Hallo,

das ist meine Fanfiction, die auch als Buch in Deutschland, Österreich und in der Schweiz veröffentlicht wird.

Inhaltsangabe: Eine Reise in die kranke Psyche einer jungen Frau: Angel hat unter ihrer Familie stark zu leiden. Die ambivalente Beziehung zu ihrem Vater, einem Alkoholiker, und ihrer Mutter, einer hysterischen pedantischen Neurotikerin, lässt ein Wechselbad der Gefühle, von Liebe und Hass, aufkommen. Angel bleibt nur ein Weg, um den alltäglichen Terror durchzustehen - die Flucht in eine andere Welt- eine Fanfictionwelt, in der sie ihre fanatische Sucht nach ihrer Lieblingsband stillen kann. Den Boden zur Realität verloren, landet sie in einem Sumpf von autoaggressiven Neigungen, sexuellen Abhängigkeiten und dem unermüdlichen Streben nach mehr.


P. S. Last euch nicht verunsichern, habe Namen der Bandmitglieder aus rechtlichen Gründen verändert. Ist aber nicht allzu schwer, zu erraten, wer für Tom, Duke, Bryan- Alex und Ben stehtimage

Und nun nehme ich mir die Freiheit und werfe euch ins Geschehen...

Das Meet and Greet

Das Leben ohne jegliches Zeichen von Andrea war ungewohnt. Die Tatsache, dass Angel sie so vermisste, war wohl darauf zurückzuführen, dass Angel sich immer ins Bewusstsein rückte, dass sie Andrea nie wieder sehen würde. Doch Angel wusste auch, dass es so besser war. Denn bei einer Begegnung mit ihr nach diesem Streit würden sich höchstwahrscheinlich ihre Eingeweide verkrampfen. An den Auszug Eddies gewöhnte sich Angel viel leichter. Er rief gelegentlich an und hatte so den Kontakt zur Familie anders als sein Stiefvater abgebrochen. Es war in Ordnung so. Er hatte sich hier nicht mehr glücklich gefühlt und war nun seinen eigenen Weg gegangen. Angel akzeptierte seine Entscheidung. Der Grund dafür, dass sie Andrea nicht gehen lassen konnte, war wohl, dass sie die letzten Anschuldigungen Andreas gegenüber ihr, plagten und Angel sich Vorwürfe machte mit dem ständigen Hintergedanken, Andrea hätte doch Recht haben können. So vergingen die Wochen, eine gleich wie die andere- In Angel kamen einerseits Zweifel auf, was ihren Lebensstil betraf, weil er nicht den meisten Normen, die andere aufstellten, entsprach, wie ein glückliches Leben auszusehen hatte. Vielleicht forderte sie wirklich zu wenig von sich, vielleicht waren ihre Ziele nicht hoch genug gesteckt? Diese Wochen waren von ernsten Anzeichen einer langwierigen Kriese in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gekennzeichnet. Wäre nicht das passiert, was eines Nachmittags eintraf, wäre sie wohl früher oder später in Depressionen verfallen.

Angel fuhr wie immer mit dem Schulbus nach Hause, d.h. zur Wohnung der Schönbergs. Es war ein langweiliger, normaler Schultag, der jede Menge Hausübungen versprach, gewesen. Es war wie immer, wenn der Bus bei der Haltestelle hielt, Rot an der Kreuzung. Die Ampel sprang wie gewöhnlich nach einiger Zeit auf Grün und die Einbieger missachteten wie immer die Regel, Fußgängern den Vorrang zu lassen. Angel öffnete wie immer, bei der Wohnung angekommen, den Postkasten, um die Briefe mit hinauf zu nehmen, bevor sie die Haustür aufschloss. Doch beim Durchsehen sprang ihr sofort ein Brief ins Auge, der an sie adressiert war. Das kam sehr selten vor. Sie sperrte die Haustür auf und als sie beim Treppensteigen las, wer den Brief geschrieben hatte, überkam ihr kurz das Gefühl, sie müsste hyperventilieren und auf der Stelle umfallen. Mit zittrigen Fingern riss sie das Kuvert auf. Sie entfaltete den Brief und sah ihn hastig durch. Um sicher zu gehen, dass ihre Augen ihr keinen Streich spielten, las sie ihn nochmals sorgfältig durch. Sie hielt sich mit klopfenden Herzen am Treppengelände fest.

Liebe Gewinnerin! Wir freuen uns, dir mitteilen zu dürfen, dass du bei der Verlosung von 2 x 2 Karten für ein Meet and Greet mit den Ocean Guys gezogen wurdest. Somit bist du eine der wenigen Glücklichen, die die Boys hautnah erleben darf. Wir laden dich und deine(n) persönlich gewählte(n) Begleiter(in) zu einem exklusiven Meet and Greet mit den Ocean Guys in Köln ein. Dieses Erlebnis verursacht dir keinerlei Kosten!
Folgende Leistungen sind inkludiert: - 2 x Hinflug am 26.März 2002 am Flughafen deiner nächstliegenden Stadt.
- 2 Karten für dich und deine(n) Begleiter(in) zum Meet and Greet mit den Ocean Guys.
- 2 x Übernachtung plus Frühstück im 5 Sterne Hotel Hilton, in dem auch die Boys übernachten werden! - Ein Taschengeld von 40 Euro zur freien Verfügung
- Zutritt zur Pressekonferenz der Boys
- 2 x Rückflug zum Flughafen deines Heimatortes am 27. März.
- Steuern und Flughafentaxen

Die Flugtickets, Hotelvoutcher und Pässe zum Meet and Greet werden spätestens Ende der nächsten Woche in deinem Postkasten sein. Bei fragen und Wünschen wende dich an unsere Hotline 0800/0046 868765

Angel war sprachlos. Sie schrie ein lautes "Juhuuuuu!!!!!!!" aus, das selbst die Mitbewohner im ganzen Haus hören mussten und stürmte in die Wohnung.

