichkeit ab. Sollte sie einfach umdrehen, zurück nach L.A. fahren und so tun als hätte es diese Nacht nie gegeben. Aber dann müsste sie weiter dieses Leben leben, dass sie so sehr hasste. Ein Leben im goldenen Käfig, nach den Vorstellungen ihrer Granny war es einfach nur der perfekte Traum. Doch für sie war es der Albtraum. Sie flog von einer Modenschau zur nächsten. Hier ein paar kurze Photoaufnahmen und da ein Interview. Imgrunde liebte sie ihre Großmutter überalles, doch sie war einfach nicht mehr in der Lage für dieses Leben. Sie wollte endlich ein ganz normaler Teenager sein, der nicht ständig umher reiste, eine einfache Schule besuchte und nachmittags mit den Freundinnen durch die Läden L.A.'s zog.
Sie merkte nicht, wie er näher kam. Er musste etwa Mitte zwanzig sein, vielleicht aber auch schon älter. Seine gutgebräunte Haut und das dunkle Haar, wirkten in Kombination zu seinem schwarzen Hemd äußerst sexy und hatten sicherlich schon so mache Frau schwach gemacht. Durch die schwere Lederjacke ließ sich sein muskulös gebauter Körper nur erahnen. Doch seine strahlend grünen Augen sprachen Bände. Sie weckten Vertrauen und spiegelten Zuversicht wieder. Doch momentan zeigte sich in ihnen die pure Angst und ein Hauch von Unsicherheit. Etwa einen halben Meter hinter ihr blieb er stehen. Er brauchte nur seinen Arm auszustrecken, um sie zu berühren. Doch sie in diesem Augenblick zu erschrecken war das Letzte was er wollte.
Sie konnte seine Anwesenheit spüren, doch sich umzudrehen wagte sie nicht. Zu groß war die Angst. Er könnte ein Cop oder ähnliches sein. Doch im Grunde war das nun auch egal. Sie würde nicht mehr zurückgehen. Sie würden springen, das hatte sie sich fest in den Kopf gesetzt. Wäre er nur nicht gewesen und hätte sich in alles eingemischt. Verdammt, warum hat er nicht einfach die Klappe gehalten...
"Meinst du, es würde irgendjemanden etwas bringen, wenn du das hier tust?" , sein Stimme zitterte. "Ja, mir wird es etwas bringen. Also, lass mich in Ruhe und verschwinde." , sie selbst wusste nicht, woher sie plötzlich diese Sicherheit hatte. Doch sie wusste auch, dass er nicht einfach gehen würde. "Ich würde nur ungern dabei zusehn, wie du dich hier herunter stürzt. Zudem das Wasser um diese Jahreszeit verdammt kalt ist." , er machte einen Schritt in ihre Richtung. Was sie allerdings zusehens in Panik versetzte. "Komm mir nicht zunahe!" , schrie sie ihm entgegen und hatte sichtlich Problem sich weiterhin festzuhalten. "Du wirst mich nicht abhalten. Ich zieh das jetzt durch und du kannst nichts tun." , sturr richtete sie ihren Blick wieder in die Ferne.
Doch wusste sie genau, dass es nun um einiges schwerer geworden war, dass hier zutun, als es eh schon war. Er wirkt verunsichert. Was sollte er auch tun, einfach wieder umzudrehn, daran wollte er keinen Gedanken verschwenden. Er fühlte sich bereits verantwortlich für dieses Mädchen und er wollte ihr helfen, was auch immer das bedeutete.
Ein weiterer Schritt, ließ ihn nun direkt hinter ihr stehen. Sie konnte seinen Atem bereits in Nacken spüren, doch sie fühlte sich machtlos. "Ich möchte dir gern versuchen zuhelfen, nur müsstest du dazu wohl erstmal über die Brüstung steigen." "Helfen!" , sie schnaubte kurz. "Und wie sieht diese Hilfe aus? Du wirst mich nach Hause bringen und danach höre ich nie wieder etwas von dir. Nein, mit mir nicht." , sie zitterte am ganzen Körper. Er war verzweifelt, was sollte er auch tun, um sie zu überzeugen. Doch er nahm abermals seinen Mut zusammen und ergriff ihre Hände. Gerade im richtigen Augenblick, denn durch einen unbedachten Moment, machte sie einen Schritt nach vorn und verlor das Gleichgewicht. Mit einem Arm umschloss er ihre Taile und bewahrte sie somit vor dem Sturz in die Tiefe. Sie klammerte sich an ihn und schließlich zog er sie zurück über die Brüstung.
Beide stürzten zu Boden, völlig aufgelöst kauerte sie sich zusammen. Schlang die Arme um die angezogenen Beine und drückte ihren Rücken an das sichere Geländer. Außer einem leisen Schluchzen war es vollkommen still. Bis die Wagentür aufgerissen wurde und eine junge, blonde Frau auf die Beiden zugestürmt kam. "Um Himmelswillen, Kevin. Ist dir etwas passiert.?" Er nahm sanft ihre Hand in seine und versuchte sie zu beruhigen, "Mach dir keine Sorgen, mir geht es gut." Ihre Lippen berührten sich, und ließen die Umgebung um sie herum nur noch verschwommen wirken, bis er sich wieder dem Mädchen zuwand.