Nun war der mit Sehnsüchten erwartete Tag gekommen. Angel hatte am Vorabend kaum ein Auge zugemacht vor Aufregung. Doch man sah es ihr nicht wirklich an. Mit voller Zuversicht und Spannung auf das was kommen würde, stieg sie in das Flugzeug. Es war ihr aller erster Flug, doch der war es nicht, der ihr das Kribbeln in der Magengegend verursachte. Im Gegenteil, der Flug verlief völlig unspektakulär und nach einer guten halben Stunde hatte sie schon wieder sicheren Boden unter den Füßen. Am Flughafen dann wurde sie schon von einem Typen mit schwarzer Lederjacke und Sonnenbrillen erwartet, der ein Schild, auf dem ihr Nachnahme in großen Buchstaben stand, hielt, und sich suchend umblickte. Angel ging auf ihn zu und checkte erst jetzt, dass die zwei Mädchen, die die ganze Zeit neben dem Mann gestanden hatten, wohl die zweiten Gewinnerinnen waren. Bei den anderen beiden Mädchen handelte es sich um eine sechzehn- jährige Münchnerin, die ihre dreizehn- jährige Schwester mitgebracht hatte.
"Ich bin Angel Hartmann."
"Hallo, ich bin Bobbie und bringe euch zum Hotel der Jungs."
Er hatte freundliche blaue Augen (seine Sonnenbrillengläser waren durchsichtig) und schmutzig blondes gewuscheltes Haar. Auf Angel machte er sofort einen sympathischen Eindruck. Gleich würde sie die Fünf sehen, gleich würde sich ihr größter Lebenstraum erfüllen. Bobbie kratzte sich verschmitzt am Kinn, auf dem ein ungestümer Bart, ähnlich wie die wuscheligen Haare an seinem Kopf, wuchs. "Nervös he?"
Angel hörte sofort schuldbewusst und erschrocken, dass es man ihr so leicht anmerkte, mit dem hin und her wippen ihres rechten Fußes auf.
"Ohne Begleitung?"
"Ja."
"Hast du deinen Reisepass?"
"Ja." Angel sah verdutzt drein.
"Gut, dann zeig Mal."
Angel überreichte ihm ihren Pass und machte sich Gedanken über ihr hässliches Passfoto, das darin klebte.
"Okay, passt, lasst uns fahren."
Die Autofahrt schien genauso schnell zu vergehen wie der Hinflug. Der schwarze BMW hielt direkt vor einem dreizehn- stöckigen imposanten und schon von außen edlen aussehenden Hotel. Angel kam sich wie im Traum vor. Sie wurden bereits vor der Rezeption mit einem alkoholfreien Willkommensdrink empfangen. Eine voraussichtlich einstündige Pressekonferenz für 14:00 und das Meet and Greet für 16:00 wurden angekündigt. Bis dort hin war noch viel Zeit, doch Angel hatte keinen Kopf, sich den anderen beiden Mädchen anzuschließen und sich Köln anzusehen. Sie suchte lieber ihr Hotelzimmer im dreizehnten Stock werk auf und schlug sich mit dem Dilemma herum, ob sie besser den Jeansminirock mit dem gerafften Oberteil in Weiß oder die 7/8 Jeans mit Aufschlag und ein Leiberl mit der Aufschrift "NYC" anziehen sollte. Letztendlich und es war nur mehr eine knappe halbe Stunde bis zur Konferenz entschied sie sich für den verwaschenen Jeansrock in Ultra- Kurz mit dem figurenbetonten Spaghetti-Top. Sie ging zum hundertsten Mal auf das Klo, bevor sie schon Mal mit dem Lift hinunter fuhr, um an der Rezeption nach dem Konferenzraum zu fragen. Angel fand ihn trotz ihres "tollen" Orientierungssinns erstaunlicher Weise sehr schnell. Da sie die erste war, bekam sie beim Einlass relativ vorne einen Stehplatz und hatte einen guten Blick auf die fünf Boys. Nach dem die Reporter ihre Fragen gestellt hatten, hatten auch Fans, die von der, im Hilton stattfindenden, Pressekonferenz Wind bekommen hatten, und es irgendwie geschafft hatten VIP- Karten zu bekommen, die Möglichkeit Fragen zu stellen, die die Promis aber, natürlich nicht, wenn sie zu persönlich waren, beantworten brauchten. Angel nahm sich allen Mut zusammen und stellte eine Frage, die sie sehr beschäftigte: "Werdet ihr nach dieser Tour eine weitere CD aufnehmen?"
Tom beantwortete sie prompt mit einem Lächeln: "Nachdem wir eine kurze Pause gemacht haben, werden wir wieder gemeinsam ins Studio gehen, jeah."
Angel fiel ein Stein vom Herzen und erwiderte das Lächeln. Nachdem die zweite Gewinnerin wissen wollte, ob eine DVD von ihrer Europa Tour heraus kommen würde, und Duke geantwortet hatte, dass ein Video bei ihrem letzten Europa Konzert in London gedreht werden würde, wurde die Konferenz schließlich beendet. Angel verließ mit den anderen Leuten den Saal mit den Marmorfliesen, die so strahlend glänzten wie Angels Gesicht. Schwindelig, wie nach einem langen Kinofilm, ließ sich Angel mit der Menge nach draußen gleiten. Sie schwebte, sie schwebte schwerelos. Ihr Hirn war vernebelt, sie konnte keinen klaren Gedanken fassen. Wie betäubt drückte sie im Aufzug auf den Knopf, der sie in den dreizehnten Stock befördern würde, öffnete mit ihrer Karte ihre Zimmertür, warf sich auf das Bett, ließ sich alles nochmal durch den Kopf gehen und schlief ein. Als sie nach dem Nickerchen aufwachte, schreckte sie hysterisch hoch. Sie sah auf die Uhr- es war zwei Minuten vor Vier. Sie lief zu den Liften. Angels Herz raste. Sie würde sich verspäten. Doch sie hatte Glück. Ein Aufzug hielt schon bald bei ihr an. Sie stieg in die leere Kabine und drückte wild auf den Knopf mit der Null ein, als würde dies den Vorgang beschleunigen. Wieder war das Glück ausnahmsweise auf ihrer Seite- der Aufzug fuhr ohne, dass er in einem anderen Stock anhalten musste, zügig in das Parterre. Angel lief mit ihrem Meet and Greet Pass in der Hand zum Raum, in dem schon die Konferenz stattgefunden hatte, und in dem laut Auskunft der Rezeptionsdame, auch das Meet and Greet mit den Boys stattfinden würde. Erleichtert sah sie von weitem, dass die beiden blondhaarigen Mädchen auch noch vor dem Eingang standen. Mit klopfendem Herzen und außer Atem hechelte Angel: "Ich dachte ich komme zu spät."
Die ältere von den beiden sagte: "Nein, wir warten schon seit einer viertel Stunde hier, jetzt müssten sie eigentlich ja gleich kommen."
In diesem Augenblick kamen sie, begleitet von ihren fünf Body Guards, die alle grimmig dreinsahen. Die Boys quatschten irgend etwas, blödelten und betraten den Saal, ohne viel auf die Mädchen zu achten. Die Drei wollten ihnen gleich nach, der Mann, jedoch an der Tür, streckte den Arm aus und ließ sie nicht so durch. "Nicht so schnell! Habt ihr eure Ausweise dabei?"
Sie zeigten sie nacheinander brav her, öffneten nach Aufforderung ihre Taschen und Rucksäcke zur Kontrolle und wurden dann endlich eingelassen. Sie waren so nah. Oh Gott, sie waren zum greifen nah. Sie waren so real.
"Hallo, ich bin Ben, dass sind Bryan, Alex, Duke und Tom.", witzelte Ben, als müsste er das jeden erst erklären.
"Ich fragte mich schon, wer ihr seid.", gab Angel zurück.
Ben lachte.
"Ich bin Angel.", sagte Angel.
"Ich bin Jennifer", "Ich heiße Vanessa.", stellten sich die beiden Blondinnen vor. Sie bekamen alle Wangen Küsschen von den Boys zur Begrüßung. Bens Haut fühlte sich unglaublich glatt an und er roch gut nach Parfüm. Angel hätte ihn am liebsten zurück geküsst, ihn abgeschleckt, oder gebissen, was auch immer, um seine Haut an ihren Lippen nochmals zu spüren. Doch die grimmigen Gesichter mancher Securities hielten sie von dem Plan, der keiner war, ab. Nun kam noch eine ältere Frau in ihren Vierzigern, die sich als Linda vorstellte und ihnen anbot, bei Sprachschwierigkeiten das Deutsche ins Englisch zu dolmetschen. Angel beruhigte die Anwesenheit dieser Frau ungemein. Sie war nicht gerade die beste in Englisch und wenn ihr Satz mal keinen Sinn machte, konnte Linda ihr ja helfen und in richtig übersetzen. Zunächst ließen sich die drei Mädchen Autogramme geben, Angel war froh- dass sie von allen eines bekommen würde, hätte sie nie gedacht. Sie rollte das Miniposter mit den Unterschriften der Boys zusammen und steckte es wieder in den Rucksack. Nun trat eine kurze Schweigeminute ein, die Angel aber sehr lange vorkam. Aus dem Druck schnell etwas sagen zu müssen, fiel ihr nichts Gescheites ein, was sie sagen konnte. Sie hatte ein Black Out. Den beiden anderen Mädchen, die nur blöd grinsten, schien es ähnlich zu gehen. Wenigstens verdrückten sich jetzt die Securities in den Hintergrund.
"Sollen wir wieder gehen?", scherzte Tom.
"Oh mein Gott, bitte nicht!", flehten die zwei Mädchen und Angel gleichzeitig.
Alex warf Tom einen übertriebenen strengen Blick zu. "Sei nicht so böse, du bad boy!"
Tom lächelte amüsiert. "Wer ist hier das schwarze Schaf?"
Alex lachte: "Warum siehst du mich jetzt so an?"
"Ihr bringt die Mädchen ganz durcheinander.", mischte sich Bryan ein.
Angel musste herzhaft lachen. Die anderen Mädchen lachten auch, aber es klang gekünstelt. "Also ich bin wirklich froh euch zu sehen, aber es ist für mich alles so unwirklich und ich bin ja so aufgeregt.", sagte die sechzehn- Jährige.
"Ich bin auch total aufgeregt:", bekräftigte ihre jüngere Schwester.
Duke lächelte die Drei an: "Ihr braucht nicht aufgeregt sein."
"Wir beißen nicht.", sagte Alex.
Ben machte einen verschmitzten Ausdruck. "Doch Duke schon, er ist ein Vampir." (Duke hatte in ihrem letzten Music- Clip einen Vampir gespielt.)
"Außerdem ist kein Mädchen vor ihm sicher. Er ist unser Latin- Lover.", sagte Bryan ernsthaft. Dann prusteten alle in Lachen aus.
Duke meinte: "Die sind so blöd, vergesst sie, die Zwei sind immer so."
"Hast du eine Freundin Duke?", fragte Jennifer interessiert.
Gut, sie war also keine Ben Fanatikerin.
"Nein.", sagte Duke kleinlaut.
Jennifer musste grinsen, die anderen Boys bekamen es mit und lachten.
"Die anderen zwei Ladies stehen sicher auf mich.", sagte Alex selbstsicher.
"Nein, du bist ihnen viel zu böse.", sagte Tom.
"Okay, guys, lasst uns schauen, wer von uns den Rekord macht.", witzelte Bryan.
"Oh ja und wenn ich gewinne, müsst ihr meine Sachen aufräumen und mich bedienen.", sagte Ben, der gleich dabei war.
"Vergesst es, ich bin ihr Man. Ich bin großartig. Ich sieh gut aus, bin cool und bin heiß.", witzelte Alex arrogant.
Die dreizehn- Jährige holte ihn aus seinen Illusionen. "Ich bin Ben Fan."
"Ich wusste es.", sagte Ben.
"Das ist nur wegen des Altersunterschiedes, weil du der Jüngste bist.", sagte Alex. "Wer ist dein Favorit?", wandte er sich an Angel. "Ich stimmt' s?" Er versuchte Angel mit seinem Hundeblick zu betören.
Aber Angel schüttelte den Kopf. "Tut mir leid, ihr seid alle großartig, ich liebe aber Ben."
Ben lachte siegessicher.
"Wie kannst du mir das antun?", sagte Alex.
"Duke meinte: "Die kennen ihn noch nicht."
Ben wirkte verärgert, weil er sich vor den Fans rechtfertigen musste. "Warum, ich bin doch ganz normal."
Bryan brustete. "Total, Mann."
"Du bist verrückt.", sagte Alex zu Ben.
Der sagte: "Na und? Ich bin vielleicht crazy, aber du bist ein lunatic."
Alex nahm den Kampf auf. "Wenigstens bin ich nicht so peinlich wie du und lass mich in Boxer Shorts aus meinem Hotelzimmer hinaus sperren."
Ben errötete. Tom mischte sich nun ein, damit die Situation nicht vor den Fans eskalierte. "Kids, hört auf zu streiten, benehmt euch eurem Alter entsprechend."
"Okay, lass es uns gut sein, Bruder.", willigte Alex ein. Angel sah das als Signal, dass es für sie Zeit war. Das Blödeln mit den Boys war zwar amüsant, aber sie wollte endlich zeit für sich mit Ben haben. Sie konnte vor den anderen einfach nicht das aussprechen, was sie Ben sagen wollte. Sie musste erst Ben auf sich aufmerksam machen und dann weitersehen.
"Ben hast du das letzte Football Match gesehen?" Die Frage war gut, ja sehr gut, obwohl Angel keine Ahnung von American Football hatte. Doch sie erreichte, was sie bezweckt hatte. Die beiden Mädchen waren wie erwartet von diesem Thema nicht sehr interessiert und wandten sich ab. Jennifer verwickelte Duke in ein Gespräch. Und als Ben und Bryan ihr begeistert vom Match erzählten, bemerkte Angel, dass sich nun Tom und Alex liebevoll um die Jüngste, die alleine dagestanden hatte, kümmerten. Nun hatte sie es geschafft, sie hatte Ben für sich, na gut fast. Bryan störte sie nicht. Was wollte sie? Bryan war Bens bester Freund und sie pickten ja immer zusammen. "Ben, hast du eine Freundin?", platzte es aus Angel heraus. Ben blickte sie entgeistert an.
Zuerst wollte sie über Football quatschen, hörte aber scheinbar gar nicht zu. Wahrscheinlich hatte sie nicht einmal eine Ahnung von Football und wollte sich bloß wichtig machen, um bei ihm zu punkten. Sonst hätte sie die Frage nicht gestellt.
"Nein, hast du einen Freund?"
"Nein." Angels Herz sprang, obwohl seine Frage etwas ungehalten geklungen hatte. "Hattest du schon mal einen Fan als Freundin?"
"Nein, mh, nein noch nicht.", sagte Ben.
Angel strich sich eine Haarsträhne verlegen hinters Ohr. "Und kannst du dir vorstellen, dass ich, ich meine, dass du dich unter bestimmten Umständen in einen Fan verlieben könntest?
Immer dieselben Fragen. Fielen den Fans keine Besseren ein? Was erwarteten sie, selbst wenn er Fans keine Chance geben würde, würde er es ihnen nicht sagen.
"Klar, alles ist möglich."
Angel musste versuchen, sich ein Lächeln zu verkneifen.
"Hey, ich hab das Gefühl, ich störe.", sagte Bryan. "Nein, gar nicht.", sagte Angel. Sie musste aufhören mit diesen Fragen, bestimmt würden sie ihm bald auf den Wecker fallen. "Wie findet ihr Deutschland?"
"Super, wir waren hier schon oft und die deutschen Fans sind total nett. Wir lieben deutsche Fans!", schwärmte Bryan.
Angel schmunzelte. "Und Österreichische?"
Bryan lachte. "Oh, bist du etwa aus Österreich?"
"Ja!"
"Oh, die österreichischen Fans, die haben wir am liebsten."
Angel musste mitlachen. Bryan räusperte sich: "Nein, ehrlich Österreich ist schön. Die Berge und die Landschaft und so. Und Wien- Wien ist eine traumhafte Stadt."
Angel grinste ihn an und Bryan blickte ihr ebenso grinsend in die Augen.
"Oh ja. Ich liebe Sch- ni- tz- el.", sagte Ben. Angel musste über Bens Aussprache lachen.
"Hey, Bryan, Ben, bewegt eure Ärsche zum Gruppenfoto!", rief Alex.
Angel, Jennifer und Vanessa knipsten die fünf Boys, die sich in Pose geschmissen hatten.
Nun durfte man noch Einzelfotos mit seinem Fave gemeinsam machen. Bryan war so nett und knipste ein Foto von Angel und Ben. Dann schoss Ben ein Foto von Angel und Bryan drauf. Die Boys verabschiedeten sich und waren schon am gehen. Da rann Angel ihnen nach. "Ben! Ben! Warte!" Alle Fünf blieben stehen. Angel kramte eine halbe Ewigkeit in ihrem Rucksack herum. "Das ist für dich." Sie überreichte ihm einen Stoffhasen, der in einer Stoffwindel steckte, auf der das Wort "CRAZY" gestickt war. Unter der Stoffwindel war noch eine Pampers, die dafür sorgen sollte, dass das eigentliche Geschenk, ein Gedichtzettel und ein Silberring, auf dem "Happiness" eingeritzt war, nicht heraus fiel. Ben nahm es dankend. Angel kam alles wie im Traum vor. Die Zeit mit den fünf geilen Typen war toll gewesen, aber viel zu schnell vergangen. Angel wartete, wie viele andere Fans, die das Hotel belagerten, unten an der Bar auf Bryan, Duke, Alex, Ben und Tom. Doch nur Alex und Duke ließen sich kurz blicken. Sie wurden sofort von einer Gruppe aufgestilter Tussis umringt. Als Angel sich endlich eingestand, dass es keinen Sinn mehr machte, auf Ben zu warten, ging sie in ihr Hotelzimmer zurück. Sie wollte sich eigentlich schon schlafen legen- was sollte sie sonst tun?- aber Angel bekam kein Auge zu. Sie musste um und zu nachdenken, hatte ein schlechtes Gewissen, weil sie hier vergammelte und phantasierte Wunschträume, die wie sie wusste nie real werden könnten. Als sie schließlich so in der Dunkelheit im Bett lag, gab sie ihren Versuch, ein Auge zuzubekommen, auf. Sie schaltete das kleine Nachtlicht an, um zu sehen, wie spät es war. Es war knapp vor Zwölf. Es war besser hinunter zu gehen. Sie spürte es. Sie würde etwas verpassen, nur weil sie jetzt zu bequem war sich auf den Weg zu machen. Und sie würde es sich selbst ewig vorwerfen- sie musste hinunter gehen. Von diesem inneren Drang getrieben machte sie sich auf. Sie nahm den Fahrstuhl hinunter und strebte auf die Lobby zu. Doch als sie nur Dunkelheit hinter den verschlossenen Glastüren der Bar fand, die sich weit abgeschieden von dem beleuchteten Lobbyareal befand, musste sie sich eingestehen, dass sie aufgeben musste. Die Bar hatte schon geschlossen und vermutlich würde Ben entweder in einen anderen Club gegangen sein, oder er schlief schon längst in seinem Bett. Es herrschte gespenstische Stille, als wäre das Hotel ausgestorben. Hier war tote Hose, keine Spur von einem einzigen Fan, der darauf wartete, die Stars abzupassen, nichts- nada. Sie ging enttäuscht zu den vier Fahrstühlen zurück. Als sie merkte, dass eine der Türen sich gerade automatisch schloss, begann sie intuitiv zu rennen. Es war besser so diesen Aufzug zu nehmen, als hier nur noch eine einzige Minute länger zu warten. Sie spürte unbegründete, aber ernst zu nehmende Angst in sich. Sie hatte davor Angst, dass hinter ihr wer plötzlich auflauerte, vielleicht sogar einen Serienmörder. Die Flügeln hatten sich jetzt schon fast geschlossen, sie würde nicht mehr durch passen. Sie setzte zum Endspurt an und versuchte sich durch die nur mehr wenige Zentimeter weit voneinander entfernten Türen seitlich durch zu rangen. Sie wurde dabei eingezwängt, doch sie spürte keinen Schmerz. Als sie sich mit dem Oberkörper und dem linken Fuß im Aufzug befand, wusste sie es- sie würde es schaffen. Sie quetschte sich nun ganz in den Aufzug, dessen Türflügeln sich gleich darauf hin endgültig schlossen. Erst jetzt bemerkte Angel, dass sie nicht alleine war.