Ihr Körpert zitterte unkontrolliert, er zog seine Jacke aus und legte sie ihr um die Schultern. Bei dieser flüchtigen Berührung zuckte sie merklich zusammen und er hatte alle Mühe überhaupt zu ihr durchzudringen. "Shhh, alles ist gut. Du musst keine Angst haben." vorsichtig rückte er an sie heran und nahm sie in den Arm. Zunächst versteifte sie sich noch und wurde nur allmählich wieder lockerer. Schließlich aber barg sie ihren Kopf an seine Schulter und genoss das Gefühl von Geborgenheit. Nach einer Weile versiegten ihre Tränen.
"Kevin?" Kristin stupste ihn sanft in die Seite. "Wir können nicht hier bleiben, lass uns weiterfahren." Kristin wirkte nervös, ihr war diese ganze Situation äußerst unangenehm. "Aber wir können sie nicht hierlassen." Er wand sich wieder dem Mädchen zu, "Was hälst du davon, wenn du erstmal mit uns kommst." Sie blickte in seine Augen auf, ihr war das Ganze hier überhaupt nicht geheuer. "Ich kenn euch doch gar nicht, da könnte ja jeder kommen." murmelte sie leise vor sich hin. "Oh, das können wir ändern. Ich bin Kevin und das ist meine Freundin Kristin." , dabei zeigte er auf die junge Frau, die noch immer neben ihm kniete. "Und wie heißt du?" , es blieb still. "Weißt du, wir können dich nicht zwingen mit uns zukommen, aber wir würden uns wirklich sehr darüber freuen." , es frustrierte ihn, wieder keine Reaktion von ihr zu bekommen. Dennoch hatte Kristin recht, sie mussten weiter. Er seufzte tief, zog eine Visitenkarte aus seinem Geldbeutel und legte sie auf die kalte Fahrbahn. "Wenn du es dir vielleicht anders überlegst, kannst du mich unter der Nummer jederzeit erreichen." Sie beachtete ihn gar nicht mehr. Enttäuscht senkte er langsam den Kopf und erhob sich schwerfällig. Als er auch Kristin hochgeholfen hatte, warf er nochmals einen letzten Blick auf die kleine Gestalt, die noch immer leicht verstört in der Ecke kauerte. Er konnte sie nicht zwingen, das sagte er sich immer wieder, bevor er sich zum Gehen wand.
Als er ihr den Rücken zugewand hatte. Hob sie das Stück Papier auf und betrachtete es interessiert. "Kevin Scott Richardson" prankte darauf in geschwungener Schrift. Darunter eine Adresse in L.A. und zwei Telefonnummern. Wer auch immer er war, er durfte jetzt nicht gehen.
Panik überkam sie, sie würde wieder allein sein. Allein mit sich selbst und der Dunkelheit. Er hatte den Wagen fast erreicht, als er ihr zaghaftes Flüstern hört. "Sam." Schnell war er wieder bei ihr und nahm ihre Hände in seine. Sie zuckte merklich zusammen, ließ seine Berührungen jedoch zu. Sie wirkte verängstigt, sprach aber erneut zu ihm, "Sam... ich heiße Sam." "Ein wunderschöner Name." ein leichtes Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht. "Also Sam, was hälst du davon, erstmal mit uns zukommen, ein schönes Hotelzimmer ist sicherlich um einiges bequemer, als dieser harte Asphalt." er wirkte zuversichtlich und er wollte dies nur zugern mit ihr teilen.
In ihrem Kopf arbeitete es. Hatte sie denn eine andere Wahl? Jetzt allein auf dieser Brücke gelassen zu werden, machte ihr mehr Angst, als in das Auto zweier Fremder zu steigen. Morgen konnte sie immernoch entscheiden, wie es weitergehn sollte, aber für heute war sie einfach nur schrecklich müde. Also nickte sie einfach nur, was Kevin ein breites Lächeln ins Gesicht zauberte. Es war ein erster Sieg, wenn auch nur knapp, aber er hatte sie dochnoch überzeugen können.
Gemeinsam stiegen sie ins Auto, Kristin wirkte bei all dem nicht wirklich glücklich, aber wie hätte sie ihm seinen Wunsch auch abschlagen sollen. Der Wagen setzte sich in Bewegung und bevor sie auch nur das Ende der Brücke erreicht hatten, war Sam bereits auf dem Rücksitz eingeschlafen.
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"Alles Gute im Leben ist entweder ungesetzlich, unmoralisch, oder es macht dick."
"Genieße deine Fehler und Schwächen. Denn ohne sie wärst du zwar perfekt, aber kein Mensch mehr."
"Genieße das Leben ständig, denn du wirst mehr tot sein, als lebendig."

Vielleicht springt sie ja doch und wird von jemandem aus dem Wasser gefischt? Sie könnte ja vielleicht auch ihr Gedächtnis verlieren? Vergisst ihr ganzes vorheriges Leben, in dem sich ein dunkles Geheimnis verbirgt