Ben stand in der hinteren Ecke des circa zwei, vielleicht zweieinhalb Quadratmeter großen Aufzuges und sah sie erstaunt an.
"Hi" quetschte Angel mühsam außer Atem hervor.
Ben nickte: "Hallo. In welchem Stock musst du?"
"In den dreizehnten Stock."
Er drückte den Knopf mit den Ziffern, dessen Rand sich augenblicklich rot verfärbte. Nun sah Angel auch, dass der Knopf mit der darunter liegenden Zahl rot umrandet war. Jetzt wusste sie wenigstens in welcher Etage er wohnte. Er hatte sein Zimmer nur einen einzigen Stock unter ihrem eigenen und sie hätte beinahe nichts davon erfahren.
"Schönes Hotel, nicht?"
Toller Einfall, Angel, wirklich geistreich, witzig und originell!
"Jeah, mmh." Ben steckte mit einer schnellen Bewegung, die seine Nervosität verriet, seine Hände in die Hosentaschen seiner Jeans.
Angel versuchte es erneut. "Warst du heute gar nicht mehr an der Bar?"
"Nein, hab mich lieber ausgespannt in meinem Zimmer und war jetzt eine Runde draußen in der frischen Luft.", sagte Ben.
Mist, es blinkte schon die Ziffer 9 auf. Sie musste etwas sagen, sonst war ihre Chance vertan. "Kannst du dich noch an mich erinnern? Ich war heute beim Meet and Greet dabei."
"Klar, du warst das mit dem Hasen. Du heißt Anni, nein Angelika, oder so, stimmt's?"
"Fast, ich heiße Angel. Gefällt es dir? Emm, ich meine das Geschenk."
Ben ließ ein wenig überzeugendes "Ja" von sich. Sonst nichts.
Plötzlich fing der Aufzug kurz an zu ruckeln und blieb mit einem ebenso plötzlichen Rütteln auf ein Mal stehen.
"Oh Gott! Was ist passiert?", entfuhr es Angel.
"Na was? Wir sind stecken geblieben.", schnaubte Ben.
Stecken geblieben mit Ben- besser konnte es nicht laufen. Ben sah eigentlich aber nicht so aus, als würde er das Ganze genießen. Er wirkte aufgebracht, geradezu hysterisch. "Oh mein Gott, wir brauchen Hilfe. Wir müssen Hilfe holen!"
Er rannte zur Tür und drückte den Notrufknopf. Schon nach wenigen Sekunden betätigte er ihn wieder. Sein Daumen wollte den Knopf gar nicht mehr loslassen. Angel konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. " Die kommen sicher bald."
Ben warf sich auf dieser verführerischen Weise eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht. "Na klar."
Angel- an die hintere Wand des Aufzugs, mit am Rücken verschränkten Händen als zusätzliche helfende Stütze, gepresst- grinste ihn verträumt an. Er sah so gut aus, sie könnte für ihn sterben.
"Scheiße, da kommt niemand." Ben bearbeitete wieder den Notrufknopf.
"Die können nicht fliegen." Angel grinste. "Wir können ja inzwischen ein Spiel machen. Ich bin eine berühmte Person und du musst erraten wer ich bin."
"Okay", sagte Ben.
Angel wartete. "Na du musst Fragen an mich stellen, die ich mit Ja oder Nein beantworte."
"Okay. Kommst du aus Amerika?"- "Nein."
"Aus Europa?"- "Ja." "
Aus England?" -"Nein."
"Aus Deutschland?"- Angel nickte.
Ben überlegte stirnrunzelnd, als würde es in seinem Kopf rattern. "Bist du ein Politiker?" Angel schüttelte den Kopf.- "Okay, bist du ein Sänger?" - "Nein."
"Ein Filmstar!"- "Ja."
"Oh nein, ich kenne gar keine deutschen Schauspieler.", sagte Ben.
"Bist du überhaupt ein Mann?" - Angel lachte. "Ja."
"Bist du jung?"- "Ja!"
Auf welchen deutschen Filmstar standen denn Teenies? Scheiße, eigentlich war es ihm ganz egal. Er saß hier fest und musste aufs WC.
" Hast du blonde Haare?"- "Nein."
"Braune?""- "Nein."
"Schwarze?" "Nein."
"Rote?!", Ben war genervt.- "Nein."
"Hast du eine Glatze?"- "Nein."
"Verdammt, wenn du keine schwarzen, braunen, blonden, oder roten Haare hast, was dann he? Das gibt's doch gar nicht."
"Doch. Ich habe brünette Haare."
"Brünett ist dunkelblond.", sagte Ben empört.
"Nein"- "Doch!"
Angel biss sich auf die Lippen- er nervte sie.
"Bist du erfolgreich?"- "Ja."
Ben überlegte nun wieder konzentriert und dann sagte er plötzlich, als hätte er die Lösung: "Ich hab Null Ahnung, okay! Deinen Typen kennt niemand."
Angel war empört. "Doch! Jeder kennt Till Schweiger."
Ben sagte nichts, er drehte sich weg. Angel sah ihn an. Konnte sie sich so in ihm getäuscht haben? Plötzlich wand er sich ihr zu und starrte sie ausdruckslos an. Angel strich sich langsam eine Strähne hinter ihr Ohr und lächelte ihn dabei mit ihrem bezauberndsten Lächeln an. Sie nahm wieder eine Haarsträhne und spielte mit ihren Haaren und wickelte sie um ihren Finger. Ben beugte seinen Kopf hinunter und raffte sich wild mit seinen Fingern durchs Haar. Er schien nachzudenken, beziehungsweise mit sich zu kämpfen. Als er wieder zu ihr aufblickte, war sein Gesicht wutverzerrt. "Wie viel hast du ihnen gegeben?!!", schrie er. Angel zuckte zusammen. "Wovon redest du?", fragte sie verwirrt.
"Hör auf Spielchen zu spielen. Wie viel hast du denen vom Hotel gegeben, dass sie dich mit Ben Crowlby in einen Aufzug sperren?!!", brüllte Ben.
Angel machte ein säuerliches Gesicht. "Ich hab überhaupt nichts gemacht. Der Aufzug ist kaputt. Die Welt geht nicht unter!"
"Ach ja?!", fuhr er sie an. "Und die Hotelangestellten sind alle taub und hören nicht das Läuten?"
"Vielleicht ist es im Eimer.", sagte Angel sorglos.
"Klar, der Aufzug ist kaputt, warum nicht auch der Notruf?"
Angel erwiderte nichts.
"Und dir ist alles scheißegal, weil du weißt, dass sie uns eh wieder holen, nach ein paar Stunden? Oder erst nach einer Nacht? Was war denn der Plan?", legte Ben wieder los.
"Du bist verrückt.", sagte Angel. Sie ging nun selbst zur Notrufanlage um den verdammten Knopf zu betätigen. Er sollte ruhig ihren guten Willen sehen. Ben schnaubte nur noch und sagte nichts. Angel fühlte sich erbärmlich. Am liebsten würde sie losheulen. Da fiel ihr wieder der Film "I love troubles- Nichts als Ärger" mit Julia Roberts ein, die auch mit einem Journalisten, wenn sie sich recht erinnerte, war das Nick Nolte, in einem Aufzug eingesperrt war. Ihr Blick schweifte zur Decke, die mindestens Zwei Meter Fünfzig vom Boden entfernt sein musste. Nun fasste Angel einen Plan. Sie versuchte auf die Türschnalle des Aufzuges, die dafür diente die Tür, wenn sie sich nicht öffnen ließ, aufreißen zu können, was natürlich nicht funktionierte, wenn man zwischen zwei Stockwerken steckte, zu klettern, was schwieriger war, als sie dachte. Immer wieder glitt sie mit den Händen von den glatten Wänden ab.
"Lass den Scheiß! Was soll das bringen?"
"Ich werde die Decke aufdrücken. Dann können wir in den Schacht hinauf klettern."
Ben schüttelte den Kopf.
Die war nicht nur durch geknallt, die war Geistes krank.
Angel versuchte es nochmals. Sie rutschte wieder ab. Wenn, er ihr helfen würde, anstatt herum zu meckern, würde es leichter gehen. Sie hob erneut ein Bein auf die Vorrichtung und nahm mit dem anderen Schwung. Sie stieß sich so fest sie konnte vom Boden ab, verlagerte gleichzeitig ihr Gewicht gegen die Wand und richtete sich mit beiden Füßen auf der Türschnalle, langsam auf. Die Hände suchten dabei an der glatten Mauer Halt. Gut, sie hatte es geschafft. Jetzt musste sie nur noch die Decke irgendwie aufbekommen. Doch kaum hob sie die Arme um sie gegen den Plafond zu stämmen, verlor sie das Gleichgewicht und stürzte. Sie fiel auf Ben, der in dem Moment gekommen war, um sie fest zu halten. Es gab einen harten Aufprall am Boden und Angel rollte an ihm hinunter.
Ben presste mit zusammengepressten Zähnen hervor: "Scheiße. Willst du-" Er keuchte- "mich umbringen? Mein Bein, ah!!"
Angel schluchzte. Er versuchte sich aufzurichten, fuhr aber unter Schmerzen zusammen. "Aaaaaaaahhhhhh!!!!!!!!!!!"
Er kniete sich wieder hin und hielt sich mit schmerzerfülltem Gesicht sein rechtes Bein fest, als würde, der Schmerz damit aufhören.
Angel war wutentbrannt und verzweifelt panisch zu gleich. Na toll. Jetzt wollte er sie vielleicht auch noch auf Schadensersatz verklagen. Dieser vertrottelte Egoist. "Es ist nicht meine Schuld, dass dieser (jetzt schrie sie) Scheiß Aufzug stecken bleibt!!!! Und es ist auch nicht meine Schuld, dass du lieber mit einer hübschen -ein Meter achtzig- ("Ahhh.") - gut aussehenden, blonden Tussi zusammen wärst, als mit mir. Aber glaub mir. Ich wäre auch lieber woanders als bei dir." Jetzt heulte sie. " Nicht jeder kann Pamela Anderson sein!" Tränen spritzten ihr aus den Augen und liefen ihr die Wangen hinunter.

Scheiße, musste sie ihre letzte Würde verlieren?
Aber Ben war von ihren Gefühlsausbruch so überrascht, dass er sein Selbstmitleid vergaß.

Das hatte er nicht bezweckt. Er wollte sie nicht verletzen.

" Das ist doch Quatsch!" Ben fühlte sich überfordert, was redete er da? Ich meine, es ist doch totaler Quatsch, dass ich lieber mit einer Blondine hier wäre."
Es nützte nichts- Angel heulte weiter.
"Es ist nicht deine Schuld. Der Tag ist einfach scheiße gelaufen."
Angel flossen die Tränen über ihr Kinn und einige blieben an ihren Lippen kleben.
Bens verzweifelter Gesichtsausdruck blieb an ihnen hängen. " Ich weiß, ich bin ein Arsch. Ich hatte einfach einen schlechten Tag und ich hab mich dir gegenüber wie ein Arsch benommen."
Jetzt kullerten nur mehr vereinzelte Tränen über ihre Wangen.
"Komm her." Ben breitete seine Arme aus. Angel ließ sich zu ihm am Boden fallen und wollte so weiter heulen. Doch er nahm sie in die Arme. Sie schniefte in seine Schulter.
"Das darfst du nicht persönlich nehmen." Er strich ihr durch ihr Haar und über den Rücken und spürte unter seinen Händen ihren zierlichen Körper zucken. "Ist schon gut."
Mit verheultem Gesicht hob sie den Kopf und blickte ihn an. "Nichts ist okay, wahrscheinlich hab ich dir dein Bein gebrochen."
"Es schmerzt gar nicht mehr so." Er log. "Wahrscheinlich ist es nur geprellt oder verstaucht." Er drückte ihr nasses Gesicht wieder an sich. Sie heulte sich aus, bis sie nur mehr schniefen konnte und es ihr unmöglich war, weitere Tränen zu produzieren. Sie sah ihn mit ihren großen braunen Augen an. "Dein T- Shirt ist total nass."
Er lächelte, als ob das, das Schlimmste wäre. Vermutlich würden sie hier sterben. Viele Leute waren schon im Lift stecken geblieben, vergessen worden und erst viel zu spät tot geborgen worden. Sie würden ersticken, ganz langsam. Zuerst würden sich Schweißperlen an ihren Stirnen bilden, dann würden sie husten, dann blass werden, weiter husten, dann grün werden, röcheln, die Frage war nur, wer würde zuerst den Löffel abgeben? Sie waren beide zu jung zum Sterben. Er wollte nicht sterben.
Er kroch wie ein Krebs auf allen Vieren in eine Ecke und schleifte dabei sein verletztes Bein nach. Angel lehnte sich neben ihn an die Wand. Sie schwiegen sich eine Weile an, bis Ben die Stille durchbrach. Er sah sie an. " Wie alt bist du eigentlich?" "Fünfzehn."
"Also gehst du zur Schule."
"Ja, ich möchte unbedingt die Matura machen und dann studieren!"
"Wow" Ben setzte ihr gegenüber zum ersten Mal, seit er ihr begegnet war, einen anerkennenden Blick auf. "Ich hab gerade die Pflichtschule abgeschlossen." Bevor sie ihm etwas entgegen bringen konnte, setzte er fort: "Und selbst, wenn ich nicht die unglaubliche Chance gehabt hätte und nicht im Musikbusiness gelandet wäre, hätte ich gerade den Pflichtschulabschluss. Was willst du denn studieren?"
"Wahrscheinlich Pharmazie. Ich möchte Medikamente in Labors herstellen, in der Forschung tätig sein, etwas Gutes machen."
"Klingt gut. Aber warum dann nicht Medizin studieren?"
" Ärzte haben zu viel Macht über einen, die sie missbrauchen."
"Wenn du Ärztin wärst, könntest du mich behandeln."
" Auf keinem Fall. Ich könnte dir, niemandem Blut abnehmen, oder impfen."
Er lachte. "Ich steh auch nicht drauf von Nadeln gestochen zu werden. Aber als Ärztin fliegen dir die Männer nur so nach."
"Quatsch, wer sagt das?"
"Ich- meine Ärztin erzählt mir jedes Mal von einem anderen Prominenten, mit dem sie was hat, das letzte Mal erzählte sie mir von George Clooney."
"Quatsch!"
"Nein, ich meins ernst. Ich verarsch dich nicht!"
"Dann hat sie dir das nur gesagt, weil sie sich in dich verguckt hat und sich so bessere Chancen erwartet hat."
"Egal. Dann siehst du trotzdem jede Menge Männer in deiner Praxis."
"Ich brauch keine Männer."
Er wurde hellhörig. "Schlechte Erfahrungen?"
"Nein, ich- ich brauch niemanden, außer dich."
Er durfte jetzt nicht lachen. Sonst würde sie denken, er würde sie nicht ernst nehmen.
"Aber du kennst mich doch gar nicht."
"Doch ich kenn dich. Ich weiß, dass es Ka ist."
"Du liest Stephen King?"
So hat er sie wohl nicht eingeschätzt. "Mein Lieblingsautor."
"Als nächstes erzählst du mir, dass du Kiss Fan bist."
"Negativ, ich steh nur auf euch. Ich meine, ich hör nur eure Musik."
Wieder herrschte kurze Stille. Sie hatte plötzlich diesen Ohrwurm, wollte ihn aber gar nicht los werden. Sie summte die Melodie leise vor sich hin. Ben erkannte sie natürlich, es war ja auch ein Song von den Ocean Guys.
Er sang: " If I knew to set things wright, I'd go the pass of hell- to win- to win you back. I'd walk-" Sie setzte nun kaum hörbar ein: "- one thousand miles, just to say that I was wrong. I'd forget my proud." Jetzt vergaß Angel ihre Hemmungen und sang mit Ben in seiner Tonlage lautstark mit: "just tob e with you tonight. I don't know how it happened, when you slipped away. But I can't wait the day, when you are mine." Sie sangen auch noch die ganze palette an Songs des neuen Albums durch. Als sie beim Song "Scandalous" bei der Stelle "She loved to go shopping by the rich and famous. Getting me in elevators, pressing the emergency stop and having sex until the camera makes us." waren, blickte Ben erschrocken zur Kamera, die an der gegenüberliegenden Seite an der Decke angebracht war, und Angel begann zu lachen. Ben schien verlegen, verbarg sein Gesicht und schrie immer wieder "Oh mein Gott!" , bis er sich die Haare aus dem Gesicht strich und Angel für einen kurzen Moment ins Gesicht blickte.
"Du hast mein Gedicht nie gelesen, oder?", sagte Angel. Mist, warum musste sie immer alles kaputt machen?
"Welches Gedicht? Ich versteh nicht.", sagte Ben.
"Oh, du hast noch gar nicht in der Hose nachgeschaut!", bemerkte Angel.
Ben blickte irritiert auf seine Hose. Angel lachte "Nein, in der Hose des Stoffhasen, den ich dir geschenkt habe."
"Oh da war ein Gedicht?", sagte Ben ein wenig schuldbewusst.
"Ja, du kannst es ja dann lesen, wenn wir wieder draußen sind.", sagte Angel.
"Kannst du's?"
"Klar."
"Na dann los."
"Was?"
" Trag mir dein Gedicht vor."
"Nein."
"Warum nicht?"
"Weil du lachen wirst."
"Komm schon, okay ich verspreche dir, dass ich nicht lachen werde. Wenn ich's doch mache, darfst du mich hauen."
Angel krächzte: " I love you because you confuse me,
can't you see?
You are one of a kind, nein ich kann nicht."
"Mach weiter, ist doch gut bis jetzt."
Angel grinste und räusperte sich: "You are one of a kind.
People say, that I'm crazy and blind
risking it all in a glance,
when I think about you, I must dance.
I can't get you out of my head,
I need you so bad.
In the morning the first thing I do,
I think of you.
I should forget you,
before I do things I shouldn't do,
before I end up in misery,
cuz when I hear people say bad things about you, I'm disary.
People say I'm
People say I'm psycho and crazy
I can't do anything, I'm becoming lazy.
Bad things happening to you make me down,
I'd put my life for you in pown,
because you are the one who makes me
happy most of my lifetime.
You are my daydreams and dreams
I can't live without you, so it seems.
I love you
and' ll always do."
"Wow, das Gedicht ist…"
Ben schien gerührt. "Das Gedicht ist großartig. Ich fühl mich geehrt." Angel lächelte. Mann, war das peinlich. "Ich mein, ich weiß nicht was ich sagen soll, es ist einfach toll."
"Danke.", sagte Angel.
Sie sprachen noch lange, bis die beide sich am Boden schlafen legten. Um halb Vier morgens wachte Ben plötzlich auf. Er spürte einen unglaublichen Druck auf seiner Blase. Er sah an sich herunter und verstand auch warum. Das Mädchen hatte seinen Bauch als Kissen verwendet und das Gewicht ihres Körpers drückte gegen seinen Unterleib. Vorsichtig zog er sie von sich herunter. Nein, es half nichts, er musste, sonst würde er in seine Hose pissen. Er kroch mühsam auf alle Vieren in eine Ecke. Mit dem Gesicht zur Wand rappelte er sich hoch. Scheiße, tat das Bein weh. Er warf einen Blick über seine Schulter. Gut, Angel schlief noch. Er machte den Reißverschluss seiner Jeans auf und erleichterte sich. Ein nasser Fleck am roten Teppich und Spritzer an der Aufzugwand bezeugten seine Tat.
"Ben?"
Erschrocken drehte er sich um. Sie sprach bloß im Schlaf. Er wollte keinesfalls, dass sie aufwachte. Bis man, das heißt, wenn man sie fand, würde der verräterische Fleck schon eingetrocknet sein. Wie um sein Leben kämpfend, kroch er zu Angel zurück.
Ich? Nein ich war das gar nicht. Ich war doch die ganze Zeit bei dir.
Ben musste laut lachen. Angel stöhnte. Er legte sich neben sie, und ihren Kopf wieder an auf seinen Bauch. Er fuhr ihr mit seiner rechten Hand durch ihre langen dunklen Haare. Sie waren samtweich. Wie gern würde er jetzt- nein daran durfte er nicht ein Mal denken.

Angel wurde durch ein lautes Stimmengewirr und dutzende Blitzlichter geweckt. Mühsam öffnete sie die Augen und bemerkte, dass die Aufzugtür offen stand. Fans, Hotelpersonal und Männer mit Fotoapparaten gafften sie an. Jetzt verstand Angel erst wo sie war und was passiert war. Sie war mit Ben, Ben Crowlby stecken geblieben und die Leute mussten davon Wind bekommen haben. Irgendwer hatte den Aufzug repariert und nun konnte sie endlich aufs WC. Angel rüttelte Ben, der noch immer seelenruhig schlief. Sie raffte sich auf und richtete ihren Rock, dessen Vorderseite, weil sie so dünn war, sich verschoben hatte und ihren Hintern bedeckte. Ben stand nun langsam hinter ihr auf und blickte genauso verdutzt drein, wie Angel zuvor, als er die Menschenansammlung sah. Angel wollte sich die Menge durchdrängen, aber Paparazzis stürzten auf sie. Angel wurde von einem Blitzgewitter attackiert und von Fragen bombardiert. "Wer bist du?" "Seit wie lange kennst du Benjamin Crowlby?" "Was läuft zwischen euch?" Angel sah den Mann, der so direkt und unverschämt das Mikrophon vor die Nase hielt, an. Angel versuchte sich erfolglos an den Typen vorbei zu beben. Der Mann sagte sarkastisch: "Und Ben wie erklärst du dir deine offene Hose?"
Ben blickte entsetzt an sich hinunter.
Was sollte er sagen? Ich hab in den Aufzug gepisst?
Er antwortete nicht und zog sich den Zippverschluss hoch. Angel starrte auf seine zuvor eben noch offen gewesene Hose. Warum hatte er sich bloß die Hose aufgemacht? "Warum lag das Mädchen auf dir?", schrie jetzt ein anderer Paparazzi mit dunklen Sonnenbrillen im Gesicht.
"Sie lag nicht auf mir!", sagte Ben wütend. "Ihr schreibt sowieso nur Scheiße."
"Ach ja? Ich weiß, was ich gesehen habe und das können die anderen sicher auch bezeugen. Das Gesicht des Mädchens lag in deiner Hose."
"Das ist nicht wahr!" Ben wollte auf den Paparazzi losstürmen, doch er hatte vergessen, dass sein verletztes Bein nicht mitspielen würde. Mit einem Aufschrei knickte er um und sank zu Boden. Angel erschrak "Ben ist verletzt. Wir brauchen Hilfe und keine Gerüchte."
Und schon wurde durch das Hotel gebrüllt: " Ruft einen Krankenwagen!" Angel nutzte den Tumult und die Aufmerksamkeit der Masse für Ben. Sie hörte ihn noch wie ein kleines Baby "Ich brauche keinen Arzt!!!" quengeln, als sie in ihr Hotelzimmer flüchtete.
Ben wurde von George und Dillan, den zwei Bodyguards gestützt und zum Tourbus gebracht. Noch immer liefen ihnen die verdammten Paparazzis nach. Und das Mädchen war verschwunden. Er konnte nicht, er konnte nicht einfach gehen ohne sich von ihr zu verabschieden. "Halt fahr noch nicht!", brüllte er den Buschauffeur an. "George such bitte das Mädchen.", wand er sich an seinen Bodyguard.

Er klopfte an der Tür. Angel fuhr zusammen. Wahrscheinlich war es einer der Journalisten oder ein verrückter Fan, der sie massakrieren wollte, weil sie eine Nacht mit Ben verbracht hatte.
"Mach die Tür auf, Ben möchte mit dir sprechen.", klang es von draußen. Angel versuchte kein Geräusch zu machen. Das war bestimmt nur eine Falle. "Los das ist deine Chance. Ben will sich noch von dir verabschieden." Stille- "Okay, du wolltest es so. Dann fahren wir halt jetzt."
Angel hielt es nicht mehr aus. Sie riss die Tür auf und stürzte George nach.
"Da bist du endlich. Ich bin George."
"Ich bin Angel."
Sie fuhren den Aufzug hinunter und verließen das Hilton. George zog sie schleppend an der Hand durch die Menschenmasse, die heftig auf sie einredete. Die Tür des Tourbuses öffnete sich und Ben stand über ihr. Als Paparazzis diese Gelegenheit nützten und Fotos schossen, riss George Angel energisch in den Bus.
"Eigentlich wollte ich mich von dir verabschieden, aber es wäre Mord, dich alleine denen draußen zu überlassen." An den Sitzbänken abstützend, humpelte Ben weiter nach hinten in den Bus. Er hatte also seinen Kopf durchgesetzt und musste nicht mit der Rettung fahren. Angel folgte ihm und wurde fast umgeworfen, als der Bus plötzlich los fuhr.
" Oh nein halb Deutschland fährt uns nach." Tom schaute verdrossen durch die verdunkelte Busscheibe und beobachtete die Autokolone, die ihnen folgte. "Es ist besser, wir ziehen in ein anderes Hotel um. Wenn erst der Rest der Fans die Klatschspalten in den Zeitungen liest und weiß in welchem Hotel wir gastieren, werden sie in Schwärmen kommen." "Die werden das Hotel stürmen und dich steinigen.", sagte Bryan theatralisch zu Angel. Angel funkelte ihn böse an. "Kann ich etwa was dafür, dass ich mit Ben Crowlby stecken bleib?"
Tom schüttelte den Kopf. "Nein, Ben ist derjenige, der nie denkt, bevor er etwas tut."
Ben schnaufte "Konnte ich wissen, dass der Aufzug stecken belieben würde?"
"Du weißt genau was ich meine.", sagte Tom.
"Du bist total am falschen Weg, big bro.", sagte Ben mit bemüht verruchten Lächeln
.
Sollten sie nur glauben, was sie wollten. Die anderen zu verarschen machte ihm einfach unglaublichen Spaß.
Der Bus hielt vor dem Krankenhaus an. Kaum, als die Sanitäter, Ben auf einem Bein herum humpeln sahen, kamen sie auch schon mit einem Rollstuhl daher gelaufen. Widerwillig ließ sich Ben hinein plumpsen und ins Krankenhaus führen. Die Fans mussten draußen bleiben. Ben musste zum Röntgen in die Unfallambulanz. Angel wartete mit seinen Kumpels und Andrew, Bens Bodyguard im Wartesaal. Die anderen vier Securities waren draußen geblieben, um den aufgeregten Fans Fragen zu beantworten, sie zu beruhigen, und sie so im Zaun zu halten.
"Was ist mit dir und Ben im Aufzug gelaufen?" Bryan setzte sich
neben Angel auf einen der Sitze. "Tut mir leid, wenn das jetzt zu direkt gefragt war. Es geht mich wahrscheinlich nichts an. Aber du kannst es mir trotzdem sagen, ich bin Bens bester Freund und er würde es mir sagen."
Nun kam auch Alex, der wie immer eine seiner Sonnenbrillen trug, hinzu. "Bryan, sei nicht so neugierig." Er nahm seine Brille ab, hinter der er seine rehbraunen Augen verborgen gehalten hatte. "Und wie war es? Wie ist Ben beim Sex?"
"Alex, halt deine Klappe!", mischte sich Tom verärgert über solche Taktlosigkeit ein.

Angel fühlte sich verunsichert. Es war klar, dass sie so eine Story für ihr gutes Image nicht brauchten. Als Angel ihnen erzählte, was wirklich geschehen war, merkte sie, dass selbst Duke, der sich uninteressiert jeglichen Kommentar entzogen hatte, nun aufatmete. In dem Moment kam Ben mit zwei Krücken unter den Armen, einen Gips am Bein und einem Lächeln im Gesicht.
"Warum freust du dich so?", fragte Bryan.
Ben lachte laut. "Weil ihr mir jetzt das Frühstück jeden Tag ans Bett bringen könnt."

"Träum weiter.", lachten die anderen.

Im Bus setzte sich Angel neben Ben. "Du warst großartig."
Angel verstand nicht. "Was meinst du?"
"Im Aufzug."
Sie hatten doch gar keinen Sex gehabt.
"Ich meine als du zum Singen angefangen hast und "

"Ich singe grauenhaft.", lachte Angel.
"Ja mag sein, aber ich meine, du hast mich abgelenkt von meinem Schmerz
und als du neben mir lagst, hatte ich irgendwie das Gefühl, ich weiß das klingt blöd, aber ich wusste, die Grimms würden nicht kommen, weil du noch da warst."
Angel musste innerlich lachen, lachen weil, er sie großartig fand, aber auch über seine lächerliche Angst, die er noch immer mit seinen 20 Jahren trug, er könnte nachts von üblen Wesen, den Grimms befallen werden, die ihn beißen wollten. Doch sie durfte nicht darüber lachen und sie wollte ihm nicht das Gefühl geben, dass sie ihn nicht verstand. "Ich fand es auch schön mit dir- abgesehen von der Heulattacke am Anfang.", sagte sie.
"Wann musst du denn am Flughafen sein?" Hast du vielleicht noch Zeit für eine Coke?", fragte Ben.
Angel schüttelte den Kopf. "Mein Flieger ist schon vor eineinhalb Stunden abgeflogen. Ich muss irgendwie eine Lösung finden, nach Hause zu kommen."
"Du hast für mich deinen Flug sausen lassen?!"-
Er verstand die Fans nicht.- "Vielleicht können wir ja die Tickets umtauschen."

Doch die Flugbegleiterin dachte gar nicht daran Angel ein neues Flugticket für ihr Abgelaufenes gratis zu geben. So kauften ihr die fünf Jungs zusammen Eines für den nächsten Flug nach Österreich, der erst am nächsten Tag um elf Uhr Vormittag stattfinden würde. Angel war es ziemlich peinlich, dass die Jungs für sie bezahlen mussten, sie bestand darauf ihnen das Geld zurück zu zahlen, doch insgeheim wusste sie, dass sie das gar nicht gleich konnte, weil sie kein Geld hatte.

Alex setzte sich im Bus hinter Ben und Angel, die nebeneinander saßen. "Gehen wir zum Mac Donalds? Ich könnte einen MC Chicken, Fritten und ein großes Cola vertragen." Angel drehte sich mit ihrem Oberkörper zu ihm nach hinten. Es war cool, dass sie so berühmt waren und trotzdem so bodenständig waren, Fast Foot, teuren Exquisiteten, Snob- Restaurants vorzuziehen. Ben aber sah sichtlich erschrocken aus.
Er konnte jetzt schon die Schlagzeilen lesen. "Ocean Guys Mitglied uriniert im Hotelaufzug"
"Nein, fahren wir ins Hotel zurück."
Alle sahen ihn verwundert an. Tom fragte ihn sogar, ob er krank wäre.
"Ich hab was Wichtiges vergessen."
Alex schüttelte verständnislos den Kopf. "Na und?
Wir fahren nachher sowieso ins Hotel um unsere Sachen zu packen."
"Ich muss aber sofort zurück.", sagte Ben.
"Warum?", fragte Bryan.
"Ich muss einfach."
"Müssen wir jetzt wieder alles geht nach meinem Kopf- ich bin das Baby- spielen?", ätzte Tom.
"He Jungs! Habt ihr' s dann? Ich muss wissen wohin ich euch hinfahren soll!", brüllte der Busdriver nach hinten.
"Ja. Wir fahren zum Mac Donalds!!", rief Tom.
"Ich will aber nicht.", bockte Ben.
"Hey, die Mehrheit hat entschieden. Wir wollen, okay?", sagte Tom unbeirrt.
Ben fuhr sich mit der Hand durch die Haare (das machte er immer, wenn ihm unwohl war). "Ich hab was total Wichtiges zu erledigen, Josh kann euch ja beim Macy aussteigen lassen und mich zum Hotel bringen."
"Was hast du denn so Wichtiges vor, dass du auf deine Burger verzichtest?", fragte Duke so, als würde es nichts Wichtigeres geben. "Die Kamera.", sagte Ben.
"Deine Kamera ist sicher in unserem Zimmer.", sagte Bryan, dessen Blick verriet, dass er um den Geisteszustand seines Kumpels besorgt war.
"Nicht meine. Ich brauche das Band von der Kamera im Aufzug."
"Heilige Scheiße, was habt ihr da drin getrieben?", amüsierte sich Alex.
"Nichts, überhaupt nichts.", verteidigte sich Angel. Alex dachte wirklich nur an das Eine. Normalerweise konnte Angel solche Typen der Kategorie "schwanzgesteuerte Idioten" nicht ausstehen, aber Alex war kein Idiot. Er hatte irgendetwas, was ihn sympathisch machte.
"Warum musst du dann das Band klauen, Ben?", fragte Bryan belustigt.
Ben fuhr sich mit der linken Hand hinter den Nacken. "Ich klaue es nicht, ich kaufe es."
Bryan und Alex lachten hysterisch. Selbst Duke konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Nur Tom sah drein, als würde er Ben am liebsten den Kopf abreißen.
"Vielleicht ist am Band gar nichts zu sehn. Es ist nur- ich hab so dringend pinkeln müssen."
"Du hast in den Aufzug gepisst??", brüllte Alex, dass es jeder im Bus mitbekommen musste. Bens Kopf verfärbte sich dunkelrot. Angel hatte mit ihm Mitleid. Alex zog immer seine Show ab und musste den Coolen spielen. "Na und manche machen ins Schwimmbecken, andere in die Dusche und Ben hat eben in den Aufzug gemacht. Nicht in die Hose!"
Ben sah sie dankend an. Es nützte nicht wirklich- die Boys machten sich die ganze Fahrt über lustig und freuten sich, es endlich Ben, der es sonst mit seinen kindischen Späßen auf sie abgesehen hatte, heimzahlen zu können.




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